Stromverbrauch Manipulationen auch bei Elektrogeräten?

Energieeffizienzklassen an einem Kühlschrank

Was ist Wunsch und was Wirklichkeit? Die Bundesregierung musste auf unsere Frage zugeben, dass sie genau wie beim Abgas-Skandal rund um VW auch bei Elektrogeräten keine Ahnung hat. Wer kann sicher sagen, dass die Hersteller von Kühlschränken, Computern und Fernsehern die auf dem EU-Energieverbrauchsetikett angegeben Stromverbräuche einhalten? Die Regierung verweist lediglich auf das Wort der Hersteller und Stichproben in einigen Bundesländern. Ob eine Mikrowelle mit dem Label „A++“ wirklich diese Effizienz hat oder die Kundinnen und Kunden auch hier hinters Licht geführt werden, kann also niemand sagen.

Damit Haushalte, die Energie sparen wollen, auch wirklich etwas sparen, brauchen wir auch hier mehr Kontrolle der Wirtschaft. Wir schlagen vor, dass ehrgeizige Mindeststandards nicht nur festgelegt, sondern auch im Drei-Jahres-Rhythmus aktualisiert werden müssen. Der sogenannte „Top-Runner-Ansatz“ soll zum Einsatz kommen, so dass die effizientesten Geräte schnell der Standard für alle werden. Außerdem brauchen wir eine Verbrauchskennzeichnung, damit hinter dem „A“ nicht immer mehr Plus-Zeichen stehen, sondern „A“ auch für das effizienteste Produkt seiner Klasse steht. Dafür muss die Klassifizierung ebenfalls alle drei Jahre angepasst werden und sollte auf alle Elektrogeräte ausgedehnt werden. Und: Es muss von unabhängiger Seite überprüft und staatlich garantiert werden, dass diese Werte auch in der Praxis eingehalten werden.

Immerhin: Auf unseren Druck hin hat die Bundesregierung angekündigt, ab 2016 „eigene Labortests in Auftrag“ zu geben. Ein Anfang immerhin, aber noch lange nicht genug für echte Verbraucherfreundlichkeit und effektiven Klimaschutz.

Interview mit Renate Künast auf tagesschau.de

Mehr zum Thema Verbraucherschutz

Für diesen Artikel werden keine Kommentare mehr angenommen.

4397289