Elektromobilität

Tempo machen beim Ausbau von Ladesäulen

Ein Großparkplatz für Elektroautos im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Oslo, fotografiert bereits am 08.10.2015
Ladesäulen an den Parkboxen. Was in Norwegen gut funktioniert, ist in Deutschland noch nicht annährend eingerichtet. Bundesregierung und Autohersteller verschleppen den Aufbau von Ladesäulen. Wir brauchen einheitliche Lademöglichkeiten im ganzen Land, damit das Laden so einfach wird wie das Tanken. dpa
21.05.2021
  • Wir wollen beim Aufbau der Ladesäulen für E-Autos mehr Tempo machen. Bundesregierung und Autohersteller haben es bislang versäumt, für ausreichend Lademöglichkeiten zu sorgen.
  • Nur wenn Ladestellen genauso schnell gebaut werden wie neue E-Autos, gelingt der Durchbruch der Elektromobilität.
  • Schnellladesäulen im ganzen Land, einheitliche Bezahlstandards und mehr Ladestationen schon beim Gebäudeneubau – so wird das Laden so einfach wie das Tanken.

Elektroautos haben einen besonderen Vorteil: Wer sein Auto nachts daheim lädt, kann jeden Morgen mit vollem Akku losfahren. Dank Ladestationen am Supermarkt oder beim Arbeitgeber kann man jederzeit Strom nachladen. Das gelingt mit keinem Verbrenner.

Bundesweites Schnelllade-Netz muss endlich starten

Die Realität ist aber, dass es noch zu wenige Lademöglichkeiten gibt. Der Ausbau hält nicht Schritt mit der steigenden Nachfrage nach E-Autos. Nur die Hälfte der staatlich geförderten Ladestationen wurde bislang in Betrieb genommen, weil das Förderprogramm zu bürokratisch und völlig unverbindlich ist. Die Autohersteller haben es bisher nicht geschafft, ein hochwertiges und flächendeckendes Schnellladenetz zu errichten. Da muss unser Land schneller werden.

Weil CSU-Verkehrsminister Scheuer eingestehen musste, dass der Ausbau viel zu langsam läuft, ist ihm ein neuer Gedanke gekommen: Er will Unternehmen beauftragen, für den Bund an 1.000 Standorten Schnellladesäulen aufzubauen. Als Grundlage für die geplanten Ausschreibungen legte er einen Gesetzentwurf (Schnellladegesetz) vor, der nicht nur reichlich spät kam, sondern auch viele Details offen ließ: Welche Standorte sind geplant? Wie steht es um die Preise? Wie wird die Integration bestehender Ladesäulen anderer Betreiber sichergestellt?

Statt klarer Aussagen wollte sich Scheuer lieber viele Befugnisse schaffen und die Details erst regeln, wenn das Gesetz längst beschlossen ist.

Ausschuss zügelt Scheuers Alleingang

Im Verkehrsausschuss wurde der Gesetzentwurf immerhin etwas verbessert. Vor allem legt das Gesetz nun mehr Ausschreibungsdetails vorab fest. Außerdem gibt es mehr parlamentarische Kontrolle, weil Scheuer dem Ausschuss seine Konzepte vorlegen und weitere Details vom Bundestag beschließen lassen muss.

Ein Alleingang beim Schnellladenetz wurde damit verhindert. Jetzt wird es Zeit für die Umsetzung, damit rasch die ersten Standorte eröffnet werden.

Aber nicht nur die Anzahl, sondern auch die Verbraucherfreundlichkeit der Ladesäulen muss stimmen. Deswegen wollen wir den Dschungel der unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten beenden. Wir brauchen einheitliche Standards, damit im besten Fall eine App oder Karte für alle Säulen ausreicht.

Ladestationen: Beim Neubau von Gebäuden gleich mitbauen

Wer sein E-Auto lädt, macht das in vielen Fällen daheim oder bei der Arbeit. Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung dem grünen Vorschlag gefolgt ist, leichter Lademöglichkeiten an Parkplätzen von Wohnhäusern zu schaffen. Mieter*innen und Miteigentümer*innen von Mehrfamilienhäusern haben jetzt einen Rechtsanspruch, eine Ladestation an ihrem Stellplatz zu installieren.

Noch besser wäre es aber, wenn Lademöglichkeiten gleich beim Neubau von Gebäuden mitgebaut werden. Teure Nachrüstungen bleiben den Nutzer*innen dann erspart.

Im Februar hat die große Koalition von Union und SPD zwar ein Gesetz beschlossen, um EU-Vorgaben umzusetzen – es ist aber deutlich zu schwach: Das Gesetz sorgt größtenteils für leere Rohre und nur für vereinzelte Ladestationen. Wir Grüne im Bundestag fordern, dass mindestens an jedem zweiten Stellplatz von Gebäuden, die renoviert oder neu gebaut werden, Lademöglichkeiten installiert werden müssen, wenn das Gebäude mehr als fünf Parkplätze hat.