Mikroplastik

Eine Strategie gegen Mikroplastik - jetzt!

Eine Frau zeigt am 27.06.2016 vor dem Ozeaneum Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) aus der Infoausstellung zu Plastikmüll in den Meeren einen Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik (blaue Perlen) enthält.
Ein Teelöffel mit einer Kosmetik, die Mikroplastik (blaue Perlen) enthält. 330 000 Tonnen davon - primäres Mikroplastik - gelangen in Deutschland jedes Jahr in die Umwelt. Damit die Schäden durch Kunststoffe in unserer Umwelt und damit an unserer Gesundheit nicht weiter zunehmen, braucht es jetzt dringend eine Strategie gegen Mirkroplastik. dpa
06.09.2018
Autorenpapier "Grüner Aktionsplan gegen Plastikmüll" von Dr. Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltpolitik, Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender, Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik.

Über vier Kilogramm Mikroplastik pro Kopf gelangen in Deutschland jedes Jahr in die Umwelt. Das sind insgesamt mehr als 330 000 Tonnen pro Jahr. Diese erschreckenden Zahlen veröffentlichte das Fraunhofer Institut in seiner aktuellen Studie zu Mikroplastik. Hauptquellen sind dabei der Abrieb von Autoreifen, der fast ein Viertel der Mikroplastikverschmutzung ausmacht. Auch die Freisetzung von Mikroplastik bei der Abfallentsorgung, der Abrieb von Kunststoffverpackungen oder der Faserabrieb bei Kleidung sind Gründe dafür, dass sich Jahr für Jahr mehr Mikroplastik in unserer Umwelt ansammelt. Besonders ärgerlich ist dabei der Eintrag über den gezielten Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika, da dieser unnötig und somit einfach zu vermeiden ist.

Gefahr für Umwelt und Gesundheit

Die zunehmende Verschmutzung von Wasser, Böden und Luft mit Mikroplastik ist nicht nur eine Gefahr für unsere Umwelt und die Tiere, sondern auch für unsere Gesundheit. Über Fische, Meeresfrüchte, Salz, Plastikflaschen oder Bier nehmen wir Mikroplastik mit der Nahrung auf. Auch unsere Raumluft ist voll von winzigen Plastikpartikeln. Die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Plastik-Additiven wie Phthalaten und Bisphenol A sind bereits nachgewiesen und können unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hormonelle Veränderungen verursachen. Und auch Mikroplastik an sich steht im Verdacht die Gesundheit zu schädigen. Darüber hinaus trägt die Verschmutzung der Erde mit Plastik auch zur Klimakrise bei, denn der Zerfall von Mikroplastik setzt hochwirksame Treibhausgase wie Methan frei.

Drastische Reduktion von Mikroplastik notwendig

Laut Fraunhofer Institut wird uns das Mikroplastikproblem noch viele Jahre beschäftigen: Die Hälfte der in der Umwelt befindlichen Plastikemissionen werden innerhalb von 100 Jahren abgebaut und die andere Hälfte innerhalb von 1000 Jahren. Dreiviertel des Plastiks, das in die Umwelt gelangt, ist Mikroplastik. Dem, was für jeden offensichtlich ist, steht also eine etwa dreifach größere Menge gegenüber, die nur unter dem Mikroskop sichtbar wird. Aufgrund der insgesamt dramatischen Situation kommt die Studie zum Schluss, dass der Eintrag von Plastik in unsere Umwelt auf 200 Gramm pro Kopf und Jahr reduziert werden muss, damit die Schäden durch Kunststoffe in unserer Umwelt und damit an unserer Gesundheit nicht weiter zunehmen. Für Mikroplastik bedeutet dies, dass der Eintrag von derzeit vier Kilogramm pro Kopf und Jahr auf weniger als 150 Gramm reduziert werden muss. Die Bundesregierung lässt bisher keinen ernsthaften Willen erkennen, dieses Problem anzupacken.

Mikroplastikverschmutzung endlich anpacken

Wir brauchen dringend eine Mikroplastikstrategie. Im Sinne des Vorsorgeprinzips müssen wir jetzt handeln und den Eintrag von Mikroplastik in unsere Umwelt stoppen. Wir fordern, dass die Bundesregierung endlich dem Beispiel Schwedens folgt, und im ersten Schritt Mikroplastik in Kosmetika und Körperpflegeprodukten verbietet. Wir wollen auch die gängige Praxis beenden, dass abgelaufene Lebensmittel mit ihren Verpackungen geschreddert und dann aus Biogasanlagen oder Faultürmen von Kläranlagen auf den Böden und in Gewässern landen. Zudem braucht es mehr Aufklärung und bessere Bioabfallsammlungen, bessere Verfahren zur Plastikbeseitigung in Kompostanlagen und strengere Grenzwerte in der Düngemittelverordnung. So ist es nicht weiter möglich, dass jährlich Plastikpartikel im Umfang von rund 122 Millionen Plastiktüten und 24 Millionen Kunststoffgießkannen ganz legal über den Kompost in Gärten und auf Äckern verteilt werden dürfen, die dann zu Mikroplastik werden. Weil sich auch in den Klärschlämmen große Mengen an Plastik befinden, wollen wir die Ausbringung von Klärschlamm komplett beenden.

Wir unterstützen daher ausdrücklich eine EU-weite Beschränkung der Verwendung von absichtlich hinzugesetztem Mikroplastik, wie von der EU-Kommission angestrebt. Darüber hinaus wollen wir unabhängige Forschung fördern, um die Auswirkungen von Mikroplastik auf Umwelt und menschliche Gesundheit besser bewerten zu können.