Elektroautos

Elektromobilität - lohnend und teuer zugleich

Ein Großparkplatz für Elektroautos im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Oslo, fotografiert bereits am 08.10.2015
Elektroautos können schon jetzt kostengünstiger als vergleichbare Verbrenner sein. Für echten Klimaschutz brauchen wir aber einen Umbau des gesamten Verkehrssystems. dpa
17.09.2020
  • Die Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS-Studie) zeigt, dass viele Autofahrerinnen und Autofahrer  mit einem Elektroauto kostengünstiger fahren als mit einem Auto mit Verbrennungsmotor.
  • Massive öffentliche Unterstützung ist nur dann sinnvoll, wenn sich die Klimabilanz von der Elektromobilität auf der Straße rasch verbessert.
  • Ökologisch wirksam und sozial gerecht ist der Umbau des Verkehrssystems mit hohen Anteilen an Schiene, ÖPNV, Radverkehr und Carsharing.

Um die Klimaziele für das Jahr 2030 zu erreichen, muss sich der Absatz an Elektroautos in Deutschland und Europa massiv erhöhen. Heute fahren von den 280 Millionen in der EU zugelassenen Pkw gerade einmal zwei Prozent mit elektrischem Antrieb. Auch wenn der Anteil an Elektroautos am Automobilbestand zuletzt stärker zugenommen hat, fehlt es noch immer an klaren Vorgaben der Politik, um den Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und insbesondere den SUV-Boom zu bremsen und den Markthochlauf von Elektrofahrzeugen zu unterstützen.

E-Mobilität ist im Kommen

Dabei ist ein Wandel auf dem Automobilmarkt absehbar: Die Autohersteller, allen voran Volkswagen, haben angekündigt, in den kommenden Jahren viele Milliarden Euro in die Elektromobilität zu investieren. Denn klar ist: Erreichen die Hersteller die europäischen CO2-Flottenziele nicht, drohen ab 2021 empfindliche Strafzahlungen.

 Auch der Wettbewerb gegenüber Konkurrenten aus den USA und China würde dann nicht leichter. Frankreich macht vor, wie der Absatz von E-Autos gestärkt wird und hebt die Steuern für schwere Spritschlucker weiter an. Dieser Schritt hin zu einer wirksamen Bonus-Malus-Regelung in der Kraftfahrzeugsteuer, wie ihn wir Grüne im Bundestag fordern, steht in Deutschland weiter aus. Die Reform der Kraftfahrzeugsteuer, die die schwarz-rote Koalition vornimmt, wird keine ökologische Lenkungswirkung entfalten und bleibt hinter den Erwartungen weit zurück. Zur Reform der Kraftfahrzeugsteuer haben wir Grüne im Bundestag einen Entschließungsantrag eingebracht.

Elektro lohnt sich

Für Autokäuferinnen und Autokäufer, die auf mehr Klimaschutz bedacht sind, gibt es trotzdem gute Nachrichten: Wie eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion zeigt, sind Elektroautos schon heute im Betrieb oft günstiger als vergleichbare Verbrenner. Zwar ist für Elektroautos der absolute Wertverlust, welcher maßgeblich vom zunächst höheren Kaufpreis beeinflusst wird, oft noch höher. Diesen Nachteil können E-Mobile jedoch durch deutlich geringere Betriebskosten über die Jahre mehr als wettmachen.

Der Vorteil des Elektroantriebs besteht in allen Fahrzeugklassen – wer tatsächlich auf klimafreundliches und preisgünstiges Autofahren achtet, ist mit einem Kleinwagen und einem Fahrzeug der unteren Mittelklasse am besten bedient.

Die FÖS-Studie macht jedoch auch deutlich: Elektroautos sind weiterhin vor allem dann für Verbraucherinnen und Verbraucher lukrativ, wenn der Staat ihren Kauf finanziell fördert. In China, dem Elektro-Leitmarkt der letzten Jahre, sind zuletzt die Verkaufszahlen eingebrochen, nachdem die staatlichen Subventionen für Elektroautos reduziert wurden. Andererseits zeigt gerade das Beispiel China, dass es auf ordnungspolitische Instrumente ankommt wie etwa eine feste Absatzquote, die China für alle Autobauer vorsieht, um einen wachsenden E-Automarkt zu schaffen.

