Klimakrise

Mitten drin in der nächsten Dürre

Eine Maispflanze auf einem vertrockneten Feld
Das dritte Jahr in Folge herrscht extreme Trockenheit. Land- und Forstwirtschaft leiden. Die Klimakrise wirkt längst auch bei uns, sie begünstigt die Entstehung extremer Wetterlagen. Wir müssen unser Leben und Wirtschaften jetzt widerstandfähiger gegen Krisen machen. Wenn wir jetzt als Reaktion auf die wirtschaftliche Flaute nach Corona in den Klimaschutz investieren, winkt doppelte Dividende. dpa
20.08.2020
  • Die Klimakrise ist endgültig bei uns angekommen ist. Steigende Temperaturen verändern das Wettergeschehen und sorgen für Trockenheit, die Land- und Forstwirtschaft sind unmittelbar betroffen.
  • Auch wenn wir die Klimaziele einhalten und die Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen, das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Wir müssen uns an diese Veränderungen anpassen.
  • Wir müssen klug investieren - in den Klimaschutz und auch in Maßnahmen zu Anpassung - damit wir widerstandsfähiger gegenüber Krisen und deren Folgen gemacht werden. Unsere Forderungen haben wir in einem Antrag in den Bundestag eingebracht.

Nachdem schon die vergangenen beiden Jahre viel zu trocken waren und insbesondere der Sommer 2018 Mensch, Natur und Landwirtschaft extrem zugesetzt hat, hat sich auch in 2020 die Situation nicht verbessert. Vor allem in einer Tiefe bis zu 1,8 Metern ist der Boden in großen Teilen Deutschlands nach wie vor viel zu trocken.

Wenig Regen, viel Sonne im Frühjahr 2020

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es vor allem von März bis April 2020 gerade einmal vier Prozent des sonst in dieser Zeit üblichen Niederschlages. Zugleich sorgte beinahe durchgehender Sonnenschein verbunden mit einen einem starken, trockenen Ostwind für hohe Verdunstungsraten. In der Folge des viel zu trockenen Frühlings bleiben so insbesondere die Wälder auch nach den vergangenen Jahren weiter im Dürrestress. Daran ändern auch Gewitter oder ergiebige Schauer im Sommer nichts. Denn einerseits ist der trockene Boden dann kaum in der Lage die großen Regenmengen überhaupt aufzunehmen und das Wasser fließt ab. Anderseits werden die Wasserspeicher vor allem durch die Niederschläge im Winter aufgefüllt.

Klimakrise mischt mit

Die Klimawissenschaft erwartet zukünftig genau solche länger anhaltenden stabilen Wetterlagen. Denn die zunehmende Erwärmung des Planeten, insbesondere am Nordpol, verringert das Temperaturgefälle zum Kontinent. Dies führt zu Änderungen am sogenannten Jetstream, einem starken Wind in rund zehn Kilometern Höhe, der mitbestimmend für unser Wetter ist. Dieser kann dann aufgrund des verringerten Temperaturgefälles häufiger stabile Bänder bilden, anstatt wie sonst wie ein bewegliches Band durch die Atmosphäre zu flattern. Die Folge sind längere Zeit stabile Wetterlagen, wie lang anhaltende Perioden ohne nennenswerten Niederschlag.

An das Unvermeidbare anpassen

Klar ist: Auch bei Einhaltung der Klimaziele und Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, müssen wir uns an das Unvermeidbare anpassen. In unserem Antrag haben wir konkrete Vorschläge dafür gemacht, unter anderem fordern wir:

  • Unsere Städte müssen fit gemacht werden für die Herausforderungen der Klimakrise, damit sie für alles lebenswert bleiben. Wenn wir uns vor dem Klimawandel und seinen Folgen schützen wollen, brauchen wir mehr Frei- und Grünflächen, weniger Beton und Asphaltpisten und müssen Regenwasser zurückhalten.
  • In der Landwirtschaft müssen wir mit den EU-Agrargeldern gezielt Leistungen in den Bereichen Umwelt-, Klima-, Natur- und Tierschutz fördern, wie etwa den Humusaufbau. Denn nur wenn der Boden gesund ist – mit genügend Humus - kann er ausreichend Wasser speichern.
  • Wir brauchen den Umbau hin zu Mischwäldern, die weniger brandgefährdet und außerdem ökologisch viel vorteilhafter sind. Mono-Kultur-Nadelwälder können der Klimakrise wenig entgegen setzen. Naturnahe Wälder mit standortgerechten, heimischen Baumarten in allen Altersstufen sind besser gegen Waldbrände und die Klimakrise insgesamt gerüstet als Nadelbaummonokulturen.

Klug investieren und Wirtschaft und Gesellschaft krisenfester machen

Jetzt wird viel Geld in die Hand genommen, um die Auswirkungen der Coronakrise zu bewältigen und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das unterstützen wir und machen ganz konkrete Vorschläge, wie wir jetzt Gesellschaft und Wirtschaft krisenfester aufstellen.

Statt einfach nur blindes Wachstum zu initiieren, müssen wir klug investieren, in den Klimaschutz und auch in Maßnahmen zu Anpassung in den Städten, in der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft und in Umwelt und Natur, damit Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise und weiteren kommende Krisen und deren Folgen gemacht werden.