Opfer von Sterilisation

Trans- und intergeschlechtliche Menschen entschädigen

Das unnötige Leid, das trans- und intergeschlechtlichen Menschen widerfahren ist, muss entschädigt werden. Es ist eine Stärke des demokratischen Rechtsstaates, Fehler einzuräumen und Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen. unsplash/kyle
10.09.2020
  • Das unnötige Leid, das trans- und intergeschlechtlichen Menschen widerfahren ist, muss entschädigt werden.
  • Es ist eine Stärke des demokratischen Rechtsstaates, Fehler einzuräumen. Und es ist seine Aufgabe, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen.
  • Deshalb fordern wir einen Entschädigungsfonds für die Opfer aus dem Kreis der trans- und intergeschlechtlichen Personen, deren körperliche Unversehrtheit verletzt wurde.

Mehr als 30 Jahre mussten transgeschlechtliche Menschen um ihren falschen Geschlechtseintrag zu korrigieren sich nicht nur sterilisieren lassen, sondern auch „sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff“ unterziehen, „durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist“. So wurde es im 1980 verabschiedeten Transsexuellengesetz formuliert.

Laut Bundesverband Trans* e. V. in Deutschland betraf das mehr als 10.000 Menschen. Sie hatten keine andere Wahl, wenn sie ihr richtiges Geschlecht juristisch anerkennen lassen wollten. Damit hat der Staat ihnen die Möglichkeit genommen, eine Familie zu gründen. Einem Menschen die Fortpflanzungsfähigkeit zu nehmen, ist ein menschenrechtsverletzender und zutiefst erniedrigender Akt.

Nicht verfassungskonforme Praxis

2011 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass diese Voraussetzung die körperliche Unversehrtheit von transgeschlechtlichen Menschen schwer beeinträchtigt und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.

Intergeschlechtliche Säuglinge und Kinder werden in Deutschland nach wie vor medizinisch nicht notwendigen Operationen und Behandlungen unterzogen. Damit sollen ihre Genitalien mit den gesellschaftlichen Normen und Geschlechtsstereotypen in Einklang gebracht werden. Diese Eingriffe sind in der Regel irreversibel und können schwerwiegende, langfristige körperliche und psychische Leiden verursachen. Die Betroffenen berichten, dass sie sich als Opfer von Verstümmelungen sehen und ihre Gefühle, Wut und Hass sowie traumatische Erlebnisse noch Jahrzehnte lang und sehr intensiv erleben.

Medizinisch unnötige Eingriffe geschehen bis heute

Diese genitalverändernden Operationen geschehen bis heute. Und das, obwohl zahlreiche menschenrechtliche Gremien wiederholt darauf hingewiesen haben, dass es sich bei medizinisch unnötigen Eingriffen an intergeschlechtlichen Säuglingen und Kindern ohne ausdrückliche und informierte Einwilligung um unmenschliche Behandlungen und schädliche Praktiken handelt, die beendet werden müssen.

Wir Grüne im Bundestag fordern, die Opfer des Transsexuellengesetzes sowie unnötig operierte intergeschlechtliche Menschen angemessen zu entschädigen. Es ist eine Stärke des demokratischen Rechtsstaates, Fehler zu erkennen und seine Aufgabe, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen. Daher fordern wir in einem Antrag die Errichtung eines Entschädigungsfonds für die Opfer aus dem Kreis der trans- und intergeschlechtlichen Personen, deren körperliche Unversehrtheit verletzt wurde.