Pflegequalität

Der neue "Pflege-TÜV"

DRK-Seniorenwohnanlage in Rostock-Evershagen, eine Pflegekraft hilft einer Bewohnerin beim Essen.
Endlich findet die Bewertung von Pflegeheimen nach neuen Maßstäben statt. Wir Grüne im Bundestag haben den Paradigmenwechsel lange gefordert und begrüßen die Umstellung. picture-alliance/ dpa
01.10.2019
  • Pflegebedürftige und ihre Angehörigen brauchen einfach und schnell einen Überblick darüber, wie gut die Pflege in einem Pflegeheim wirklich ist.
  • Unsere jahrelange Forderung nach einem neuen „Pflege-TÜV wird nun endlich erfüllt.
  • Eine gute Qualität in der Pflege braucht aber mehr. Wir Grüne im Bundestag haben mit der „Doppelte Pflegegarantie“ dafür eine Strategie vorgelegt.

Endlich wird ein „neuer Pflege-TÜV“ eingeführt. Seit Jahren kritisieren wir Grüne im Bundestag, dass die bisherigen „Pflegenoten“ keinen Aufschluss über die Qualität der Pflege in Einrichtungen gegeben haben.

Bisher wurde bei der Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen nicht etwa bewertet und veröffentlicht, wie die Qualität der Pflege wirklich ist. Stattdessen war eher die Qualität der Dokumentation oder der Essensplan ausschlaggebend. Kein Wunder, dass dabei fast ausschließlich Bestnoten zustande kommen.

Pflegebedürftige und Angehörige brauchen Klarheit

Dabei ist es für Betroffene und ihre Angehörigen ohnehin eine schwierige und herausfordernde Situation, wenn sie plötzlich mit Pflegebedürftigkeit konfrontiert sind. Umso wichtiger ist es, dass sie sich über verfügbare Angebote in der Nähe gut und verlässlich informieren können. Pflegebedürftige müssen eine Versorgung finden können, die wirklich zur ihrer Situation und ihren Bedürfnissen passt.

Die bisherigen Pflegenoten helfen den Betroffenen dabei überhaupt nicht weiter. Im Gegenteil: wenn alle Anbieter „sehr gut“ sind, dann ist diese Bewertung oft geschönt und hilft den Menschen nicht weiter..

Neue Qualitätsdarstellung zeigt Ergebnisse der Pflege

Nun hat der Spitzenverband der Krankenkassen ein neues Qualitäts- und Prüfsystem für Pflegeheime präsentiert. Auf Initiative unserer Fraktion hatte Dr. Klaus Wingenfeld vom Institut für Pflegewissenschaften der Universität Bielefeld bereits im Frühjahr das zugrundeliegende Gutachten vorgestellt.

Nach der neuen Bewertung und Darstellung von Pflegequalität erfolgt endlich der notwendige Paradigmenwechsel: Weg von der Qualität der Dokumentation hin zur Ergebnisqualität. Die neue Qualitätsprüfung rückt die pflegebedürftigen Menschen in den Fokus – werden sie entsprechend ihres individuellen Pflegebedarfs in der Einrichtung unterstützt? Das ist künftig ausschlaggebend. Diese Veränderung begrüßen wir ausdrücklich.

Uns ist wichtig, dass bei der Darstellung der Bewertungen darauf geachtet wird, dass pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen sich bei aller gebotenen Differenziertheit gut darin zurecht finden können. Außerdem müssen die Einrichtungen bei der Umstellung unterstützt werden. Der bürokratische Aufwand sollte für sie auf das notwendige Maß beschränkt sein.

Qualität in der Pflege bedeutet mehr

Das Bemühen um gute Pflege darf allerdings bei der Darstellung von Qualität nicht stehenbleiben. Ausschlaggebend ist insbesondere, ob genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht und wie die Arbeitsbedingungen sind. Hier hapert es bekanntlich. Schon jetzt sind tausende Stellen in der Pflege unbesetzt und die Lücke droht in den kommenden Jahren weiter zu wachsen.

Pflege ist ein verantwortungsvoller Beruf und hat eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Das spiegelt sich in den derzeitigen Bedingungen nicht wieder. Wir setzen uns ein für eine gerechte Bezahlung, für verbindliche Personalschlüssel, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren und für selbstbestimmte und verlässliche Arbeitszeiten.

Die Bundesregierung hat mit der „Konzertierten Aktion Pflege“ oder dem Gesetz zur Verbesserung der Löhne in der Pflege erste Schritte in die richtige Richtung unternommen. Sie lässt jedoch völlig offen, wie verhindert werden soll, dass die Kosten dafür alleine von den Pflegebedürftigen geschultert werden müssen. Das ist verantwortungslos. Wir Grüne im Bundestag haben hingegen mit der Doppelten Pflegegarantie ein Konzept vorgelegt, das die Kosten deckelt und fair verteilt.