Kultur in der Krise

Schnelle Hilfen für die Rettung der Veranstaltungswirtschaft

Blick auf die Bühne bei einem Konzert. Die Veranstaltungsbranche und mit ihr viele Soloselbständige sind in der Corona-Krise in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Wir brauchen deshalb bessere Hilfen, einen Schutzschirm und ein Selbstständigengeld von 1.200 Euro.
Die Veranstaltungsbranche und mit ihr viele Soloselbständige sind in der Corona-Krise in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Ohne passgenaue Hilfen gehen die Lichter auch nach der Krise nicht mehr an. unsplash / Rocco Caruso
28.10.2020
  • Die Veranstaltungsbranche und mit ihr viele Soloselbständige – insbesondere im Kulturbetrieb - sind in der Corona-Krise massiv in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet.
  • Wir wollen der Branche schnell und nachhaltig helfen, damit auch nach der Corona-Krise die kulturelle Vielfalt erhalten bleibt.
  • Wir wollen die Überbrückungshilfen an die Bedürfnisse der Veranstaltungsbranche anpassen und ein Selbstständigengeld von 1.200 € für Soloselbständige und Kleinunternehmer*innen einführen. 

Neben dem spontanen Kontakt mit anderen Menschen ist es auch der hautnahe Kontakt mit Kultur, den wir in der Corona-Krise vermissen. Konnten im Sommer noch kleinere Veranstaltungen stattfinden, wird dies in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Die Veranstaltungsbranche und mit ihr viele soloselbstständige Unternehmer*innen stehen mit dem Rücken zur Wand. Denn für die Veranstaltungswirtschaft gilt: „First out – Last in“, sie musste als erste den Betrieb einstellen und wird als letzte wieder durchstarten können. Insgesamt sind in Deutschlands sechstgrößtem Wirtschaftszweig mit 130 Milliarden Euro Umsatz eine Million Jobs bedroht.

Passgenaue Hilfen, schnell

In der Branche arbeiten überproportional viele Soloselbständige, die aktuell schwer benachteiligt sind. Die laufenden Hilfsprogramme der Bundesregierung nehmen die Lebensrealität der Veranstaltungsbranche und der vielen darin Mitwirkenden allerdings nicht angemessen zur Kenntnis.

Auch knapp acht Monate nach dem ersten Lockdown fallen immer noch viele Kulturschaffende und Unternehmer*innen der Veranstaltungsbranche durch das Raster der Hilfen. In der Logik des „Neustart Kultur“-Programms der Kulturstaatsministerin bleibt der Großteil der Veranstaltungsbranche außen vor, weil kein Neustart geplant werden kann.

Und die Sofort- und  Überbrückungshilfen sind viel zu bürokratisch und nicht passgenau für die Veranstaltungsbranche. Die Soloselbständigen bekommen keinen Cent für ihre Lebenshaltungskosten. Wie aber soll die Krankenkasse bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden, wenn keine Aufträge vorhanden sind?

10-Punkte-Plan gegen Masseninsolvenz

Um dem Damoklesschwert der flächendeckenden Insolvenz zu begegnen, haben wir im Oktober 2020 unseren „10-Punkte-Plan zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft“ vorgestellt und danach in einen parlamentarischen Antrag überführt. Wir fordern darin, die Überbrückungshilfen so zu verändern, dass sie für die Veranstaltungsbranche passen.

Die Hilfen müssen weniger bürokratisch sein, so dass alle Unternehmen und Kostenarten berücksichtigt werden und das Programm für alle Krisenmonate gilt. Die von uns geforderten Regelungen sollen auch rückwirkend für die Überbrückungshilfen gelten, wobei die Förderhöhen an die wirklichen Bedarfe angepasst werden müssen.

Außerdem fordern wir, dass die zu fördernden Betriebs- und Fixkosten ausweitetet und angepasst werden, unter anderem auf Krankenversicherung, Weiterbildungsmaßnahmen und Maßnahmen zur ökologischen Ausrichtung der Betriebe. Zudem bedarf es für die Branche eines Schutzschirms, der es ermöglicht, sobald es die Infektionszahlen zulassen, für das kommende Jahr wieder Veranstaltungen zu planen, damit ein wirklicher Neustart gelingen kann.

Wir wollen den Katalog der förderfähigen Kosten an die Lebensrealität der Veranstaltungsbranche und Soloselbstständigen anpassen, indem wir die Lebenshaltungskosten von Soloselbstständigen und Kleinunternehmer*innen durch einen „fiktiven Unternehmerlohn“ von pauschal 1.200 Euro monatlich kompensieren.

Kulturelle Vielfalt erhalten

Niemand weiß, wann Konzerte, Festivals, Comedy und Kabarett, Buchmessen, Theater, Opern, Musicals und das kulturelle Leben überhaupt wieder im gewohnten Umfang stattfinden dürfen. Viele Veranstalter*innen, insbesondere in der Subkultur, sind massiv von Insolvenz bedroht.

Die Auswirkungen eines kulturellen Kahlschlags wären dramatisch: An vielen Orten müssten wir auf liebgewonnene Kulturerlebnisse verzichten, weil sie dauerhaft verschwinden. Doch Kultur ist und bleibt systemrelevant, weil sie demokratierelevant ist.

Oder wie es Herbert Grönemeyer im Rahmen einer #AlarmstufeRot-Demonstration der Veranstaltungsbranche sagte: „Ein Land ohne Live-Kultur ist wie ein Gehirn ohne geistige Nahrung, ohne Euphorie, Aufbruch, Lust, Diskurs, Lachen und Tanz. Es verdorrt, gibt Raum für Verblödung, für krude und verrohende Theorien, verhärtet und fällt seelenlos auseinander.“