Bewegungskonferenz

Freie Fahrt fürs Rad!

Zeit, dass sich was dreht: Wer es mit der Verkehrswende ernst meint, muss auf den Radverkehr setzen. Grüne Bundestagsfraktion/Maak
13.09.2019

Die Verkehrswende ist ein wesentlicher Faktor um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Der Verkehr ist für 20% der CO2 Emissionen in Deutschland verantwortlich – Tendenz steigend. Das Fahrrad als praktisches, schnelles, leises, günstiges, platzsparendes und schadstofffreies Verkehrsmittel ist daher entscheidender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel.

Doch statt den Fahrradverkehr aktiv zu fördern und die Verkehrswende Wirklichkeit werden zu lassen, ignoriert die Bundesregierung diese Chance für Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutz – auch im neuen Haushaltsplanentwurf - und gibt sich ideenlos. 

Um Wege für eine bessere Fahrradpolitik zu diskutieren hat die Grüne Bundestagsfraktion am 13. und 14. September 2019 zu einer Radkonferenz eingeladen.

Freie Fahrt für eine bessere Radpolitik

Unter dem Titel "Freie Fahrt fürs Rad" diskutierten über 300 fahrradinteressierte BürgerInnen, FahrradaktivistInnen und ExpertInnen. Wir haben positive Beispiele gefunden und Ideen für Radförderung im innerstädtischen Kontext gesammelt. Gemeinsam wurde überlegt, wie zum Beipspiel der Lieferverkehr verstärkt aufs Rad gebracht werden kann oder was das Besondere am Radverkehr in ländlichen Gebieten ist. Hürden, die die Fahrradpolitik auf Bundesebene aufbaut, wurden identifiziert und wir Hebel gesucht, mit denen die kommunal und lokal Aktiven bundespolitischen Rückenwind erhalten können.

Radverkehrsförderung ist auch Bundesthema

Die Journalistin Hatice Akyün führte kurzweilig und persönlich durch den ersten Programmteil. Anton Hofreiter betonte in seiner Begrüßung, dass Förderung des Fahrradverkehrs dringend notwendig sowohl für das Klima als auch für die Lebensqualität und das ganz persönliche Wohlbefinden sei. Stefan Gelbhaar, Sprecher der Fraktion für Radverkehr, begrüßte, dass die hohe bundespolitische Relevanz des Themas Radverkehr endlich auch auf Bundesebene angekommen sei. Er forderte Verkehrsminister Scheuer auf, endlich weg von schönen Bildern und warmen Worten zu kommen und die Verkehrswende aktiv voran zu treiben.

„Die Stadt ist doch für alle da!“

Die niederländische Fahrradprofessorin Ineke Spapé stellte Entwicklungen aus den Niederlanden vor, die als Lernbeispiele fungieren können. So wurden zum Beispiel unter Einbeziehung der BewohnerInnen ganze Stadtteile menschenfreundlicher umgestaltet. Sie verglich die Stadt- und Verkehrsplanung in Deutschland und den Niederlanden und kam zum Schluss, dass in Deutschland das autozentrierte Denken überall deutlich im Stadtbild sichtbar sei. Allerdings sollte Deutschland auch aus den Fehlern der Niederlande lernen, so wären etwa FußgängerInnen lange Zeit nicht im Blick gewesen. Städte könnten wegen der Diskussionen um Luftqualität jetzt die Möglichkeit nutzen , um Veränderungen anzugehen.

Impressionen

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Verkehrspolitik entlang gesellschaftlicher Realitäten

Anschließend diskutierten Ineke Spapé, Carsten Baß von der Berliner Fahrradstaffel der Polizei, Lara Eckstein von Campact und Stefan Gelbhaar über die Themen Flächengerechtigkeit, Sicherheit und nötige Weichenstellungen in der Politik. Eine an gesellschaftlichen Realitäten orientierte Verkehrspolitik wurde gefordert, insbesondere mehr Platz und sicherere Infrastruktur für RadfahrerInnen. Die Automobilindustrie solle sich mindestens ebenso sehr wie um die Sicherheit der Fahrzeuginsassen um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden mit weniger Knautschzone kümmern. Einig war man sich auch, dass mehr gegenseitiges Verständnis der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmergruppen nötig ist.

