Tag der Pflegenden

Pflegekräfte wertschätzen - nicht nur in der Corona-Krise

Professionelle Pflege ist systemrelevant, das war sie schon immer. Zu oft spiegeln der Lohnzettel und die Arbeitsbedingungen das nicht wider. Das hat in der Corona-Krise viel Aufmerksamkeit erlangt. Gegenmaßnahmen dürfen sich aber nicht in einmaligen Prämien erschöpfen. picture alliance
12.05.2020
  • Professionelle Pflege ist systemrelevant, das war sie schon immer.
  • Zu oft spiegeln der Lohnzettel und die Arbeitsbedingungen nicht angemessen wider. Dieser Missstand hat in der Corona-Krise viel Aufmerksamkeit erregt. Gegenmaßnahmen dürfen sich aber nicht in einmaligen Prämien erschöpfen.
  • Wir Grüne im Bundestag treten ein für eine gerechte Bezahlung, mehr Personal und mehr Verantwortung für die Pflege. Wir haben dazu einen Antrag in den Bundestag eingebracht.

In Europa sind 57 Prozent des Gesundheitspersonals in einem Pflegeberuf tätig. Ähnlich stellt sich dieses Verhältnis auch in Deutschland dar. Doch nicht nur zahlenmäßig nimmt die berufliche Pflege einen wichtigen Stellenwert ein.

Professionelle Pflegekräfte setzen sich mit ihrer qualifizierten Arbeit dafür ein, das Leben, die Gesundheit und die Lebensqualität anderer Menschen zu erhalten – ob in Krankenhäusern, in stationären Pflegeeinrichtungen, bei ambulanten Pflegediensten, in Reha-Einrichtungen, in der Behindertenhilfe oder am Wohnort. Dafür haben sie gesellschaftliche Wertschätzung und finanzielle Anerkennung verdient.In der Corona-Krise sind kurzfristige Maßnahmen nötig, um die Berufsgruppe zu schützen und zu entlasten. Dabei darf es jedoch nicht bleiben. Notwendig sind grundlegende Verbesserungen für den Berufsstand.

Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai bringen wir unseren Antrag „Professionelle Pflegekräfte wertschätzen und entlasten – nicht nur in der Corona-Krise“ ein, um darauf aufmerksam zu machen. 

Kurzfristige Maßnahmen in der Corona-Krise

Eine Corona-Prämie, wie sie die Bundesregierung für Beschäftigte in der Altenpflege vorsieht, ist ein Signal in die richtige Richtung. Sie lässt aber die Situation von Pflegekräften in anderen Bereichen außer Acht. Wir fordern deshalb in unserem Antrag, dass alle Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Assistenzbereich, die besonderen Risiken durch die Corona-Pandemie ausgesetzt sind, zur Anerkennung eine Corona-Prämie erhalten.

Außerdem muss sichergestellt sein, dass professionelle Pflegekräfte ausreichend mit Schutzausrüstung versorgt werden und Zugang zu regelmäßiger Testung haben. Die Verlängerung der Arbeitszeiten durch die Covid-19-Arbeitszeitverordnung muss die Bundesregierung umgehend zurücknehmen, um die Beschäftigten nicht weiter zu überlasten. Bei akuten Corona-Ausbrüchen in Einrichtungen müssen Kriseninterventionen und – auch personelle – Unterstützung nach einheitlichen Standards erfolgen. Professionelle Pflegekräfte brauchen regelmäßige Schulungen zum Umgang mit dem Virus und aktuellen Erkenntnissen und sollten bei Bedarf psychologische Betreuung in Anspruch nehmen können.

Grundlegende Maßnahmen zur Aufwertung des Berufs

Eine Prämie macht noch keine Aufwertung. Dazu ist insbesondere in der Altenpflege eine tarifgebundene Bezahlung notwendig, um den Wert der Arbeit auch finanziell anzuerkennen. Wir ermutigen die Tarifpartner, schnellstmöglich ihre Verhandlungen über eine tarifgebundene Bezahlung in der Altenpflege fortzusetzen und eine Einigung zu erzielen. Ein entsprechender Tarifvertrag muss von der Bundesregierung umgehend für allgemeinverbindlich erklärt werden. Zudem muss die Bundesregierung die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Personalbemessungsregelungen in der Alten- und Krankenpflege eingeführt werden, die sich am tatsächlichen Pflegebedarf der Menschen orientieren.

Außerdem fordern wir mehr Eigenverantwortlichkeit für die Pflegeberufe, unter anderem indem die Möglichkeit, heilkundliche Tätigkeiten auszuüben, dauerhaft verankert wird. Und professionell Pflegende brauchen eine stärkere Stimme im Gesundheitswesen. Deswegen sollte die Gründung einer Bundespflegekammer unterstützt werden und für sie Mitspracherechte in allen relevanten Gremien des Gesundheits- und Pflegewesens eingeräumt werden. Nicht zuletzt müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Beruf attraktiver zu machen, etwa durch mehr Digitalisierung in der Pflege. Die Vereinbarungen aus der Konzertierten Aktion Pflege müssen deshalb konsequent umgesetzt, bewertet und weiterentwickelt werden.