Untersuchungsausschuss Abgasskandal Alle Fahrzeuge waren auffällig

Stephan Weil
Zur Zeit des Abgasskandals saß der Niedersächsischer Ministerpräsident Stephan Weil im Aufsichtsrat. Von den Manipulationen will er erst aus der Presse erfahren haben.

Im Abgas-Untersuchungsausschuss waren am 16.02.2017 folgende Zeugen geladen:

  • Dr. Alois Krasenbrink (Joint Research Center der Europäischen Kommission, Abteilungsleiter „Nachhaltiger Transport“)

  • Stephan Weil (Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Mitglied im Aufsichtsrat der Volkswagen AG)

Mit mobilen Messinstrumenten, die Emissionen im Realbetrieb auf der Straße messen können, beschäftigt sich Dr. Alois Krasenbrink vom Joint Research Center (JRC) der Europäischen Kommission seit 2004. Zunächst galt sein Augenmerk Schwerlastfahrzeugen, ab 2007 auch Personenkraftwagen. Bei letzteren waren, ungeachtet der Hersteller, alle getesteten Fahrzeuge auffällig. Die auf den Rollenprüfständen eingehaltenen Emissionswerte wurden auf der Straße um ein vielfaches überschritten.

Seit spätestens 2007 waren die Unterschiede zur Realität öffentlich

Die Erkenntnisse des JRC seien seit 2007 veröffentlicht worden. Allein zwischen 2007 und 2011 wären über die Differenzen zwischen Rollenprüfung und Realbetrieb fünf Publikationen erschienen, zudem habe er mehrere Vorträge auf einschlägigen Konferenzen gehalten. Zudem sei ein Bericht des JRC 2010 in Anwesenheit von Vertretern der Mitgliedstaaten vorgestellt worden.

Nachbesserung bei der VW-Unternehmenskultur

Als niedersächsischer Ministerpräsident hat Stephan Weil viel mit dem VW-Konzern zu tun. Die Automobilindustrie bietet rund 30 Prozent der Arbeitsplätze seines Landes und er ist - qua Amtes - Mitglied des VW-Aufsichtsrats. Er sagte aus: von den Manipulationen an der Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen hätte er erst durch Medienberichte erfahren.

Dieselgate, – im Gegensatz zur Sprachregelung des VW-Konzerns und der einschlägigen Internetseite des Bundesverkehrsministeriums, die den Skandal nach wie vor lediglich als „Abgasthematik“ bezeichnen -, Dieselgate sei eines der größten Schadensfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Ministerpräsident Weil ärgerte sich zudem über den „schweren Fehler“ von VW, nicht sofort „reinen Tisch“ gemacht zu haben. Es ginge nun um eine Verbesserung der Unternehmenskultur bei VW und die Aufklärung der Hintergründe der bekanntgewordenen Manipulationen. Für letztere habe er sich im Aufsichtsrat engagiert.

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