Intergeschlechtliche Kinder

Zwangs-Operationen konsequent verbieten

Kinderfüsse
Intergeschlechtlichen Kindern ein Geschlecht zuzuweisen, ohne dass dies medizinisch notwendig ist, verletzt ihre grundlegende Rechte. Deshalb brauchen wir ein lückenloses Verbot von solchen Behandlungen und einen Entschädigungsfonds für das geschehene Unrecht. picture alliance / JOKER
17.12.2020
  • Intergeschlechtlichen Säuglingen und Kindern ein Geschlecht zuzuweisen, ohne dass dies medizinisch notwendig ist, verletzt grundlegende Rechte der Kinder. Es ist überfällig, das endlich konsequent zu verbieten.
  • Diese Behandlungen sind in der Regel irreversibel und haben oft traumatische Folgen im späteren Verlauf des Lebens. Die Betroffenen berichten, dass sie sich als Opfer von Verstümmelungen sehen und ihre Gefühle, Wut und Hass, sowie traumatische Erlebnisse noch Jahrzehnte lang und sehr intensiv erleben.
  • Deshalb brauchen wir ein lückenloses Verbot von Behandlungen ohne medizinische Indikation und ohne selbstbestimmte Entscheidung des Kindes. Für das geschehene Unrecht muss der Staat zudem die Verantwortung übernehmen und den Betroffenen Entschädigung zahlen.

Intergeschlechtliche Menschen werden mit körperlichen Merkmalen verschiedener Geschlechter geboren. Häufig werden sie im frühen Kindesalter zwangsweise „geschlechtsanpassenden“ Operationen unterzogen. Dabei ist die Aufklärung der Eltern und betroffenen Kinder oft lückenhaft. Nicht selten werden sie sogar gezielt getäuscht und es wird medizinische Eindeutigkeit suggeriert, wo keine gegeben ist.

Der nun von der Bundesregierung eingebrachte Gesetzentwurf zum Verbot solcher Behandlungen ist aber eine große Enttäuschung, denn er missachtet das Selbstbestimmungsrecht der Kinder. Die Entscheidung über den Körper von intergeschlechtlichen Kindern soll nach Willen der Bundesregierung weiterhin bei den Erwachsenen liegen. Und dies auch in Fällen, wo keine medizinische Indikation vorhanden ist und es schlicht um Geschlechtsstereotypen geht.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll ein operativer Eingriff an den inneren oder äußeren Geschlechtsmerkmalen weiterhin erlaubt werden, der „allein in der Absicht erfolgt, das körperliche Erscheinungsbild des Kindes an das des männlichen oder des weiblichen Geschlechts anzugleichen“. Diese Fremdbestimmung wird seit Jahren nicht nur von Verbänden intergeschlechtlicher Menschen kritisiert, sondern von internationalen Organisationen als Menschenrechtsverletzung qualifiziert.

In der Gesetzesbegründung ist dazu ausgeführt, dass Gründe für eine medizinisch nicht notwendige Behandlung auch darin liegen könnten, dass das Kind selbst einen verfestigten eigenen Wunsch entwickelt habe, selbst wenn es noch nicht als einwilligungsfähig angesehen würde. Damit wären nicht-operative geschlechtsangleichende Behandlungen grundsätzlich erlaubt, sobald einem Kind ein solcher Wunsch bescheinigt wird. Der Wille von nicht einwilligungsfähigen Kindern ist jedoch leicht durch ihre Eltern und ihr Umfeld zu beeinflussen und damit hochgradig manipulierbar.

Zudem ist es unerklärlich, warum die Bundesregierung ein Verbot von Behandlungen lediglich für Kinder „mit Varianten der Geschlechtsentwicklung“ vorschlägt. Im Ergebnis werden erneut Ärzt*innen darüber entscheiden können, wer schutzwürdig ist und wer nicht.

Wie ein Verbot klar und konsequent geregelt werden kann, haben wir Grüne mit unserem bereits in den Bundestag eingebrachten Selbstbestimmungsgesetz vorgeschlagen. Es darf keine geschlechtszuweisenden Behandlungen an Säuglingen und Kindern geben, die medizinisch nicht notwendig sind.

Zudem fordern wir einen Entschädigungsfonds für die Opfer aus dem Kreis der trans- und intergeschlechtlichen Personen, deren körperliche Unversehrtheit verletzt wurde. Es ist eine Stärke des demokratischen Rechtsstaates, Fehler einzuräumen. Und es ist seine Aufgabe, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu entschädigen.