Verkehrslärm

Motorradfahren ohne unnötigen Lärm

Gegen Motorradlärm
Viele Menschen fühlen sich von Motorradlärm gestört. Wir wollen Freizeitvergnügen und Ruhebedürfnis zusammenbringen. picture alliance / Frank Rumpenhorst
06.08.2020
  • Motorradfahren ist Teil individueller Mobilität und für viele wichtiges Element der Freizeitgestaltung. Allerdings fühlen sich auch viele Menschen durch Motorradlärm gestört und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.
  • Obwohl Motorräder auf dem Papier immer leiser werden, nehmen die Klagen über Motorradlärm zu. Das liegt auch an diversen Methoden, mit denen Motorrad- und Zubehörhersteller Lärmvorschriften umgehen.
  • Wir wollen Freizeitvergnügen und Respekt vor dem Ruhebedürfnis anderer Menschen zusammenbringen und mit einem Maßnahmenpaket Motorradlärm wirksam eindämmen.

Motorradfahren ist für viele Menschen sowohl Baustein ihrer individuellen Mobilität als auch ein beliebtes Freizeitvergnügen. Ein Teil der Motorradfahrer*innen legt dabei Wert auf einen lauten und durchdringenden „Sound“, der das Fahrgefühl unterstreichen soll.

Viele Menschen fühlen sich allerdings durch Motorradlärm empfindlich gestört. Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und macht krank. Straßenverkehrslärm ist in Deutschland seit langem Lärmquelle Nummer eins.

Auch für Motorräder gelten darum Lärmgrenzwerte. Diese werden auf dem Papier sogar eingehalten, trotzdem nehmen Klagen über Motorradlärm ständig zu. Das hat verschiedene Gründe.

Laute Hersteller, machtlose Polizei

Zum einen sind die geltenden Grenzwerte sehr speziell und die Prüfzyklen entsprechen oft nicht den realen Fahrsituationen. Motorradhersteller haben darum mittlerweile viele verschiedene, teils elektronisch gesteuerte Bauelemente entwickelt, mittels derer Motorräder - unter Einhaltung der gesetzlich geltenden Grenzwerte auf dem Prüfstand – auf der Straße dennoch sehr laut unterwegs sein können. Dieses Prinzip ist bereits vom Abgasskandal bekannt. Ebenfalls erhältlich ist diverses Zubehör, das, teils legal, teils illegal, den Lärm potenziert.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Verkehrskontrollen für die Polizei sehr schwierig gestalten, da die Vorschriften für gerichtsfeste Geräuschmessungen im Straßenverkehr fast unmöglich zu gewährleisten sind und darüber hinaus die verhängten Bußgelder kaum eine abschreckende Wirkung haben.

Bundesregierung stellt sich taub

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat beim „Schönwetterphänomen“ Motorradlärm bislang weggeschaut, oder besser: weggehört. Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamts, ob Motorräder die von den Herstellern selbst bescheinigten Grenzwerte auch einhalten, bleiben bislang fast vollständig aus (Siehe Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage, Frage 34). Nachdem der Bundesrat jüngst einen Beschluss zur Minderung von Motorradlärm gefasst hat, ließ der Minister verkünden, er werde diesen keinesfalls umsetzen.

Die beschlossene Anpassung der Bußgelder in der Straßenverkehrsordnung, etwa für unnötigen Lärm, hat Andreas Scheuer zuletzt ebenfalls sabotiert. Dass Motorradfahrer*innen zunehmend als Problem gesehen werden und Bundesländer und Kommunen sich dafür aussprechen, Verkehrsverbote für Motorräder verhängen zu können, liegt damit in der Verantwortung der Bundesregierung und an ihrem jahrelangen Nichtstun.

Grünes Maßnahmenpaket

Wir Grüne im Bundestag wollen eine Lösung, die beides zusammenbringt: Freizeitvergnügen und Respekt vor dem Ruhebedürfnis der Menschen. Darum fordern wir die Umsetzung eines Maßnahmenpaketes, um Motorradlärm wirksam einzudämmen.

  • Durch Kampagnen, Kooperation und Maßnahmen wie Lärmdisplays wollen wir Rücksichtnahme fördern und bei Motorradfahrer*innen das Bewusstsein für das eigene Störpotential schärfen.
  • Bei der anstehenden Reformierung der Typzulassung wollen wir einen verbindlichen, maximalen Grenzwert von 80 dB, der für alle Betriebszustände gilt, einführen. Der Einsatz von Technik, die die Emissionen erhöht und Testzyklen erkennt, muss wirksamer bekämpft werden.
  • Im Straßenverkehrsrecht müssen die Kriterien für „unnötigen Lärm“ klarer definiert werden und die bereits beschlossenen Bußgelderhöhungen müssen umgesetzt werden, um effektivere Kontrollen zu ermöglichen. Wir wollen auch Lösungen suchen, damit im Falle von Verstößen durch Motorradfahrer*innen eindeutige Verantwortlichkeiten gegeben sind.
  • Wir wollen außerdem die Richtlinien für Lärmschutz anpassen, damit auch bei Belastungen durch Motorradlärm Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.
  • Weil Elektromobilität nicht nur mit Blick auf das Auto ein wichtiger Baustein für einen umweltfreundlichen Verkehr ist, sondern auch im Zweiradbereich als „die leise Alternative“ bereits existiert, wollen wir Anreize zum Umstieg auf Elektro-Motorräder schaffen.