Am Abend des ersten Konferenztages gastierte das 13. International Cycling Film Festival auf der Radkonferenz und zeigte eine großartige Bandbreite von Kurzfilmen, alle mit dem Fahrrad als Hauptdarsteller.

Auf neuen Wegen aus der Krise

Am zweiten Konferenztag begrüßte Cem Özdemir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses, die Gäste. Er erinnerte daran, dass das Fahrrad bei seiner Erfindung vor 200 Jahren schon einmal eine tragende Rolle bei der Bewältigung einer globalen Krise hatte. Für die Bewältigung der Klimakrise sei ein neuer Ansatz erforderlich und man könne nicht mit den gleichen Instrumenten, die uns in die Krise geführt haben, wieder aus der Krise herauskommen, wie es die Regierung versuche. Özdemir unterstrich diesen Punkt mit der Forderung nach einer Milliarde Euro pro Jahr für sichere Radwege und eine fahrradfreundliche Novellierung der StVO.

Woher kommt die Motivation fürs Radfahren?

Kurzimpulse und die Podiumsdiskussion am Samstag widmeten sich der Frage, was Menschen noch am Radfahren hindert und wie man sie hierzu motivieren und befähigen kann.
Dr. Silvia Körntgen forscht zu gendergerechter Verkehrsplanung und berichtete von den drei größten Herausforderungen in diesem Bereich: der Verkehrssicherheit, dem allgemeinem Sicherheitsempfinden und der Einbeziehung von Begleitwegen durch Menschen mit Familienpflichten. So ließe sich durch die Erhöhung der Verkehrssicherheit und Stärkung des Sicherheitsempfindens im öffentlichen Raum ein Umstieg vom PKW auf das Fahrrad erreichen. Man müsse bei Verkehrszählungen immer bedenken, dass Menschen Wege vermeiden, bei denen sie sich nicht sicher fühlen.

Der Verkehrspsychologe Dr. Jens Schade von der TU Dresden sprach über Kostenanreize für den Autogebrauch. Die durch den motorisierten Verkehr verursachten hohen externen Kosten (150 Milliarden Euro, davon 70 Prozent durch Autos), werden preislich nicht abgebildet. Der Preis sei aber relevantes Kriterium bei der Verkehrsmittelwahl und freiwillige Verhaltensänderungen unwahrscheinlich.

Egal, mit welchem Verkehrsmittel und zu welcher Zeit in der Geschichte: die tägliche Mobilitätsdauer von 90 Minuten und die Anzahl der Aktivitäten ändere sich nicht, nur die zurückgelegte Entfernung passe sich an. Weniger Auto bedeute also keineswegs weniger Mobilität.

Das Rad ist viel mehr als nur Fortbewegungsmittel

Für das Bildungs- und Integrationsprojekt Bikeygees sprach Annette Krüger, die mit ihrem 2015 gegründeten Verein bereits 700 geflüchteten Frauen und Mädchen in Berlin und Brandenburg Radfahren beigebracht und viele zu Multiplikatorinnen ausgebildet hat. Sie begeisterte mit ihrem Bericht, wie das Fahrrad für die Frauen gleichzeitig Freiheit und Selbstbewusstsein schaffe und appellierte an die Anwesenden, Dinge einfach auszuprobieren und klein anzufangen, denn daraus wüchsen großartige Projekte.

Vernetzung

Neben dem Konferenzprogramm wurden vielfältige Möglichkeiten angeboten, sich mit anderen Radinteressierten zu vernetzen, neue Projekte kennenzulernen und eigene Ideen zu entwickeln. Eine Projektbörse bot den Fahrradinitiativen Changing Cities, ADFC Magdeburg, AKTIONfahrRAD, Women in Mobility, Radbahn, Radeln ohne Alter und Kidical Mass die Möglichkeit, sich vorzustellen.

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Aufzeichnung des ersten Konferenztages

Aufzeichnung des zweiten Konferenztages