Internationaler Tag der Pflege

Pflegenotstand spitzt sich zu

Unter dem Personalmangel in der Pflege leiden besonders die Pflegebedürftigen. Eine Weiterbildungsoffensive ist ein zentrales Element im dringend notwendigen Maßnahmenbündel für mehr Fachkräfte. picture alliance
12.05.2019
Laut Arbeitsagentur waren im April 2019
AltenpflegeArbeitslos gemeldetArbeitssuchend gemeldet  gemeldete Stellen
Hilfskräfte27.19454.8458.229
Fachkräfte 2.9486.15614.933
Krankenpflege (inkl. Rettungsassistenten und Hebammen)
Hilfskräfte4.91810.1231.514
Fachkräfte 4.76610.38812.279

Der Personalmangel in der Pflege spitzt sich weiter zu, wie die Zahlen zu unserer parlamentarische Anfrage gezeigt haben. Konnten im Jahr 2017 laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt für etwa 35.000 Stellen keine Pflegekräfte gefunden werden, waren es im Jahr 2018 schon über 37.000.

Damit hat sich die Situation um knapp 1.500 unbesetzte Stellen verschärft. Und das betrifft nur die Stellen, die der Agentur für Arbeit gemeldet wurden. Tatsächlich können es weit mehr sein. Auch die Lücke zwischen offenen Stellen und der Zahl der arbeitslosen Pflegefachkräfte hat sich noch einmal vergrößert. Kamen im Jahr 2017 auf 100 offene Stellen durchschnittlich noch 21 arbeitslos gemeldete Altenpflegefachkräfte, waren es letztes Jahr nur noch 19. In der Krankenpflege sehen wir den gleichen Trend. Dort sank die Zahl von 44 auf 38.

Fachkräftemangel in der Pflege entgegensteuern

Die Zahlen zeigen: entschlossenes Handeln seitens der Politik ist dringender gefordert als je zuvor. Bundesgesundheitsminister Spahn hat mit seiner "Konzertierten Aktion Pflege" vor über einem Jahr zwar für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt, konkrete Antworten darauf, wo die benötigten Pflegekräfte herkommen sollen, lassen jedoch weiter auf sich warten. Von Verbesserungen im Alltag der Pflegekräfte mal ganz zu schweigen.

Dringend notwendig ist es, vorhandene Fachkräfte durch ein Wiedereinstiegsprogramm zu mobilisieren. Darüber hinaus fordern wir weiterhin eine sofortige Weiterbildungsoffensive, um alle geeigneten Pflegehilfskräfte zu Fachkräften zu qualifizieren. Damit können in Zukunft tausende von Pflegekraftstellen besetzt werden. Dafür muss die Bundesregierung dringend Geld in die Hand nehmen; ansonsten bleiben alle Ankündigungen nur leere Versprechen.

Es gehört für uns ganz oben auf die politische Agenda, die Situation in der Pflege für Pflegebedürftige wie Pflegekräfte unverzüglich und spürbar zu verbessern. Denn Pflegekräfte verdienen mehr - mehr Anerkennung, bessere Arbeitsbedingungen und Entwicklungsperspektiven sowie eine angemessene Bezahlung für ihre Tätigkeit.

Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern

Eine bessere Pflege lässt sich nicht herbei reden, Minister Spahn muss jetzt seinen Job machen, damit die Pflegekrise nicht zu einer Pflegekatastrophe wird.

Wir Grünen im Bundestag wollen 50.000 zusätzliche Stellen in der Kranken- und Langzeitpflege schaffen und haben in unseren Anträgen für ein Sofortprogramm Pflege gezeigt, woher das Geld dafür kommen kann. Wir sind bereit, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Qualität in der Pflege zu finanzieren. Die 13.000 Stellen, die Minister Spahn für die Langzeitpflege vorsieht, reichen bei weitem nicht aus.

Um die Stellen besetzen zu können, müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege entschieden verbessert werden. Denn Pflege ist ein schöner Beruf. Wir wollen erreichen, dass Menschen ihn gerne und möglichst lange ausüben können. Die Personalausstattung muss sich am Pflegebedarf der Menschen orientieren und in verbindlichen Schlüsseln festgelegt werden. Bezahlung unter Tarif darf es nicht mehr geben. Wir fordern die Tarifpartner und das Bundesarbeitsministerium auf, bis Ende 2019 eine entsprechende Vereinbarung zu treffen.

Pflege-Bürgerversicherung einführen

Außerdem können flexiblere Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, bessere Aufstiegsmöglichkeiten und neue, verantwortungsvolle Tätigkeitsfelder insbesondere die Arbeit in der Altenpflege langfristig attraktiver machen. Wir wollen mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten über die eigenen Arbeitszeiten ermöglichen, Weiterbildung gezielt fördern und den Pflegeberufen mehr Verantwortung übertragen, zum Beispiel durch eigenverantwortliche Betreuung der Menschen vor Ort ("Quartiersgesundheitspflege"). Um Verbesserungen in der Altenpflege nachhaltig zu finanzieren, fordern wir eine Pflege-Bürgerversicherung, die die finanziellen Lasten gerecht auf alle Bürger verteilt.

Pflegehilfskräfte zu Fachkräften qualifizieren

Ein wichtiges Element um die Fachkräftelücke zu schließen ist eine Weiterbildungs-Offensive für Pflegehilfskräfte. Hier schlummert ein riesiges Potenzial:

PflegehelferInnen, mit einer ein- bis zweijährigen staatlich anerkannten Ausbildung und Pflegehilfskräften, mit sehr kurzen nicht anerkannten Lehrgängen sollten ermutigt und unterstützt werden, sich weiter zu qualifizieren. Statt diese allein auf die, für sie in der Regel von drei auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung der Fachkräfte zu verweisen, gilt es auch neue Wege der Weiterqualifizierung zu finden. Diese dürfen nichts kosten, was in der Pflege leider noch nicht in allen Bundesländern Praxis ist. Das Bundesgesundheitsministerium sollte hierfür Geld in die Hand nehmen und Modelle entwickeln, die auch parallel zu einer Berufstätigkeit die Qualifizierung zur Fachkraft möglich machen.