Pflege Pflegekräfte dringend gesucht

Eine alte Frau im Pflegeheim sitzt im Sessel und wird gekämmt.
Es ist eine einfache Erkenntnis: Mehr Pflegepersonal verbessert die Qualität und die Arbeitsbedingungen. Diese Logik ist bei der Bundesregierung nicht angekommen. Nun hat eine Anhörung des Ausschusses für Gesundheit und Pflege auf unseren Antrag hin diesen Grundsatz bestätigt.

Ob in Pflegeheimen, Pflegediensten oder Krankenhäusern – qualifizierte Pflegekräfte werden händeringend gesucht. Kein Wunder, denn wer in der Pflege arbeitet, steht oft unter massivem Druck. Wenn die Rahmenbedingungen nicht schnell verbessert werden, wird die Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte immer weiter steigen. Viele werden den Beruf verlassen oder ihn gar nicht mehr ergreifen wollen. Leidtragende sind, neben den Pflegekräften, natürlich vor allem die pflegebedürftigen Menschen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat keine wirksamen Maßnahmen gegen den Personalmangel ergriffen, sondern das Problem vor sich hergeschoben. Ihre Pflegereformen oder ihr Förderprogramm für Pflegestellen in Krankenhäusern sind allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein oder werden die Situation sogar noch verschlechtern.

Bessere Arbeitsbedingungen für mehr Personal

Das hat auch die Anhörung zu unserem Antrag „Eine Lobby für die Pflege – Arbeitsbedingungen und Mitspracherechte von Pflegekräften verbessern“ gezeigt. In diesem Antrag fordern wir zügig verbindliche Personalbemessungsregelungen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und –diensten. In der Anhörung, zu der der Ausschuss für Gesundheit und Pflege 15 Expertinnen und Experten am 31.05.2017 in den Bundestag eingeladen hatte, wurden wir von Gewerkschaften, PatientenvertreterInnen, Wohlfahrtsverbänden und Fachleuten entschieden unterstützt. Prof. Greß von der Universität Fulda stellte fest: „Studien belegen, dass eine verbesserte Personalausstattung die Qualität der Pflege erhöht.“

In der Pflege, die vom Schichtdienst geprägt ist, müssen Arbeit- und Freizeit planbar und verlässlich sein, damit das Privatleben nicht zu kurz kommt. Und die Arbeit darf nicht durch zu viel Bürokratie unnötig erschwert werden. Zu diesen Vorschlägen unserer Fraktion herrschte viel Einigkeit.

Diskussionen gab es rund um das Thema der Bezahlung. Wir fordern die Tarifpartner auf, einen „Tarifvertrag Soziales“ für faire Löhne in der Pflegebranche zu erarbeiten.

Eine Lobby für die Pflege

Vor allem aber braucht die professionelle Pflege mehr Mitspracherechte im Gesundheitssystem. Viele Entscheidungen, die den Arbeitsalltag der Pflegekräfte prägen, werden nicht von der Politik, sondern in Gremien getroffen, in denen vor allem Ärzte und Kassen miteinander sprechen. Dabei sitzen VertreterInnen der Pflegekräfte zu oft nicht mit am Tisch. Das wollen wir ändern.

Vielleicht lassen sich dann auch die Missstände beheben, auf die das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) hinwies. Es stellte fest: In den letzten 20 Jahren fand ein gigantischer Umverteilungsprozess in deutschen Kliniken statt - zugunsten der Ärztinnen und Ärzte, jedoch als „Aderlass“ für die Pflege.

Seit 2005 sind laut DIP die Personalkosten für Ärzte an Krankenhäusern um 80 Prozent gestiegen, für das Pflegepersonal hingegen nur um rund 25 Prozent. 2013 lagen die Kosten für Ärzte an Kliniken dem Institut zufolge erstmals höher als für das gesamte Pflegepersonal.

Die Anhörung hat einmal mehr gezeigt, dass die Arbeitsbedingungen und Mitspracherechte der Pflege dringend verbessert werden müssen.

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