Geschlechtergerechtigkeit

Eine Quote für die Kunst

Dirigentin Oksana Lyniv
Wir Grüne im Bundestag fordern Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien. Frauen müssen auch im Kultur- und Medienbereich dieselben Chancen wie Männer bekommen. picture-alliance / dpa | Ronald Wittek
02.03.2021
  • Obwohl Frauen in Kultur und Medien hochqualifiziert sind, kommen sie in Entscheidungsfunktionen nicht an.
  • Sie sind zudem auf allen Ebenen unterrepräsentiert und unterbezahlt.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern eine Quote, um Parität bei Leitungspositionen, Intendanzen, Stipendien und Werksaufträgen, in Jurys, Förderprogrammen sowie Projekten und Veranstaltungen von öffentlich finanzierten Institutionen zu erreichen.

Aktuelle Studien zeigen: Frauen sind unterrepräsentiert, sie kommen auf den Entscheidungsebenen nicht an und sie sind unterbezahlt. Seit der letzten Studie des Kulturrates von 2016 hat sich hieran nichts geändert. Der „runde Tisch“ der Kulturstaatsministerin und ein Mentoring-Programm, in dem bei 800 Bewerbungen ganze 97 Frauen betreut wurden, waren allenfalls Tropfen auf einem heißen Stein.

Frauen machen in fast allen kulturbezogenen Studienfächern den Großteil der Absolvent*innen aus. Aber nur 22 Prozent der deutschen Theater werden von einer Frau geleitet, in mageren 14 Prozent der Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks führen sie Regie, von 130 Orchestern in Deutschland werden gerade drei von Frauen dirigiert.

Zudem sind Frauen häufig unterbezahlt. 2019 verdienten freie darstellende Künstlerinnen, die in der Künstlersozialkasse versichert sind, durchschnittlich 10.300 Euro im Jahr, Künstler dagegen 15.000 Euro. Der Gender-Pay-Gap, die Einkommenslücke zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen, liegt in der Kultur im Durchschnitt bei 24 Prozent, bei freien Regisseurinnen bei 39 Prozent. Der geringere Verdienst erschwert auch das Anlegen einer Altersvorsorge oder Rücklagen für Krisenzeiten, wie die Corona-Pandemie. Auch in der Kultur sind die Frauen von Altersarmut betroffen.

Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Kunstfreiheit

Wir fordern eine Quote, um Geschlechterparität für die Besetzung von Leitungspositionen, Intendanzen, Stipendien und Werksaufträgen, bei der Besetzung von Jurys, Förderprogrammen sowie Projekten und Veranstaltungen öffentlich finanzierter oder bezuschusster Institutionen zu erreichen. Dies gilt aber auch bei der Besetzung von Orchestern, Ankauf und Ausstellung von Kunst, bei staatlich geförderten Musikfestivals - inklusive der Bühnentechniker*innen - es sei denn, eine anderweitige Geschlechterverteilung ist durch klare künstlerische Vorgaben zu begründen. Dies gilt auch für Projektfilmförderung, wie für Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Zudem wollen wir die Nachwuchsförderung von Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung von Interessensvertretungen und Netzwerken für Frauen in ihrer Branche, verbessern.

Wir fordern außerdem die Regulierungsmöglichkeiten durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und das öffentliche Vergaberecht gezielter zu nutzen, um Geschlechterparität in Kultur und Medien zu fördern. Bei all diesen Maßnahmen ist auf mehr Diversität zu achten. Das gilt zum Beispiel für die Besetzung, Ausstellung und Anstellung von Frauen mit Migrationsgeschichte, Transpersonen, Menschen mit Behinderung im Kulturbereich. Chancengleichheit für Frauen fördert die kulturelle Vielfalt und die Pluralität der künstlerischen Perspektiven.

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Rede von Erhard Grundl am 25. Februar 2021