Hate Speech No Hate, no Fake – Recht und Transparenz im Netz

Eine Computertastatur in Nahaufnahme mit knallroter Enter-Taste
Hass und Hetze nehmen auch im Netz zu. „Fake News“ und missbräuchlich eingesetzte Social Bots sind Gift für die demokratische Debattenkultur. Nach langer Untätigkeit verrennt sich Justizminister Maas nun. Wir bieten differenziertere Antworten.

Jeder und jede kann online kommunizieren und Inhalte im Netz teilen. Leider nehmen in den letzten Jahren Hass und Hetze und die Verbreitung von Fake News zu. Menschen werden übel beschimpft, es wird postfaktisch diskutiert und die öffentliche Meinungsbildung verzerrt. Wir Grüne im Bundestag fordern mit konkreten Vorschlägen von der Bundesregierung, diese vielschichtigen Phänomene als gesamtgesellschaftliche Herausforderung umfassend und entschlossen, aber auch angemessen differenziert anzugehen. Nach unserem Fraktionsbeschluss „Verantwortung, Freiheit und Recht im Netz“ legen wir nun einen umfassenden Antrag Transparenz und Recht im Netz – „Hass-Kommentare“, „Fake News“ und Missbrauch von „Social Bots“ vor.

Justizminister Maas legt unausgegorenes Gesetz vor

Nach über einem Jahr Runder Tische, offener Briefe und Task Forces der Bundesregierung zeigen Studien, dass die Selbstverpflichtungen zur verbesserten Rechtsdurchsetzung gegen strafbare Inhalte kaum greifen. In einem Hauruck-Verfahren legt Justizminister Maas nun einen Gesetzentwurf zum „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG) vor. Die Kritik ist breit und massiv. Experten äußern verfassungsrechtliche und europarechtliche Bedenken. Sie beanstanden eine mögliche Kompetenzüberschreitung gegenüber den Bundesländern.

Grünes Maßnahmenpaket gegen Hate & Fake

Wir haben dagegen ein breit aufgestelltes Maßnahmenpaket gegen Hate und Fake vorgelegt. Die bestehenden Straftatbestände sind ausreichend. Aber die Rechtsdurchsetzung muss verbessert werden. Das existierende Melde-und Abhilfeverfahren („Notice and take down“) für rechtswidrige Inhalte muss gesetzlich klarer geregelt werden. Bisher gibt es nur allgemeine Vorgaben für Unternehmen. Verfahren bei strafrechtlich relevanten Online-Äußerungen werden regelmäßig eingestellt. Mit einer Konkretisierung der Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren (RiStBV), die der enormen Verbreitungsdynamik im Digitalen gerecht wird, sowie einer verbesserten Ausstattung von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten, soll die Zahl der Einstellungen deutlich verringert werden. Diensteanbieter werden u.a. verpflichtet, Meldewege zu verbessern, offensichtlich rechtswidrige Inhalte spätestens innerhalb von 24 Stunden nach Meldungszugang zu löschen und empfangs- und zustellungsbevollmächtigte Verantwortliche zu benennen. Andernfalls drohen effektive Sanktionen, die die wirtschaftliche Lage der Anbieter angemessen erfassen.

Medienkompetenz muss dringend gefördert werden

Neben einer verbesserten Rechtsdurchsetzung ist eine Stärkung der Medienkompetenz dringend geboten. Attraktive und altersgerechte Medienkompetenzangebote in schulischen und außerschulischen Institutionen müssen gefördert und das zivilgesellschaftliche Engagement und die Kultur der Gegenrede unterstützt werden. Hierfür benötigen wir auch unabhängige und kostenfreie Informations- und Beratungsstellen zum Umgang mit Hate-Speech, Fake News und Cybermobbing. Dabei ist eine teilweise Finanzierung durch eine verpflichtende Abgabe von Diensteanbietern zu überlegen.

Der Verbreitung von Fake News wird derzeit kaum Einhalt geboten. Wir fordern unabhängige Überprüfungen nach journalistischen Standards („Fact-Checking“), die durch eine verpflichtende Abgabe von Diensteanbietern teilfinanziert werden könnte.

Social Bots kennzeichnen

Social Bots können für zahlreiche sinnvolle Zwecke eingesetzt werden. Sie können dabei helfen, Hilfesuchende auf Fundstellen aufmerksam zu machen, Nutzerinnen und Nutzer können in sozialen Netzwerken auf neue journalistische Artikel hingewiesen oder Haterinnen und Hater automatisiert auf Diskussionsregeln hingewiesen werden. Social Bots werden allerdings auch missbräuchlich eingesetzt, um vermeintliche Mehrheitsverhältnisse und die gesellschaftliche Bedeutung von Themen vorzutäuschen. Wir wollen Transparenz schaffen und Diensteanbieter und Nutzerinnen verpflichten, automatisierte elektronische Kommunikationssysteme leicht erkennbar zu kennzeichnen und benutzerfreundliche Meldewege bereitzuhalten.

Engagement gegen Hass und Hetze stärken

Wir Grüne im Bundestag begrüßen, dass durch das zivilgesellschaftliche Engagement zahlreicher Menschen und Organisationen Hass und Hetze couragiert entgegengetreten wird. Das muss stärker unterstützt werden. Die Bundesregierung lässt diese Menschen aber im Regen stehen und schafft es immer noch nicht, dass sich milliardenschwere Unternehmen mit teils monopolartigem Charakter an geltendes deutsches und europäisches Recht halten. Mit dem vorgelegten Gesetzentwurf der Bundesregierung wird das Problem gar verschlimmert. Der Gesetzentwurf soll im Hauruck-Verfahren durch das Parlament gejagt werden. Wir bieten Antworten, die die Bundesregierung dringend aufgreifen sollte.

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2 Kommentare
Der Link zum Antrag ist tot
SAS 05.04.2017

Danke.

Bitte geschlossen ablehnen!
Sebastian Wolf 06.04.2017

Ich hoffe, die Fraktion zieht dann auch die entsprechenden Konsequenzen und lehnt das Gesetz geschlossen ab. Jede Enthaltung oder gar Für-Stimme wäre ein Schlag ins Gesicht...

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