Meeresschutz

Munitionssprengungen im Schutzgebiet Fehmarnbelt töten Schweinswale

Schweinswal im Meer
Die Bergung von den 1,9 Millionen Munitionsaltlasten am Grund von Nord- und Ostsee muss vom Bund durch eine bessere Ausstattung der Behörden und bessere Finanzierung unterstützt werden. Die Sprengungen der NATO im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt, bei der dem NABU zufolge 18 Schweinswale getötet wurden, müssen aufgeklärt werden. Wir Grüne im Bundestag setzen uns für strenge Regeln in Meeresschutzgebieten ein. picture alliance / blickwinkel
25.11.2019
  • Die Bergung von den 1,9 Millionen Munitionsaltlasten am Grund von Nord- und Ostsee muss vom Bund durch eine bessere Ausstattung der Behörden und  bessere Finanzierung unterstützt werden.
  • Die skandalösen Vorgänge bei den Sprengungen der NATO im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt, bei der eine große Fläche der Zerstörung hinterlassen wurde und dem NABU zufolge 18 Schweinswale getötet wurden, müssen schonungslos aufgeklärt werden
  • Wir Grüne im Bundestag setzen uns für strenge Regeln in Meeresschutzgebieten ein. Kein Vorschub für Militär, Fischerei oder sonstige Nutzungsinteressen.

Ende August gab es großen Aufruhr im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt. Bei einem NATO-Manöver wurden zwischen artenreichen und geschützten Riffen und Sandbänken alte Grundminen gesprengt – Mitten im Naturschutzgebiet. Ein Skandal auf Kosten der Natur. Denn wie die Antworten der Bundesregierung jetzt auf unsere Kleine Anfrage gezeigt haben, wurde eine riesige Fläche der Zerstörung hinterlassen. Auch die zuständigen Naturschutzbehörden wurden vom Verteidigungsministerium vorher weder einbezogen noch informiert, mit katastrophalen Folgen.  

18 Tote Schweinswale

Insgesamt wurden bei dem Manöver 42 Grundminen aus dem 1. Weltkrieg gesprengt, 39 davon im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt. Zerstört wurde eine Fläche von bis zu 27 Fußballfeldern. Wie das Umweltministerium gegenüber der dpa bestätigte wurden 18 Schweinswale durch die Sprengungen getötet. Die Aufklärung der Vorkommnisse soll nun in einer übergreifenden Abstimmungsrunde zwischen Bund und Ländern vollzogen werden. Wir fordern einen Stopp von Sprengungen in Schutzgebieten und die notwendigen Konsequenzen im Verteidigungsministerium. Außerdem braucht es endlich verbindliche Regeln für Meeresschutzgebiete. Kein Vorschub für Militärübungen, Fischerei oder Verkehr in Naturschutzgebieten. Schweinswale, Kegelrobbe und Co. sind auf echte Rückzugsräume angewiesen.

Millionen Tonnen Munition am Meeresgrund

Doch es gibt weitere Herausforderungen, die politisch dringend gelöst werden müssen. Auf dem Grund der deutschen Nord- und Ostsee liegen insgesamt 1,9 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Die Bomben verrotten langsam und Giftstoffe treten zunehmend auf und vergiften die Umwelt. Das Thünen-Institut hat verstärkt Abbauprodukte des Sprengstoffes TNT in Plattfischen nachgewiesen und ein signifikant erhöhtes Auftreten von Leberknoten und -Tumoren beobachtet. Die Bergung der Kampfmittel geht hingegen nur langsam voran und es wird noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Nord- und Ostsee von diesen Altlasten befreit sind. Aktuell ist noch nicht einmal eine systematische Vorgehensweise erkennbar und Bergungsmaßnamen sind im Haushalt nicht ausreichend untersetzt.

Umweltschonende Bergung von Altlasten

Wir Grüne im Bundestag setzen uns deshalb für mehr Engagement des Bundes in der umweltverträglichen Beseitigung der Altlasten ein. Dafür sind zusätzliche Finanzmittel und eine bessere technische Ausstattung der Behörden unabdingbar. Längst gibt es bereits erfolgreiche Pilot-Projekte zur umweltschonenden Bergung der Kampfmittel, die nur auf einen ausgeweiteten Einsatz durch die Behörden warten.