Barrierefreier Tourismus

Reisen für alle Menschen möglich machen

Zu sehen ist der Großsegler "Wappen von Ueckermünde", der in Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) im Hafen liegt. Eine Rollstuhlfahrerin fährt über eine Rampe von Bord. Das behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Segelschiff kann 12 Menschen mit an Bord nehmen, darunter bis zu vier Rollstuhlfahrer.
Urlaub in Deutschland ist für Menschen mit Beeinträchtigungen kaum möglich. Der Grund: Die meisten touristischen Angebote sind nicht barrierefrei. Das wollen wir ändern und Barrierefreiheit im Tourismus zum Standard machen. Foto: Der Großsegler "Wappen von Ueckermünde" (Mecklenburg-Vorpommern) liegt im Hafen von Ueckermünde. Das behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Segelschiff kann 12 Menschen mit an Bord nehmen, darunter bis zu vier Rollstuhlfahrer Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
28.02.2020
  • Mehr als 12,7 Millionen Menschen können in Deutschland aufgrund von körperlichen, psychischen oder intellektuellen Beeinträchtigungen nicht oder nur mit Schwierigkeiten verreisen.
  • Nur ein Bruchteil der touristischen Unternehmen und Angebote sind bisher barrierefrei und bieten beispielsweise Aufzüge, behindertengerechte Toiletten oder Blindenleitsysteme.
  • Mit einem Maßnahmenpaket wollen wir die Barrierefreiheit im Tourismus zum Standard machen und Reisen für alle Menschen ermöglichen.

Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen sowie Familien mit kleinen Kindern stehen beim Reisen in Deutschland häufig vor unüberwindbaren Barrieren. Denn: Aufzüge, Rampen, behindertengerechte Toiletten und Wickeltische gehören weder an Bahnhöfen und in Zügen, noch in Hotels, der Gastronomie, an kulturellen Orten, Freizeitstätten oder touristischen Ausflugszielen zur Standardausstattung.

Dabei hat Reisen so viele positive Effekte: Es bereitet Spaß, kann für Erholung sorgen und die Toleranz fördern. Damit Menschen mit Beeinträchtigungen nicht weiter ausgeschlossen werden und Reisen für alle Menschen möglich wird, wollen wir mit einem Maßnahmenpaket die Barrierefreiheit im Tourismus sicherstellen – von der Reisebuchung über die Anfahrt und Unterkunft bis hin zu den Aktivitäten und der Mobilität vor Ort.

Unternehmen zu Barrierefreiheit verpflichten

Um allen Menschen Zugang zu touristischen Angeboten zu ermöglichen, wollen wir nicht nur die flächendeckende Barrierefreiheit auf Bahnhöfen und in Zügen beschleunigen. Wir wollen auch private Dienstleister, wie z.B. Hotels, Gaststätten oder Freizeitparks, dazu verpflichten, Barrierefreiheit schrittweise herzustellen. Denn barrierefreies Reisen ist eine Frage gesellschaftlicher Teilhabe. Zudem profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und Familien mit Kleinkindern. Auch für Unternehmen lohnen sich Investitionen, weil sie neue Zielgruppen erschließen können. Angesichts unserer alternden Gesellschaft wird die Nachfrage in Zukunft weiter steigen, so dass die Beseitigung von Barrieren enorme wirtschaftliche Potentiale birgt. Wir wollen die Unternehmen bei ihrem Weg zu mehr Barrierefreiheit unterstützen und die finanziellen Mittel der bestehenden Bundesförderprogramme bei Bedarf aufstocken.

Diskriminierungsschutz ausweiten

Um Barrierefreiheit im Tourismus zu gewährleisten, muss der Diskriminierungsschutz ausgeweitet werden. Deswegen finden wir es wichtig, die Verweigerung als Tatbestand der Benachteiligung in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aufzunehmen. Damit bekommen die Betroffenen die Möglichkeit, einen barrierefreien Zugang notfalls einzuklagen.

Personal auf Bedürfnisse vorbereiten

Problematisch sind aber nicht nur die baulichen Barrieren vor Ort. Neben Treppen, Badezimmern ohne Haltegriffen oder zu schmalen Türen ist auch das Personal meistens nicht auf beeinträchtigte Menschen und deren Bedürfnisse vorbereitet. Das gilt umso mehr, wenn man den Menschen ihre Beeinträchtigung nicht ansieht. Um hier Abhilfe zu schaffen, wollen wir eine Kompetenzstelle Barrierefreiheit im Tourismusbereich schaffen, die einen ständigen Austausch mit Behindertenorganisationen pflegt und die touristischen Anbieter für den Umgang mit beeinträchtigten Menschen sensibilisieren und fortbilden soll.