Elektromobilität

Tempo machen beim Ausbau von Ladesäulen

Ein Großparkplatz für Elektroautos im Zentrum der norwegischen Hauptstadt Oslo, fotografiert bereits am 08.10.2015
Ladesäulen an den Parkboxen. Was in Norwegen gut funktioniert, ist in Deutschland noch nicht annährend eingerichtet. Bundesregierung und Autohersteller verschleppen den Aufbau von Ladesäulen. Wir brauchen einheitliche Lademöglichkeiten im ganzen Land, damit das Laden so einfach wird wie das Tanken. dpa
12.02.2021
  • Wir wollen beim Aufbau der Ladesäulen für E-Autos mehr Tempo machen. Bundesregierung und Autohersteller haben es bislang versäumt, für ausreichend Lademöglichkeiten zu sorgen.
  • Nur wenn Ladestellen genauso schnell gebaut werden wie neue E-Autos, gelingt der Durchbruch der Elektromobilität.
  • Schnellladesäulen im ganzen Land, einheitliche Bezahlstandards und mehr Ladestationen schon beim Gebäudeneubau – so wird das Laden so einfach wie das Tanken.

Elektroautos haben einen besonderen Vorteil: Wer sein Auto nachts daheim lädt, kann jeden Morgen mit vollem Akku losfahren. Dank Ladestationen am Supermarkt oder beim Arbeitgeber kann man jederzeit Strom nachladen. Das gelingt mit keinem Verbrenner.

Die Realität ist aber, dass es noch zu wenige Lademöglichkeiten gibt. Der Ausbau hält nicht Schritt mit der steigenden Nachfrage nach E-Autos. Nur die Hälfte der staatlich geförderten Ladestationen wurde bislang in Betrieb genommen, weil das Förderprogramm zu bürokratisch und völlig unverbindlich ist. Die Autohersteller haben es bisher nicht geschafft, ein hochwertiges und flächendeckendes Schnellladenetz zu errichten. Da muss unser Land schneller werden.

Verkehrsminister Scheuer: Geheime Pläne für das Schnelllade-Netz

Weil CSU-Verkehrsminister Scheuer eingestehen musste, dass der Ausbau viel zu langsam abläuft, ist ihm ein neuer Gedanke gekommen: Er will Unternehmen verbindlich beauftragen, für den Bund an 1.000 Standorten Schnellladesäulen aufzubauen. Für die geplante Ausschreibung hat der Minister einen Gesetzentwurf vorgelegt, der aber komplett offen lässt, wie die Ausschreibung konkret aussieht. Welche Standorte sind geplant? Welche Chancen haben kleine Unternehmen bei der Vergabe? Und wie werden Wucherpreise verhindert? Statt klare Antworten zu geben, schafft sich Scheuer lieber viele Befugnisse und will die Details erst regeln, wenn das Gesetz längst beschlossen ist.

Wir Grüne im Bundestag fordern den Verkehrsminister auf, dass er seine Pläne auf den Tisch legt, bevor der Bundestag das Gesetz beschließt. Außerdem muss Scheuer die Ladesäulenbetreiber*innen, die schon in Säulen investiert haben, mit an Bord holen, damit neue Lademöglichkeiten konkret dort entstehen, wo es derzeit Lücken gibt.

Klar ist auch: Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Verbraucherfreundlichkeit der Ladesäulen muss stimmen. Deswegen wollen wir den Dschungel der unterschiedlichsten Bezahlmöglichkeiten beendet werden. Wir brauchen einheitliche Standards, damit im besten Fall eine App oder Ladekarte für alle Säulen ausreicht.

Ladestationen: Beim Neubau von Gebäuden gleich mitbauen

Wer sein E-Auto lädt, macht das in vielen Fällen daheim oder bei der Arbeit. Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung dem grünen Vorschlag gefolgt ist, leichter Lademöglichkeiten an Parkplätzen von Wohnhäusern zu schaffen. Mieter*innen und Miteigentümer*innen von Mehrfamilienhäusern haben jetzt einen Rechtsanspruch, eine Ladestation an ihrem Stellplatz zu installieren.

Noch besser wäre es aber, wenn Lademöglichkeiten gleich beim Neubau von Gebäuden mitgebaut werden. Teure Nachrüstungen bleiben den Nutzer*innen dann erspart. Im Februar hat die große Koalition von Union und SPD zwar ein Gesetz beschlossen, um EU-Vorgaben umzusetzen – es ist aber deutlich zu schwach: Das Gesetz sorgt größtenteils für leere Rohre und nur für vereinzelte Ladestationen. Wir Grüne im Bundestag fordern, dass mindestens an jedem zweiten Stellplatz von Gebäuden, die renoviert oder neu gebaut werden, Lademöglichkeiten installiert werden müssen, wenn das Gebäude mehr als fünf Parkplätze hat.

 

Bundestagsrede von Daniela Wagner zu Elektromobilität

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Bundestagsrede von Daniela Wagner am 11.2.2021 zum Thema Elektromobilität