Fachkräfte

Klimaschutz ist ein Jobmotor

Klimaschutz braucht nicht nur Konzepte, Mittel und Maßnahmen - er braucht auch Fachkräfte, das alles in die Tat umsetzen. Wie hoch der Bedarf tatsächlich ist, beantwortet eine neue Studie, die wir in Auftrag gegeben haben. picture alliance
21.05.2021
  • Wir müssen viel mehr tun, wenn wir die Klimaschutzziele einhalten wollen. Das hat das Bundesverfassungsgericht gerade eindrucksvoll bestätigt.
  • Doch wir brauchen dafür nicht nur endlich konkrete Maßnahmen, sondern auch die nötigen Fachkräfte, um die Maßnahmen umzusetzen. So kann Klimaschutz ein echter Jobmotor sein, das zeigt eine von uns beauftragte Studie auf.
  • 800.000 Arbeitsplätze können entstehen - dafür muss jetzt die Ausbildung der notwendigen Fachkräfte erfolgen.

Klimaschutz ist ein Grundrecht, das der Gesetzgeber umzusetzen hat - diesen Auftrag hat das Bundesverfassungsgericht gerade erst eindrucksvoll formuliert. Aber Klimaschutz braucht nicht nur Konzepte, Mittel und Maßnahmen, es braucht auch Fachkräfte, die diese in die Tat umsetzen.

Und mit dieser Frage hat sich die Bundesregierung leider bislang in diesem Zusammenhang nicht befasst. Wie viele Fachkräfte werden gebraucht um die bisherigen Klimaschutzpläne der Regierung umzusetzen? Die Regierung hat darauf leider keine Antwort, das hat auch eine Kleine Anfrage zu dem Thema bestätigt. 

Grundlagen der Studie

Aus diesem Grund haben wir Grüne im Bundestag eine Studie in Auftrag gegeben, die diese Frage beantworten soll. Grundlage der Studie ist bewusst nicht der Klimaschutzplan 2030, sondern die mit realistischeren Klimazielen versehenen Studien der Boston Consulting Group (BCG) und Prognos: „Klimapfade für Deutschland“ und der von Agora-Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität in Auftrag gegebene Untersuchung „Klimaneutrales Deutschland“.

Die Antworten, die die Studie gibt, zeigen einen enormen Handlungsbedarf auf und machen gleichzeitig klar: Klimaschutz wird zum Jobmotor, wenn wir es endlich zielführend angehen.

Bis 2035 neuer Bedarf von fast 800.000

Die Studie geht von steigenden Investitionen aus, bis zu einem Peak gegen 2035. In diesem Jahr werden dann fast 800.000 Arbeitskräfte zusätzlich für klimarelevante Tätigkeiten benötigt.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass von den benötigten Professionen 40 Prozent auf Berufsgruppen entfallen, in denen die Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2019 bereits einen Mangel an Fachkräften, Spezialist*innen oder Expert*innen identifiziert hat.

Dabei deckt die Studie längst nicht alle klimarelevanten Bereiche ab - somit bilden die Zahlen eine Untergrenze, nicht mit berechnet sind etwa die Bereiche Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Forst.

Heute um die Fachkräfte von morgen kümmern

Wir müssen jetzt in Ausbildung, aber auch in Qualifizierung und Weiterbildung investieren. Wichtig sind Weiterbildung und Umschulung, auch bei Arbeitslosen und Geringqualifizierten. Außerdem brauchen wir wirksame Informationskampagnen und Werbung, speziell im Handwerk.

Auch bei der Zuwanderung braucht es mehr Anstrengungen und eine Fachkräftestrategie. Sinnvolle Maßnahmen sind etwa eine vereinfachte Anerkennung von Teil-Qualifikationen und ein anschlussfähiger Zugang ins deutsche Ausbildungssystem.

Die Chance jetzt nutzen

Mit dem Aufbau dieser Arbeitskräfte für das Klima kommt eine große Aufgabe auf uns zu. Es ist eine Chance auf sehr viele Arbeitsplätze, die allesamt sinnstiftende Tätigkeiten umfassen. Und der Zeitplan ist klar: Wir müssen schnellstmöglich mit dem Aufbau beginnen, das Klima wartet nicht.

Vor allem das Handwerk mit seinen Facharbeiter*innen und Helfer*innen nimmt eine Schlüsselposition in der Transformation ein und kann mit einem großen Bedeutungszuwachs rechnen.