Nachhaltigkeit

Es grünt so schön der Film

Am Filmset einer deutschen Fernsehsendung.
Wie können Filmproduktionen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Bei unserem Fachgespräch „Grüner wird’s nicht von allein. Mehr Nachhaltigkeit in der Filmproduktion“ haben wir darüber mit Filmemacherinnen und Experten diskutiert. dpa
31.01.2019

Deutschland ist dem 2015 vereinbarten Klimaabkommen von Paris beigetreten und muss durch ambitionierte Klimapolitik seinen Beitrag zur Umsetzung leisten. Alle Wirtschaftsbranchen sind angesprochen, auch die ressourcenintensive Filmbranche. Erfreulicherweise wurde die Berücksichtigung "ökologischer Belange" bei der Novellierung des Filmförderungsgesetzes als Aufgabe der Filmförderungsanstalt 2017 in den Aufgabenkatalog aufgenommen. Bisher wurden jedoch keine Richtlinien dafür erarbeitet, und die Bundesregierung hat bislang keine Mittel zur Anreizförderung von nachhaltiger Film- und Fernsehproduktion oder für die energetische Sanierung von Kinos bereitgestellt. Es bleibt somit bei Lippenbekenntnissen.

Für die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner Gründe genug, um in einem öffentlichen Fachgespräch mit Fachleuten über Hürden und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Im ersten Teil ging es um „grünes Kino“, im zweiten Teil um ökologische Kinoproduktion oder „green shooting“, wie man in der Branche sagt. 

Notwendige Bewusstseinsarbeit

Korina Gutsche, Projektleiterin von „Kino.natürlich“ der AG Kino-Gilde e.V., nannte Punkte, die für ökologisch nachhaltige Kinos wichtig sind: Isolierung, Beleuchtung, Abfallmanagement und nicht zuletzt die Frage, wie die Menschen zu den Kinos kommen. Walter Spruck vom Institut für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus betonte, dass die komplette Wertschöpfungskette in den Blick genommen werden müsse und Vertreter aller Bereiche an einen Tisch gebracht werden müssen. Wichtig sei “Bewusstseinsarbeit“: Kinomitarbeiterinnen und -mitarbeiter sollten Schulungen in Nachhaltigkeit erhalten. Christian Pfeil, Geschäftsführer der Arena Filmtheater, wies auf die Probleme der kleinen Kinos hin, wenn es um die Förderung ökologischer Maßnahmen geht. Kontrovers wurde über CO2-Rechner diskutiert. Pfeil hält sie für zu bürokratisch, während ein Vertreter des Bundesumweltamts aus dem Publikum sie als sinnvoll bewertete.

Mehr als der Verzicht auf Pappbecher

In der Diskussion über ökologische Filmproduktion betonte Phillip Gassmann, der als Regisseur, Filmproduzent und Green Production Manager tätig ist, dass es nicht allein darum gehe, ob Pappbecher am Set verwendet werden – auch wenn dies ein wichtiges Thema sei. In allen Bereichen müsse darüber nachgedacht werden, wie die Umwelt geschont werden kann. Oftmals sei es schon ein Problem, einen Anbieter zu finden, der Erdgas-LKWs verleihe. Dabei sei grünes Produzieren viel billiger – das einschlägige Beispiel der LED-Lampen zeige dies. Besonders wichtig sei es, dass am Set immer eine Fachkraft für ökologische Belange dabei und ansprechbar sei.

Michael Becker, beim SWR für Nachhaltigkeit zuständig, wünschte sich die verstärkte Ausbildung von green consultants im Filmbereich. Dankbar wurde ein Vorschlag aus dem Publikum aufgenommen, dass die einzelnen Gewerke auf ihren Plattformen Schulungen anbieten sollten.

Auf die Frage von Tabea Rößner, ob denn die vielen Landesfilmförderungen zu einem ökologisch problematischen „Fördertourismus“ führten, sagte Birgit Heidsiek, die bei der Filmförderanstalt (FFA) für „Grünes Kino“ zuständig ist, dass die durch Deutschland reisenden „Rucksackproduzenten“ tatsächlich ein Problem seien. Aber diese Strukturen seien nun einmal historisch gewachsen und es gelte da pragmatische Lösungen zu finden. Interessant war die kurze Diskussion über „grüne“ Drehbücher, also die Frage, ob nicht zum Beispiel weniger Autofahrten in Filmen vorkommen sollten. Dies sei derzeit ein großes Thema, für das sich gerade junge, angehende FilmemacherInnen und ProduzentInnen sehr interessierten, berichtete Phillip Gassmann. Überhaupt werde „grüner Film“ an den Filmhochschulen immer wichtiger.