50 Jahre Stonewall

Der Kampf geht weiter

Ein Mann schwenkt eine Fahne in Regenbogenfarben
In der New Yorker Christopher Street wehrten sich vor 50 Jahren Trans- und Homosexuelle gegen Schikanen der Polizei. Heute feiern wir weltweit in Christopher-Street-Day-Paraden das Erreichte und kämpfen gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass. dpa
27.06.2019

Alles begann vor 50 Jahren in einer Bar im New Yorker Stadtteil Greenwich Village: Die Gäste im „Stonewall Inn“ - vornehmlich Trans- und Homosexuelle - leisteten erstmals Widerstand gegen die alltägliche Drangsalierung der Polizei. In die Geschichte eingegangen sind die Ereignisse als Stonewall-Riots. Die Bar lag in der Christopher Street, deren Name heute für Paraden und den Stolz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) steht.

Für Vielfalt – Gegen Diskriminierung und Hass

Seitdem wir im Bundestag vertreten sind, kämpfen wir Grünen für eine offene Gesellschaft, für Vielfalt und gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass. Denn Menschen sind unterschiedlich und verdienen in ihrer Unterschiedlichkeit Respekt und gleiche Rechte.

 Wir haben in Deutschland sehr viel an gleichen Rechten und Akzeptanz erreicht. Aber leider ist Hetze und Gewalt gegen LSBTI auch 50 Jahre nach Stonewall immer noch Alltag. Normal ist dies nicht – deswegen ist es auch 2019 eine klare Sache, zum Christopher Street Day auf die Straße zu gehen und für gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz zu demonstrieren.

Politischer Druck hat in Deutschland dazu geführt, die Ehe für alle und die Rehabilitierung der nach § 175 StGB Verurteilten durchzusetzen. Doch weder hier noch in der Europa oder weltweit sind Rechte für LSBTI eine Selbstverständlichkeit - im Gegenteil. Überall arbeiten PopulistInnen, NationalistInnen und Rechtskonservative mit vereinten Kräften daran, die Errungenschaften unserer freien und demokratischen Gesellschaft zurückzudrehen.

Für Alle: Mehr Gleichberechtigung und mehr Teilhabe

Eine breite Mehrheit der Menschen in Europa will in einer Gesellschaft der Vielfalt und Freiheit leben, die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten mit Respekt begegnet. Das ist ein wichtiges Signal an die homophoben und transfeindlichen HetzerInnen in Europa und darüber hinaus: Die Missachtung von Lesben, Schwulen, trans* und intergeschlechtlichen Menschen gehört nicht zu einem modernen und offenen Staat.

Wir zeigen klare Kante: Gegen die HetzerInnen im Parlament, auf der Straße oder im Netz. Es darf kein Zurück in Nationalismus, völkisches Denken und Ausgrenzung von anders Lebenden oder anders Liebenden geben. Wir verteidigen die offene Gesellschaft, in dem wir nach vorne schauen und sie ausbauen wollen: mehr Gleichberechtigung, mehr Akzeptanz, mehr Integration und Teilhabe aller.

Wir fordern eine Aktionsplan: Vielfalt leben

Auch wenn Lesben und Schwule zunehmend offen leben, bleibt Diskriminierung im Alltag ein großes Problem. Die Mehrheit hat bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt.

 Vor allem lesbische und schwule Jugendliche leiden unter Schimpfwörtern wie 'schwule Sau' in der Schule und im Sportverein. Die Suizidrate und das Risiko von Wohnungslosigkeit sind bei queeren Jugendlichen signifikant höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen. Vorurteile und Ressentiments gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen sind tief in der Mitte der Gesellschaft verankert.

Deshalb fordern wir einen Aktionsplan „Vielfalt leben“ für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Fast alle Bundesländer haben mittlerweile solche Aktionspläne aufgelegt. Die Bundesregierung bleibt bisher bei unverbindlichen Absichtserklärungen. Das ist ignorant und unverantwortlich.