Kinderkommission Queer, na und?!

Zwei Mädchen mit lilanen Haaren sitzen in einem Baumhaus
Queere Jugendliche werden oft beschimpft und ausgegrenzt. Das muss sich ändern. Auf unsere Initiative hin befasst sich die Kinderkommission des Deutschen Bundestags unter dem Titel „Queer, na und!?“ mit der besonderen Situation von LSBT*I–Jugendlichen in Deutschland.

Queer leben ist auch 2017 nicht immer leicht. Zu gleichen Rechten für gleiche Liebe konnte sich die Bundesregierung immer noch nicht durchringen. Sie weigert sich hartnäckig die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Im Adoptionsrecht werden Lesben und Schwule immer noch diskriminiert. Die große Koalition hat auch in dieser Wahlperiode ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie blockiert und diskriminiert dadurch Menschen, die anders leben und lieben wollen. Sogenannte „besorgte Bürger“ wollen verhindern, dass Kindern in Kita und Schule Akzeptanz und Respekt vor Minderheiten vermittelt werden.

Unsere Gesellschaft ist hier in großen Teilen schon viel weiter. Die „Ehe für alle“ hat in der Bevölkerung großen Rückhalt und Menschen egal welcher sexuellen Identität können in unserem Land so frei leben, wie nie zuvor. 

Queere Jugendliche werden beschimpft und ausgegrenzt

Und doch ist die Situation von queeren Jugendlichen nach wie vor oft schwierig. Auf Schulhöfen kursieren Schimpfworte wie „schwule Sau“ oder "lesbische Kuh". Diskriminierungserfahrungen gehören zum Alltag vieler LGBT*I-Jugendlichen. Die aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts zeigt, dass 82 Prozent der befragten homo- oder bisexuellen Jugendlichen und 96 Prozent der Trans*Jugendlichen Diskriminierung erlebt haben. In allen Lebensbereichen sind sie immer noch Ausgrenzung, verbalen und auch körperlichen Angriffen ausgesetzt. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Selbstmordrate bei homosexuellen Jugendlichen ist immer noch um das vier- bis sechsfache gegenüber heterosexuellen Gleichaltrigen erhöht.

Das ist eine alarmierende Zahl. Denn hinter diesen Zahlen stecken Menschen, junge Menschen. Die Jugendzeit ist ohnehin schon eine schwierige Zeit voller Umbrüche, voller Selbstfindungs- und Entwicklungsprozesse, eine besonders vulnerable Phase. Und dazu kommen bei queeren Jugendlichen noch die Angst, der Druck, die Unsicherheit als Begleiter ihres Coming-outs. 

Jede*r Jugendliche soll ohne Angst die eigene geschlechtliche Identität entwickeln können

Unter dem Vorsitz von Beate Walter-Rosenheimer startet die Kinderkommission des Deutschen Bundestages am Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT) mit einem neuen Themenblock. Unter der Überschrift „Queer, na und?! - LSBT*I–Jugendliche in Deutschland“ wird es in vier Sitzungen um die Situation dieser Jugendlichen gehen. Expertinnen und Experten sowie junge Menschen werden zu Wort kommen.

Eines ist für die grüne Bundestagsfraktion klar: In unserer Gesellschaft gilt gleiches Recht für alle Heranwachsenden. Jede*r Jugendliche soll ohne Angst und Repressalien die eigene geschlechtliche Identität entwickeln können. Dieser Anspruch leitet sich auch aus den Kinder- und Jugendrechten der UN-Kinderrechtskonvention ab, zu deren Umsetzung und Einhaltung sich Deutschland verpflichtet hat.

Bundesweiter Aktionsplan für Respekt und Vielfalt

Die grüne Bundestagsfraktion unterstützt Jugendliche, die queer leben, lesbisch, schwul, trans* oder intergeschlechtlich sind. Deshalb haben wir in unseren Antrag „Jung, queer, glücklich in die Zukunft ‒ Lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Jugendliche stärken“ konkrete Vorschläge gemacht, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören ein bundesweiter Aktionsplan für Respekt und Vielfalt, der Maßnahmen gegen Homophobie und Transphobie vorsieht und der Ausbau von Unterstützungsangeboten für junge Menschen.

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