Digitaler Verbraucherschutz Abhören im Spielzimmer

Puppe
Die Bundesnetzagentur ruft Eltern dazu auf, die Spielzeugpuppe Cayla (Symbolbild) zu zerstören. Auch wir sind der Meinung: Abhören im Kinderzimmer, das geht gar nicht!

Die Schlagzeilen klingen zunächst spektakulär, der Hintergrund ist jedoch ernst: Die Bundesnetzagentur ruft Eltern dazu auf, die Spielzeugpuppe Cayla zu zerstören. Mit ihrem Verbot der Puppe hat die Bundesnetzagentur klar gemacht: Abhören im Kinderzimmer, das geht gar nicht. Damit ist die Debatte um die Abhörpuppe endlich beendet. Denn die Puppe stand schon lange in der Kritik von Daten- und Verbraucherschützern. Beispielsweise hatte die europäische Verbraucherorganisation BEUC durch eine Untersuchung gezeigt, dass es wegen Sicherheitslücken auch für Fremde möglich sei, sich über die Puppe mit den Kindern zu unterhalten. Außerdem könnte ein Unternehmen Kinder oder Eltern über die Puppe mit Werbung ansprechen.

Grüne Anfrage

In einer Kleinen Anfrage hatten wir die Bundesregierung schon im März 2016 zur Problematik „Abhörpuppen – Datenschutz im Kinderzimmer“ befragt. Nun liegt die Antwort der Bundesregierung vor. Sie sieht bei der Puppe Cayla keinen Handlungsbedarf. Aus Sicht der Bundesregierung reicht die Einverständniserklärung, mit der die Eltern der Datenweitergabe und –verarbeitung zustimmen.

Unbemerktes Abhören auch in anderen Fällen

Die Abhörpuppe Cayla ist allerdings nur ein besonders deutliches Beispiel dafür, dass mit immer mehr „intelligenten“ und vernetzten Geräten auch die Möglichkeiten des unbemerkten Abhörens zunehmen. Das Internet der Dinge erhält immer mehr Einzug in unsere Leben. Die Bundesnetzagentur warnt auch vor Mini-Kameras - etwa in Rauchmeldern, Weckern oder Kugelschreibern - , mit denen heimlich Filmaufnahmen gemacht werden können und die ebenso wenig erlaubt sind wie Cayla. Hier gilt es, das geltende Recht konsequent durchzusetzen.

VerbraucherInnen eindeutig und umfangreich aufklären

Nicht verboten sind jedoch Geräte, die mit Zustimmung der Verbraucher über ihre Sprachsteuerungsfunktion Gespräche mithören. Dazu gehören zum Beispiel sogenannte Smart-TVs. Daher müssen im Internet der Dinge höchste Verbraucher- und Datenschutzstandards gelten. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen eindeutig und umfangreich über datenschutzrelevante Funktionen von „smarten“ Geräten aufgeklärt werden. Voreingestellter Datenschutz durch Technik (privacy by design, privacy by default) und höchste IT-Sicherheitsstandards sind unsere Leitlinie, um Verbraucherinnen und Verbraucher vor systematischer kommerzieller Ausforschung und kriminellem Missbrauch durch vernetzte Alltagsgeräte zu schützen.

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