Hohe Kosten bei noch geringer Klimawirkung

In Deutschland hat die Bundesregierung den Kaufzuschuss für Elektroautos noch einmal angehoben. Bei Fahrzeugen mit einem Kaufpreis bis zu 40.000 Euro sogar um 50 Prozent. Hinzu kommen bestehende Subventionen wie etwa die Befreiung von der Kfz-Steuer, die Absenkung des geldwerten Vorteils bei Elektro-Dienstwagen oder die Förderungen für die Errichtung einer flächendeckenden öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Während die Subventionen für Elektroautos weiter zunehmen, verharrt allerdings die CO2-Einsparung durch elektrisches Fahren andererseits auf bescheidenem Niveau. Warum? Damit der Klimavorteil von Elektroautos wächst, muss auch der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix deutlich zunehmen. Ohne schnellen Kohleausstieg und den Ausbau von Solar und Windkraft wird es keinen Klimaschutz im Verkehr geben.

Besonders schlecht fällt die Klimabilanz bei den ebenfalls üppig geförderten Plug-In-Hybriden aus. Was ökologisch anmuten soll, entpuppt sich oft als Mogelpackung: Denn viele Hybridautos sind überwiegend verbrennungsmotorisch unterwegs. Ohnehin oft als SUV vermarktet, vermehrt sich ihr Fahrzeuggewicht durch zweiten Motor und Batteriemodule, was sie dann besonders ineffizient macht.

Wie viel Auto braucht die Verkehrswende?

Für uns Grüne im Bundestag steht fest: Bei der Umstellung des Autoverkehrs auf elektrische Antriebe müssen ökologische und soziale Probleme, die etwa der Rohstoffabbau für die Batterieproduktion hervorruft, gelöst werden. Dazu gehört etwa ein wirksames Recyclingsystem für alte Akkus. Auch die Frage des steigenden Strombedarfs, der sich für Millionen Fahrzeuge mit elektrischem Antriebe abzeichnet, muss beantwortet werden.

Wer Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und umweltfreundliche Mobilität miteinander verknüpfen will, kommt an einer Verkehrswende nicht vorbei. Staus, Energieverbrauch und Platzbedarf lassen sich vermindern, wenn mehr Menschen ein attraktives ÖPNV-Angebot und gute Radverkehrsbedingungen nutzen können. Wir Grüne wollen in den nächsten Jahren in den Ausbau des Schienenverkehrs und der Radwegenetze investieren und auch ländliche Gebiete besser an öffentliche Verkehrsnetze anbinden.

Umbau des Verkehrssystems für alle

Das alles wird Geld kosten. Doch zu beachten ist: Gerade unser heutiges Verkehrssystem mit seinem hohen Pkw-Anteil ist für die Gesamtgesellschaft teuer. Kosten für Straßenbau, Erhaltung und Betrieb sowie für Verkehrspolizei und Unfälle werden weitgehend von der Allgemeinheit getragen – uns seine Klima- und Umweltschäden weitgehend ausgeklammert. Natürlich erhalten auch Eisenbahn und ÖPNV erheblich öffentliche Zuwendungen, doch diese Verkehrsmittel stehen jedermann und jederfrau zur Verfügung.

Neue Subventionen für den Autokauf, wie sie die Autoindustrie einfordert, dienen somit auch dazu, das heutige Verkehrssystem mit seiner Fokussierung auf den Pkw zu erhalten. Eine Verkehrswende, die auf die Stärkung von Bahn, Bus, Rad und Carsharing setzt, dürfen sie nicht ausbremsen. Man könnte dabei übrigens auch fragen: Wäre für Haushalte, die auf klimafreundliche Mobilität setzen, auf ein eigenes Auto verzichten und manches Erschwernis im Alltag in Kauf nehmen, nicht viel eher eine Prämie angemessen?