Corona-Krise

Pflegende Angehörige unterstützen

Ältere pflegebedürftige Frau, im Hintergrund eine jüngere Angehörige
Pflegende Angehörige sind in der Corona-Krise besonders unter Druck. Betreuungsangebote fallen weg. Hinzu kommt die Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19. Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung – nicht nur, aber gerade auch in der Corona-Krise. Gerd Altmann / pixabay.com
06.05.2020
  • Drei von vier pflegebedürftigen Menschen werden in Deutschland aktuell zu Hause durch Angehörige oder andere nahestehende Personen versorgt.
  • In der Corona-Pandemie sind pflegende Angehörige besonders unter Druck, weil Betreuungsangebote wegfallen und sie besonders aufpassen müssen, die anvertraute Person vor einer Ansteckung zu schützen.
  • In unserem Antrag "Pflegende Angehörige unterstützen" machen wir umfassende Vorschläge für Schutz und Unterstützung in der Corona-Krise und für grundlegende Verbesserungen wie eine Lohnfortzahlung für Pflegezeiten.

Die Pflege durch Angehörige ist systemrelevant. In Deutschland wird ein Großteil der pflegebedürftigen Menschen durch Angehörige, Nachbarinnen und Nachbarn oder Freundinnen und Freunde zu Hause versorgt – in zwei von drei Fällen gänzlich ohne die Unterstützung durch professionelle Betreuungs- oder Pflegedienste. Rund 4,7 Millionen Menschen zählen zu dieser Gruppe von Pflegepersonen.

Nicht nur aufgrund der Größe dieser Gruppe sind die Leistungen, die diese Menschen erbringen, systemrelevant. Es muss auch beachtet werden, dass ohne sie die pflegebedürftigen Menschen in viel höherem Maße durch professionelle Pflegedienste oder in (teil-)stationären Einrichtungen versorgt werden müssten.

Belastungen und Risiken durch Covid-19

Pflegende Angehörige sind von der Corona-Pandemie in besonderer Weise betroffen: Zum einen fürchten sie, das Virus unbemerkt weiterzugeben und die Gesundheit pflegebedürftiger Menschen zu gefährden. Zum anderen brechen wichtige Unterstützungsangebote, wie die Tagespflege oder familienunterstützende Dienste, weg.

Pflegende Angehörige müssen daher besser geschützt und unterstützt werden. Das gilt jetzt in der Corona-Krise. Aber auch langfristig und grundsätzlich verdienen sie mehr Wertschätzung, Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen.

Kurzfristige Maßnahmen in der Corona-Pandemie

Die Bundesregierung sieht im „Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vereinzelte Maßnahmen vor, um pflegende Angehörige zu entlasten. Dazu gehören eine flexiblere Handhabung des Entlastungsbetrages aus der Pflegeversicherung oder dass bei einem durch das Coronavirus verursachten Versorgungsengpass Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz für bis zu 10 Tage gewährt werden kann. Das sind begrüßenswerte Maßnahmen, aber sie sind nicht ausreichend.

Es ist absolut grundlegend, dass pflegende Angehörige ausreichend mit Schutzausrüstung wie Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ausgestattet werden. Zudem brauchen sie dringend Zugang zu regelmäßigen Test auf Covid-19-Infektionen.

Ebenso wie für Eltern von Kindern muss auch für pflegende Angehörige eine Lohnersatzleistung vorgesehen werden, wenn durch die Corona-Krise Betreuungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen. Bei Versorgungsengpässen brauchen Pflegepersonen Ansprechpartner und Hilfe. Deswegen schlagen wir eine kommunal betriebene Notfall-Hotline und ein zentrales, digitales Register mit Notbetreuungseinrichtungen vor. Weitere Forderungen zu kurzfristigen Maßnahmen formulieren wir in unserem Antrag, den wir zeitgleich zum Zweiten Bevölkerungsschutzgesetz in den Bundestag eingebracht haben.

Pflegende Angehörige grundsätzlich unterstützen und entlasten

Häusliche Pflege ist immer systemrelevant – die Wahrnehmung dafür kommt nicht nur in der Corona-Krise zu kurz. Pflegende Angehörige verdienen grundsätzlich mehr Anerkennung, Wertschätzung und bessere Rahmenbedingungen.

Deswegen fordern wir in unserem Antrag mit der PflegeZeit Plus eine dreimonatige Lohnersatzleistung, die wie das Elterngeld berechnet und aus Steuermitteln finanziert wird. Außerdem muss die Bundesregierung die Handlungsempfehlungen des Unabhängigen Beirats zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf prüfen und zeitnah konkrete Vorschläge zur Umsetzung vorlegen. Nicht zuletzt treten wir Grüne im Bundestag ein für ein Recht auf Homeoffice und Erleichterungen für mobiles Arbeiten, um die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu verbessern. Mehr zu unseren Forderungen finden Sie hier im Antrag.