Wettrennen gegen die Zeit

Fünf Jahre Pariser Klimaabkommen

Eiffelturm in Paris
Bisher ist das Abkommen nur auf dem Papier ein Erfolg. Die klimaschädlichen Emissionen haben einen neuen Höchstwert erreicht. Wir brauchen jetzt einen Aufbruch in der internationalen Klimapolitik, damit das Abkommen endlich umgesetzt wird. picture alliance / landov
18.12.2020
  • Nach vielen gescheiterten Klimakonferenzen gelang 2015 der historische Durchbruch, auf deutlich unter zwei Grad, besser 1,5 Grad soll der globale Temperaturanstieg begrenzt werden.
  • Leider ist seitdem ist viel zu wenig passiert. Die globalen Emissionen sind bis heute nicht gesunken. Weltweit hat sich die Temperatur bereits um 1,2 Grad erhöht.
  • Doch es gibt auch Hoffnung: Der europäische Green Deal strahlt aus in die Welt, auch andere Länder machen sich auf den Weg in die Treibhausgasneutralität.

Noch steigen die Treibhausgasemissionen weiter

Das Abkommen wurde in Rekordzeit ratifiziert und trat bereits ein Jahr nach seiner Verabschiedung in Kraft. Doch seitdem ist viel zu wenig passiert. Die globalen Emissionen sind bis heute nicht gesunken. Weltweit hat sich die Temperatur bereits um 1,2 Grad erhöht. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre erreichen immer neue Höchstwerte. Die fortschreitende Klimakrise gefährdet unsere existenziellen Lebensgrundlagen. Das dritte Dürrejahr in Folge liegt gerade hinter uns, von Sibirien über Kalifornien und Australien bis hin zum Amazonas brennen die Wälder. Weltweit leidet die Natur, in heißen Sommern die Menschen unter der Hitze.

Die größte Bedrohung für unsere Sicherheit geht nicht von Kriegen aus, sondern vom selbstmörderischen Krieg gegen die Natur.

António Guterres, VN-Generalsekretär am 18.12.2020 im Deutschen Bundestag

Deutschland nicht auf Kurs

Auch Deutschland ist längst nicht auf Kurs. Eine grundlegende sozial-grüne Wende ist nicht in Sicht. Besonders wenig hat sich im Verkehrssektor getan: Hier sind die Emissionen seit 1990 faktisch nicht gesunken. Die Zahl klimaschädlicher SUVs nimmt weiter zu. Den allergrößten Teil der Güter karren nach wie vor schwere LKW über unsere Straßen und der Straßenbau genießt weiterhin Priorität in der Regierungspolitik. Der Kohleausstieg kommt zu spät und ist zu teuer. Und das erst im letzten Herbst, vor allem auf Druck der Klimabewegung, zustande gekommene Klimaschutzprogramm 2030 wird selbst unter optimistischen Annahmen das Klimaziel für 2030 verfehlen. Vor allem aber, das Herzstück des Klimaschutzes, der Ausbau der Erneuerbaren Energien, wird von ihr ausgebremst.

Dank Paris: Auch Rückenwind für Veränderung

Trotz aller schlechten Nachrichten, es gibt auch Hoffnung. Denn nie war die gesellschaftliche Zustimmung für Klimaschutz größer. Klimaschutz ist ganz oben auf den Titelseiten angekommen. Die EU-Kommission will die EU mit dem den Europäischen Green Deal in eine ressourceneffiziente, wettbewerbsfähige und nachhaltige Wirtschaft überführen. Die europäische Staatengemeinschaft soll bis 2050 klimaneutral werden und die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich gerade darauf verständigt, dass europäische Klimaziel für 2030 auf mindestens minus 55 Prozent anzuheben. Ein Schritt der ohne Paris so wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Dies hat auch Strahlkraft auf andere Länder und Regionen der Welt. Denn wer zukünftig noch auf dem europäischen Markt vertreten sein will, egal ob die USA, China oder Brasilien, wird sein Angebot wohl oder übel darauf einstellen müssen. Produkte und Dienstleistungen müssen sich am Ziel der Treibhausgasneutralität orientieren.

Europäischer Green Deal entwickelt Strahlkraft

Es ist sicher kein Zufall, dass erst kürzlich der chinesische Staatspräsident XI Jinping ankündigte, sein Land wolle bis zum Jahr 2060 treibhausgasneutral werden. Auch das Ergebnis der US-Wahl lässt darauf hoffen, dass sich künftig auch die Vereinigten Staaten einer ambitionierteren Klimapolitik verschreiben werden. Auch viele deutsche und europäische Unternehmen machen sich auf den Weg. Ging es vor Paris häufig noch um die Frage des „ob“, so geht es heute um die Frage des „wie“. Klima- und Umweltschutz sind gut für Wirtschaft und Wohlstand - und der beste Ansatz, unser Land konsequent zu modernisieren. Klimaschutz macht uns unabhängiger von Rohstoffimporten, bringt Wertschöpfung und zukunftsfähige Beschäftigung im Land. Zugleich vermeiden wir, kommende Generationen weiter zu belasten.

Internationale Klimapartnerschaften als Chance

Sowohl die Corona- als auch die Klimakrise können wir nur als Staatengemeinschaft bewältigen. Gemeinsam mit unseren Partnern in Europa müssen wir die Weichen stellen und über internationale Klimapartnerschaften den internationalen Klimaprozess beleben. Viele Länder des globalen Südens haben sich durchaus ehrgeizige Klimaziele gegeben, aber häufig mangelt es dort an den Möglichkeiten, sie umzusetzen. Hier können Klimapartnerschaften helfen, Widerstände abzubauen und neue Wege zu eröffnen. Technologie „Made in Germany“ oder auch „Made in India“ und anderswo können dann dazu beitragen, das enorme Potenzial der Erneuerbaren Energien in anderen Teilen der Welt zu heben.

Die nächsten Jahre entscheiden: Je schneller wir handeln, desto besser sind die Chancen, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten und ein friedliches Zusammenleben auf diesem Planeten zu ermöglichen.


 

Online-Diskussion vom 14.12.2020 (Aufzeichnung)

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Climate Action NOW - Internationale Klimapolitik im Aufbruch?

Anton Hofreiter sprach mit Jennifer Morgan (Greenpeace) und Prof. Dr. Niklas Höhne (NewClimate Institute).