Plastikmüll

Mehrwegsystem wieder stärken

Zusammengepresste Plastikflaschen
Ausweg aus dem Einweg: Wir wollen den Anteil von Einwegverpackungen reduzieren und dafür Anreize schaffen. pxhere.com CC0
21.09.2018

Der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen ist auf einem Tiefststand. Umweltschädliche Einwegflaschen boomen und verdrängen die ökologischeren Mehrwegflaschen vom Markt. Das ist schlecht für die Umwelt und es schadet dem deutschen Mittelstand, etwa kleinen Privatbrauereien und dem Getränkehandel, die das Mehrwegsystem tragen. Die Branche rechnet damit, dass die Zunahme von Einwegverpackungen bundesweit bis zu 150.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Desaströse Bilanz der Bundesregierung

Immer weniger Getränke werden in Mehrwegflaschen abgefüllt. Nach der Antwort auf unsere Kleine Anfrage vom 12.September 2018 waren es in 2016 nicht einmal 44 Prozent. Das im Verpackungsgesetz vorgegebene Ziel von 70 Prozent wurde damit deutlich verfehlt. 2016 lag der Einweganteil bei Getränkeverpackungen in Deutschland bei 66,11 Prozent, 2004 waren es noch 46,9 Prozent. Der Einweganteil ist also seit 2004 um 20 Prozentpunkte gestiegen. Bei unbepfandeten Getränkeverpackungen, etwa für Saft oder Milch, lag der Einweganteil 2016 sogar bei 95,6 Prozent. 2015 kamen in Deutschland rund 17,4 Mrd. Einweg-PET-Flaschen mit einem Gesamtgewicht von 454.900 Tonnen auf den Markt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt demnach bei 212 Einweg-PET-Flaschen. Nebeneinander gestellt, würden die Flaschen eine Schlange ergeben, die fast 35 Mal um die Erde herum reicht (Annahme: Flaschenbreite = 8 cm).

Mehrwegoffensive längst überfällig

Wir haben in Deutschland ein einmaliges und gut ausgebautes Mehrwegsystem. Dieses wollen wir stärken. Viele umweltschädliche Einwegverpackungen lassen sich einfach durch umweltfreundliche Mehrweglösungen ersetzen. Dazu kommt: Die meisten Einwegflaschen sind aus Plastik, das Chemikalien und Mikroplastikpartikel freisetzen kann. Glas-Mehrwegflaschen bieten dagegen einen besseren Schutz für Getränke und setzen keine Giftstoffe frei. Bis 2025 wollen wir eine verbindliche Mehrwegquote von mindestens 80 Prozent erreichen. Dafür muss die Bundesregierung das Pfandchaos beenden, das die VerbraucherInnen seit Jahren an den Rücknahmeautomaten der Supermärkte nervt. Wir wollen die Pfandsysteme so vereinheitlichen, dass jeder Laden ab einer bestimmten Größe auch alle Flaschen zurücknimmt. Dazu gehört, das Pfandsystem auf alle Einweg-PET-Flaschen auszuweiten und die Verwirrung durch die vielen Ausnahmen zu beenden. Mit Klarheit für die VerbraucherInnen erreichen wir auch bessere Sammel- und Verwertungsquoten für Einwegflaschen.

Anreize für bessere Quoten schaffen

Wir wollen ein Bundesprogramm auflegen, das nationale und regionale Mehrweg-Projekte fördert. Dazu schlagen wir eine Lenkungsabgabe auf Einweggetränkeverpackungen vor, die dem Handel weitere Anreize bietet, Mehrwegverpackungen zu verkaufen. Wir brauchen zudem eine deutlich bessere Kennzeichnung von Getränkeverpackungen. Beim Einkauf muss jeder sofort auf dem Etikett erkennen können, ob es sich um eine Mehrweg- oder Einwegverpackung handelt. Denn heute ist kaum ersichtlich, dass viele Pfandflaschen unökologische Einwegflaschen sind.

Mehr dazu auch im Autorenpapier "Grüner Aktionsplan gegen Plastikmüll"