Untersuchungsausschuss Wirecard

Wirtschaftsprüfer-Chef taumelt durch den Skandal

Sitz der wirecard AG in Aschheim Dornach am 20.10.2020. wirecard Logo, Firmenemblem,Schriftzug ,Gebaeude, Fassade,Sitz in Aschheim Dornach WIRECARD AG, Herbststimmung im Oktober.
Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht (APAS) zockte selbst mit Wirecardaktien. Nicht zuständig, nichts gesehen, nichts gehört, so die Bilanz seiner Befragung im Wirecard Untersuchungsausschuss. Die APAS bringt damit das nächste Beispiel für Behördenversagen um Wirecard. picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
11.12.2020
  • Wir wollen den größten Wirtschaftsskandal Deutschlands aufklären, Missstände beseitigen und so das Vertrauen in Wirtschaftsprüfer und Unternehmen in Deutschland stärken. 
  • Anleger*innen bei Wirecard haben seit März 2020 17 Milliarden Euro verloren. Die Wirtschaftsprüfer, Finanzaufsicht und die Aufsicht der Wirtschaftsprüfer erklären allesamt, man habe selbst nichts tun können und zeigen mit dem Finger auf den Bösewicht Jan Marsalek.
  • Wir müssen aufklären und herausfinden, wie der Skandal passieren konnte, um die Fehler abzustellen, die den Skandal möglich gemacht haben. Dazu müssen wir alle befragen, die beteiligt waren.

Die Wirtschaftsprüferaufsicht (APAS) hat geschlafen. So hat sie über Jahre nichts von den Presseartikeln zu Wirecard mitbekommen und daher auch nichts unternommen, um die Wirtschaftsprüfer des Unternehmens Wirecard besonders unter die Lupe zu nehmen.

Zu allem Überfluss hat sogar noch der Behördenleiter genau zu dem Zeitpunkt Wirecard-Aktien gekauft, als der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im April veröffentlich wurde und zeigte, dass knapp zwei Milliarden Euro nicht gefunden werden konnten. In diesem speziellen Fall hat der Behördenleiter zwar kein Geld verdient, sondern Geld verloren. Damit zeigt er jedoch nicht nur, dass seine Behörde über keine angemessenen Regeln für Mitarbeitergeschäfte verfügt, sondern auch, dass er die Tragweite des KPMG-Berichts nicht begriff.

So wird immer mehr klar, dass zu viele hoch bezahlte Beamte und Wirtschaftsprüfer nicht mit der notwendigen Sorgfalt arbeiteten, nicht genau prüften und einfach hofften, dass alles irgendwie gut wird, ohne dass sie selbst tätig werden müssen.

Der Untersuchungsausschuss zeigt bereits heute: Wir müssen die deutschen Wirtschaftsbehörden modernisieren. Es ist längt Usus, dass Beamte keine Aktien kaufen dürfen, wenn sie dabei in einen Interessenskonflikt geraten, wie er bei einem Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht ganz offensichtlich auftreten könnte. Daneben muss zukünftig klar werden, wer wofür zuständig ist, damit die kollektive Verantwortungslosigkeit in der deutschen Finanzaufsicht ein Ende findet.

Was macht eine Wirtschaftsprüferaufsicht?

Wirtschaftsprüfer (WP), Aufsichtsrat (AR) und die Finanzaufsicht BaFin sind für die Durchsetzung von Gesetzen zuständig (siehe Grafik). Diese drei Gruppen sollen dafür sorgen, dass Unternehmen so über ihre Vermögens- und Ertragslage berichten, wie es in den Gesetzen vorgesehen ist, damit Außenstehende sich ein Bild darüber machen können. Die APAS wiederum prüft die Wirtschaftsprüfer und soll feststellen, ob diese so arbeiten, wie man es von ihnen erwartet. Klingt kompliziert und ist es auch: Alle Gruppen haben bislang erklärt, dass sie ja nun wirklich keine Schuld tragen. Bei der APAS war das nicht anders. So zeigt der Untersuchungsausschuss auch heute: Deutschland braucht dringend eine Modernisierung und Reform seiner Finanzaufsicht, bei der weniger Akteure klare Verantwortlichkeiten erhalten. Und natürlich muss es auch personelle Konsequenzen bei den Verantwortlichen geben.

Infografik Wirtschaftsprüfung
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