Konferenzbericht Grüne Zukunftswerkstatt denkt Klimaschutz weiter

Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Paris lud die Grüne Bundestagsfraktion zur „Zukunftswerkstatt Klimaschutz“ nach Berlin. Ziel der Zukunftswerkstatt war es, sowohl die zentralen Hürden als auch entsprechende Lösungsansätze für mehr Klimaschutz zu erörtern – und das Thema dabei in seiner politischen und gesellschaftlichen Breite zu betrachten. Dadurch wurde eine Diskrepanz deutlich klar: auf der einen Seite steht das international vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auf der anderen Seite die tatsächliche Entwicklung hin zu einem globalen Temperaturanstieg von mehr als drei Grad. Bisher reichen die Klimaschutzbemühungen also nicht aus, um die Klimakrise ausreichend abzumildern.

Neue Wege der Diskussion: die Szenario-Methode

Da die Klimakrise und ihre Folgen für das globale Ökosystem zwar berechenbar, aber in Gänze nicht vollständig bekannt sind, wurde für die Veranstaltung die sogenannte „Szenario-Methode“ gewählt. Dabei ging die Grüne Bundestagsfraktion einen neuen und interaktiveren Weg: Vier Szenarien behandelten vier verschiedene Zukunftsbeschreibungen auf dem Weg ins Jahr 2050. Nach einer Kennenlernphase, in der die Szenarien in ihrer Wirkung auf die Teilnehmenden diskutiert wurden, wurde nach Themenfeldern über zukünftige Entwicklungen gestritten.

Übereinstimmend kamen die verschiedenen thematischen Workshops zu dem Ergebnis, dass die Klimakrise und ihre Folgen zwar allgemein bekannt seien, aber noch immer kurzfristiges Denken die zentrale Hürde darstellt. In der globalen Wirtschafts- und Finanzbranche dominierten etwa Quartalsgewinne und der Wettbewerbsdruck des globalen Markts statt die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Auch auf kommunaler Ebene steht laut Aussagen der Teilnehmenden kurzfristiges Gewinninteresse der Handelnden im Vordergrund. Zwar seien „die Verbraucher Teil der Wirtschaft“ – wie es ein Teilnehmer formulierte – und mit ihrem Konsumverhalten auch verantwortlich für mehr Klimaschutz. Für die klimabewusste und informierte Verbraucherin braucht es aber mehr Transparenz, beispielsweise beim Klimaeinfluss unserer Landwirtschaft oder auch bei privaten Vermögensanlagen.

Junge Stimmen: „critical friends“ kritisieren uns alle

Um die Bewertung notwendiger Maßnahmen für eine lebenswerte Welt in 35 Jahren nicht nur von „Erwachsenen“ vornehmen zu lassen, waren klimapolitisch engagierte Jugendliche elementarer Teil der Konferenz. Als critical friends brachten sie sich in die Debatten ein und hinterfragten auf den Tisch gebrachte Hürden und Lösungsansätze. Ein kritischer Beobachter bemerkte: „Die Ideen für eine soziale und ökologische Transformation sind vorhanden. Es scheitert jedoch nicht an der Erkenntnis, sondern an der Umsetzung. Gerade für uns als junge Menschen bleibt zu hoffen, dass sich die EntscheidungsträgerInnen der Gegenwart darüber bewusst werden, dass jetzt die Weichen für unsere Zukunft gestellt werden.“ Die Kritik ging an alle Teilnehmenden der Konferenz – von PolitikerInnen, Umweltverbänden bis hin zu Industrie-LobbyistInnen. Wir alle müssen noch eine Menge tun!

Klimaschutz geht alle an

Klar ist: Kurzfristiges Denken muss durch mutigere Politik und veränderte Rahmenbedingungen überkommen werden. Aufgabe dabei ist es, Klimaschutz endlich ressortübergreifend in seiner gesamten Breite zu verstehen und jeden Bereich kohärent am 2-Grad-Limit auszurichten. Für die Klimaverhandlungen in Paris bedeutet das, dass sich die Staaten verbindlich auf einen Zeithorizont zur klimaneutralen Welt verständigen sollten und diese Transformationsepoche einleiten müssen.

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