Tag der Pflegenden

Pflegekräfte wertschätzen - nicht nur in der Corona-Krise

Professionelle Pflege ist systemrelevant, das war sie schon immer. Zu oft spiegeln der Lohnzettel und die Arbeitsbedingungen das nicht wider. Das hat in der Corona-Krise viel Aufmerksamkeit erlangt. Gegenmaßnahmen dürfen sich aber nicht in einmaligen Prämien erschöpfen. picture alliance
12.05.2021
  • Professionelle Pflege ist systemrelevant, das war sie schon immer.
  • Zu oft spiegeln der Lohnzettel und die Arbeitsbedingungen das nicht angemessen wider. Dieser Missstand hat in der Corona-Krise viel Aufmerksamkeit erregt.
  • Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai bekräftigen wir unsere Forderungen nach gerechter Bezahlung, mehr Personal und mehr Verantwortung für die Pflege.

In Europa sind 57 Prozent des Gesundheitspersonals in einem Pflegeberuf tätig. Ähnlich stellt sich dieses Verhältnis auch in Deutschland dar. Doch nicht nur zahlenmäßig nimmt die berufliche Pflege einen wichtigen Stellenwert ein.

Professionelle Pflegekräfte setzen sich mit ihrer qualifizierten Arbeit dafür ein, das Leben, die Gesundheit und die Lebensqualität anderer Menschen zu erhalten – ob in Krankenhäusern, in stationären Pflegeeinrichtungen, bei ambulanten Pflegediensten, in Reha-Einrichtungen, in der Behindertenhilfe oder am Wohnort. Dafür haben sie gesellschaftliche Wertschätzung und finanzielle Anerkennung verdient. In der Corona-Krise waren und sind kurzfristige Maßnahmen nötig, um die Berufsgruppe zu schützen und zu entlasten. Dabei darf es jedoch nicht bleiben. Notwendig sind grundlegende Verbesserungen für den Berufsstand.

Vor einem Jahr, haben wir zum 12. Mai den Antrag „Professionelle Pflegekräfte wertschätzen und entlasten – nicht nur in der Corona-Krise“ eingebracht, um darauf aufmerksam zu machen. 

Kurzfristige Maßnahmen in der Corona-Krise

Eine Corona-Prämie war ein Signal in die richtige Richtung, hat aber die Situation von Pflegekräften in anderen Bereichen außer Acht gelassen. Wir haben deshalb in unserem Antrag gefordert, dass alle Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Assistenzbereich, die besonderen Risiken durch die Corona-Pandemie ausgesetzt sind, zur Anerkennung eine Corona-Prämie erhalten.

Grundlegende Maßnahmen zur Aufwertung des Berufs

Es ist an der Zeit, den Arbeitsalltag der Pflegekräfte endlich nachhaltig zu verbessern, statt sich mit Einmalzahlungen zu befassen, die nichts an den grundsätzlichen Problemen in der Pflege ändern. Eine Prämie macht noch keine Aufwertung. Dazu ist insbesondere in der Altenpflege eine tarifgebundene Bezahlung notwendig, um den Wert der Arbeit auch finanziell anzuerkennen. Die hierzu in der Zwischenzeit erfolgten Verhandlungen und Bemühungen von Tarifpartnern und Politik sind jedoch fehlgeschlagen. Der Versuch, einen Tarifvertrag für allgemein verbindlich zu erklären, ist erst einmal gescheitert. Nun plant die Bundesregierung, über Änderungsanträge zum Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) noch gesetzlich nachzusteuern und eine „Pflegereform light“ umzusetzen. Das wird den Pflegefachkräften in dieser wichtigen Frage kaum gerecht. Erforderlich ist zudem, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Personalbemessungsregelungen in der Alten- und Krankenpflege eingeführt werden, die sich am tatsächlichen Pflegebedarf der Menschen orientieren. Dass dies mit den derzeit geplanten gesetzlichen Regelungen gelingen kann, ist fraglich.

Mehr Eigenverantwortlichkeit für die Pflegeberufe

Wir fordern außerdem mehr Eigenverantwortlichkeit für die Pflegeberufe, unter anderem indem die Möglichkeit, heilkundliche Tätigkeiten auszuüben, dauerhaft verankert wird. Und professionell Pflegende brauchen eine stärkere Stimme im Gesundheitswesen. Deswegen sollte die Gründung einer Bundespflegekammer unterstützt werden und für sie Mitspracherechte in allen relevanten Gremien des Gesundheits- und Pflegewesens eingeräumt werden. Weil Pflegekräfte nicht nur in Pandemiezeiten die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung erhöhen, haben wir uns dafür stark gemacht, sie in dieser wichtigen Funktion zu unterstützen. Hierbei spielt die pflegeberufliche Selbstverwaltung eine wichtige Rolle.

Nicht zuletzt müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Pflegeberuf attraktiver zu machen, etwa durch mehr Digitalisierung in der Pflege.. Unsere Vorschläge für dieDigitalisierung in der Pflege und im Gesundheitswesen, haben wir in unserem Entschließungsantrag zum DVPMG dargelegt.

Nur wenn alle Akteur*innen zusammenarbeiten und ihre Expertise frühzeitig in den Entwicklungsprozess einbringen können, kann aus der Digitalisierung im Pflege- und Gesundheitswesen echter Nutzen entstehen. Insbesondere Patient*innen müssen in die Entwicklung digitaler Angebote viel umfassender und systematischer einbezogen werden als bisher. Eine politische Strategie dazu muss konsequent an den Bedürfnissen und Notwendigkeiten des Pflege- und Gesundheitswesens sowie der Patient*innen und Pflegebedürftigen ausgerichtet sein. Ein nachvollziehbarer Fahrplan würde den beteiligten Akteur*innen zusätzlich Planungssicherheit verschaffen.