Meeresspiegelanstieg

Bedrohlicher als bislang angenommen

Illustration: Planet Erde versinkt im Meer
Eine neue Studie der Organisation Climate Central kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen des prognostizierten Meeresspiegelanstiegs stärker sein werden, als bisher angenommen und mehr Menschen unmittelbar davon betroffen sein werden. Shutterstock / Juergen Faelchle
01.11.2019
  • Nach neuesten Erkenntnissen wird der Meeresspiegelanstieg durch die Klimakrise erheblich stärkere Auswirkungen haben, als bisher angenommen.
  • Um die betroffenen Menschen zu schützen hilft nur eine entschlossene Klimaschutzpolitik.
  • Jeder heute in den Klimaschutz investierte Euro hilft, morgen viel größere Schäden und Kosten zu vermeiden.

 Eine neue Studie der Organisation Climate Central kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass die Auswirkungen des prognostizierten Meeresspiegelanstiegs stärker sein werden, als bisher angenommen und mehr Menschen unmittelbar davon betroffen sein werden.

Meeresspiegelanstieg bedroht Millionen von Menschen

Die Wissenschaftler hatten in der Studie Geländedaten analysiert und festgestellt, dass viele Regionen tatsächlich tiefer liegen, als bisher angenommen. Grund dafür ist, dass im bislang verwendeten und aus dem All ermittelten Datensatz durch höher liegende Baumkronen und Dächer gestört wurden. So wurden teilweise falsche Werte gemessen, die insbesondere in dicht besiedelten Gebieten in Asien um bis zu vier Meter über den tatsächlichen lagen.

 Im Ergebnis heißt das, dass der Anstieg des Meeresspiegels im Jahr 2050 rund 300 Millionen Menschen bedrohen könnte (interaktive Karte). Davon würden dann allein 150 Millionen dann in Regionen leben, die unterhalb der Flutlinie leben. Diese Zahl verdoppelt sich auf 300 Millionen Menschen, wenn man Überschwemmungen durch Extremwetterereignisse miteinberechnet.

IPCC Bericht zu Ozeanen: Meeresspiegelanstieg bisher unterschätzt

Dabei hatte erst im September 2019 ein aktueller Bericht des Weltklimarates (IPCC) zum Thema Ozeane und Kryosphäre festgestellt, dass auch der Meeresspiegelanstieg selbst bislang unterschätzt worden ist.

Die WissenschaftlerInnen des Weltklimarates gehen davon aus, dass insbesondere die Menge des in der Antarktis schmelzenden Eises den Meeresspiegel schneller ansteigen lassen wird, als bislang angenommen. Im IPCC - Bericht heißt es, dass bei einem Pfad mit hohen globalen Emissionen bis zum Jahr 2100 von einem Anstieg von mehreren Metern auszugehen ist. Der steigende Meeresspiegel steigert nach Ansicht der WissenschaftlerInnen auch das Risiko von Fluten und es ist davon auszugehen, dass die Küstenerosion deutlich zunehmen wird. Die Schäden durch Überschwemmungen können jährlich auf das 100- bis 1000-fache ansteigen.

Auch Deutschland ist betroffen: Bundesregierung muss jetzt handeln

Die neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass die Schäden der Klimakrise gravierender sein werden als bislang angenommen und jede wirksame Maßnahme für den Klimaschutz eine lohnende Zukunftsinvestition ist.

Das gilt in Sachen Meeresspiegelanstieg insbesondere auch für Deutschland. Denn mit seinen Küsten an Nord- und Ostsee sind wir direkt betroffen und weite Teile von Ostfriesland, Bremen oder Hamburg könnten im 2050 mindestens einmal im Jahr überflutet werden. Die Bundesregierung muss jetzt schon aus eigenem Interesse beim Klimaschutz nachlegen und ihr „Klimapäckchen“ grundlegend überarbeiten, damit die Treibhausgasemissionen endlich im notwendigen Umfang sinken.