Fachgespräch

Künstliche Intelligenz in Musik und Kunst

Deutschland hat die Aufarbeitung des Entzugs von Kulturgütern zwischen 1933 und 1945 lange vernachlässigt und verdrängt.
Relevanz, Ergänzung, Verdrängung? Wie sich KI auf Kunst und Musik auswirkt, diskutierten wir in unserem Fachgespräch. picture alliance / dpa
13.11.2019
  • Über die Interaktionen und Gestaltungsaufgaben der Politik im Bereich Künstliche Intelligenz befasst sich der Deutsche Bundestag im Rahmen der Enquete Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“.
  • Gänzlich unberücksichtigt bleiben dabei allerdings die Eingriffe und Veränderungen, die diese Technologie in menschlichsten aller Schaffensbereiche bewirkt: Der Kunst.
  • In einem Fachgespräch haben wir daher mit realen ExpertInnen diskutiert.

Künstliche Intelligenz (KI) erfasst bereits heute viele Bereiche unseres Lebens, in der Wirtschaft, in Forschung und Entwicklung, in der Politik und im Alltag. Als grüne Bundestagsfraktion wollten wir daher die Wirkungsweise von KI in der Kunst erörtern, auch um ein besseres Verständnis zu entwickeln und dem Gestaltungsanspruch grüner Politik gerecht zu werden.

Diskussion mit organischen Intelligenzen

Dazu haben wir  ExpertInnen und KünstlerInnen aus einem breiten Spektrum der Kulturschaffenden zu einem ersten Austausch geladen, die jeweils unterschiedlich Einblicke in den aktuellen Stand der Entwicklung der Interaktion zwischen KI und Kunst gaben. So demonstrierte Holger Volland, Vice President der Frankfurter Buchmesse, von KI kreierte Musikstücke, die als Klaviermusik sich an gängigen Klavierhits der Spotify Charts orientierten. Neben der Frage der Urheberschaft dieser Stücke warf er auch die Frage auf, inwieweit Technologiekonzerne unsere Musik herstellen, kuratieren und damit unseren Musikgeschmack breitenwirksam beeinflussen.

Demgegenüber demonstrierte Roman Lipski, Künstler und Pionier in der Interaktion von KI und Mensch, mit seiner Kunst, wie KI als echte Muse dient und dem Künstler in einer Art Dauerinspiration die Angst vor der weißen Leinwand nimmt. Dazu zeigte er, wie die von Florian Dohmann generierte KI, genannt „Muse“, Variationen von Lipskis Bildern an den Künstler selbst rückprojiziert. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie KI über die Kunst erlebbar und verständlicher gemacht werden kann. Eine Eigenschaft, die auch zur Erhöhung der Akzeptanz der Technologie von Bedeutung sein kann und gleichzeitig das Selbstverständnis des Menschen herausfordert. Wie kreativ ist KI? Und erreichen von KI generierte Werke eine Schaffenshöhe, die der menschlichen gleichkommt, oder in der die vom Menschen geschaffenen Werke wiedererkannt werden können?

Inwieweit es sich bei den durch KI ausgelösten oder hergestellten Werken um Kunst handelt und ob die nötige Schaffenshöhe immer erreicht wird, thematisierte Katrin Passig.

Die Politik muss sich der KI annehmen

Konkrete Forderungen an die Politik wurden ebenfalls formuliert. Matthias Strobl von der MusicTech forderte ein stärkeres Engagement und die bessere Verzahnung unterschiedlicher Förderprogramme und verwies auf das Zusammenspiel vom technologischem Fortschritt und dem kulturellen Erbe Deutschlands. Franziska Merlo Vertreterin der Costa Compagnie, einer offenen Kollaborationsplattform interdisziplinär arbeitender KünstlerInnen, forderte bessere Dotierung von Förderinstrumenten, um die Interdisziplinarität zwischen Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich KI zu fördern. Die gleiche Forderung stellte auch Dr. Stephan Baumann, Wissenschaftler vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Seine These, KI werde ein weiteres Instrument für die Erweiterung der Möglichkeiten menschlicher Kreativität sein und keine Verdrängung bewirken, konnte die Zustimmung der Teilnehmer gewinnen.

Die Impulse aus diesem Fachgespräch werden im Weiteren in unserer Parlamentarischen Arbeit beim Thema KI eine Rolle spielen, etwa bei der Erarbeitung eines Thesenpapiers zum Thema KI. Als grüne Bundestagsfraktion sehen wir die grundlegende Bedeutung der KI und setzen uns dafür ein, dass sie zum Wohl von Mensch und Umwelt entwickelt und angewandt wird. Wir fordern eine Strategie für „AI Made in Europe" als Grundlage eines europäischen Wegs zur Beherrschung dieser Technologie und sind überzeugt, dass zu diesem europäischen Weg auch eine breite Kommunikation mit der Gesellschaft über Chancen und Risiken gehört.