Energiewende Die Energieforschung in den Zeiten des Atomausstiegs

Windrad am Deich

Der 30. Juni 2011 war eine Zäsur: Mit der fraktionsübergreifend beschlossenen Abkehr von der Risikotechnologie Atomkraft wurde der Weg frei gemacht für die Energiewende, die im Zeichen von Erneuerbaren Energien, Energieeinsparung und Effizienz steht. Wir stehen nun vor der historischen Chance und enormen Herausforderung als eine der ersten großen Industrienationen den Wandel zu einer postnuklearen und CO2-neutralen Energiewirtschaft zu meistern.

Wichtiges Mittel um dieses Ziel zu erreichen ist eine starke und fokussierte Energieforschung. Denn der Erfolg der Energiewende lebt von Innovationen. Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstitute, wie auch innovative Unternehmen, haben dies bereits erkannt und sowohl durch Grundlagen- als auch durch anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung die Möglichkeit der Energiewende überhaupt erst eröffnet. Doch während viele Akteure schon heute weit nach vorne blicken, setzt die Bundesregierung noch auf die Vergangenheit: Im schwarzgelben Energieforschungsprogramm (2011 bis 2014) sind immer noch mehr als 500 Millionen Euro für die atomare Fusionsforschung vorgesehen.

Auch auf europäischer Ebene fließen Gelder aus Deutschland in das EURATOM-Programm, in den Bau des Kernfusions-Versuchsreaktors ITER sowie in die Erforschung von Partitionierung, Transmutation und Reaktoren der IV. Generation. Die Erforschung dieser Techniken verschlingt nicht nur Unmengen an finanziellen Mitteln bei bescheidenen Erfolgsaussichten, sie führt auch am Prinzip der Nachhaltigkeit komplett vorbei. Sie bedeutet einen Rückschritt ins atomare Zeitalter.

Das grüne Positionspapier Energieforschung analysiert die Probleme der aktuellen Energieforschungspolitik und zeigt auf, was es dringend zu verändern gilt: Die fraktionsübergreifend beschlossene Abkehr von der Risikotechnologie Atomkraft erfordert auch den Atomausstieg in der Energieforschung. Die damit frei werdenden Ressourcen müssen in die notwendige Forschung für das Gelingen der Energiewende umgeleitet werden.

Für einen vollständigen Umbau des Energiesystems braucht es aber auch neue Schwerpunkte. Dazu gehören die Stärkung einer problemorientierten Forschung unter Einbezug unterschiedlicher betroffener Akteure, interdisziplinäre Kompetenzzentren und qualifizierte Fachkräfte, die in der Lage sind den komplexen Erfordernissen der Energiewende gerecht zu werden, Akzeptanz- und Partizipationsforschung. Darüber hinaus sind aber auch weitergehende Ansätze nötig; so zum Beispiel systematisch-vergleichende Forschung zur Regulierung von Energiemärkten, die Stärkung der Energiekompetenz der Bürgerinnen und Bürger, Forschung zum Ausbau der Stromnetze und ihr Umbau zu einem intelligenten Netz – einem Smart Grid – sowie die Erforschung intelligenter Speichersysteme.

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1 Kommentar
Wide Area Monitoring
Robert 11.11.2012

Zum Thema Stabilität der Stromnetze empfehle ich nach "Wide Area Monitoring" zu googeln. Ich habe kleinere universitäre Forschungen auf diesem Gebiet gesehen und von der Industrie gibt es auch schon Produkte, aber hier müsste die Forschung stärker forciert werden.

Man hört immer, dass die Unternehmen so und so oft eingreifen mussten, weil das Netz drohte instabil zu werden. Ich denke, das ist die neue Normalität. Neben messen und reagieren, muss man auch durch Simulationen die Maßnahmen ermitteln, um die Stabilität der Stromnetze tatsächlich zu verbessern. Eine starke Windböe sollte nicht zum Abschalten der Anlagen führen, sondern sollte genutzt werden.

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