Starkes Handwerk

Perspektiven und faire Bedingungen schaffen

Ein junger Mann arbeitet in einer Tischlerei mit einem Hobel an einem Stück Holz.
Wir setzen auf attraktive Rahmenbedingungen, um das Handwerk zu stärken und nachhaltig attraktiv zu machen. dpa-Zentralbild
01.06.2020
  • Die schwarz-rote Koalition hat seit Januar 2020 die Meisterpflicht für zwölf vorher zulassungsfreie Handwerksberufe wieder eingeführt. Das löst die Probleme des Handwerks nicht.
  • Wir wollen ein starkes Handwerk, das jungen Menschen und Fachkräften Perspektiven bietet - auch im ländlichen Raum.
  • Wir machen den Handwerksberuf attraktiver für Fachkräfte und Auszubildende, schaffen mehr wirtschaftliche Chancen und unterstützen Handwerksbetriebe bei Digitalisierung und Klimaschutz.

Das Handwerk ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ein herausragender Partner. Es realisiert die Energiewende, etwa bei der Installation und Wartung von Solaranlagen oder bei der fachgerechten Wärmedämmung von Gebäuden.

Das Handwerk hat großes ökologisches Potential

Mit unserem Antrag „Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte“ wollen wir mehr wirtschaftliche Chancen bei der Energiewende schaffen, zum Beispiel durch einen Steuerbonus bei energetischen Sanierungen oder durch die Förderung des ökologischen Dachwohnungsausbaus. Besonders kleine und mittlere Unternehmen wollen wir bei den Strompreisen entlasten.

Außerdem wollen wir übermäßige Bürokratie abbauen, steuerliche Regelungen vereinfachen, Behördengänge reduzieren sowie die Gründung und Nachfolge besser fördern.

Fairen Wettbewerb sicherstellen

Die kleinen Betriebe im Handwerk sind dringend auf fairen Wettbewerb angewiesen – etwa bei öffentlichen Vergaben. Auffällig niedrigpreisige Angebote sollen deshalb überprüft werden, um Dumpingangebote zu verhindern. Die neue EU-Entsenderichtlinie muss so umgesetzt werden, dass regional- und branchenspezifische Tarifverträge nicht mehr unterlaufen werden können. So wird unfairem Wettbewerb ein Riegel vorgeschoben.

Digital auch auf dem Land

Mit einem Rechtsanspruch auf einen schnellen Breitband-Internetanschluss für kleine und mittlere Unternehmen wollen wir sicherstellen, dass das Handwerk auch im ländlichen Raum online ist. Dieser Internet-Universaldienst soll erschwinglich sein und sich dynamisch an der von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger bundesweit genutzten Bandbreite orientieren.

Gute Löhne und soziale Absicherung

Das Handwerk bietet im ländlichen Raum jungen Menschen eine Perspektive, aber rund zwei Drittel der im Handwerk ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern in andere Bereiche ab. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass die Verdienste im Handwerk relativ niedrig liegen.

Wir setzen auf eine stärkere Tarifbindung im Handwerk und branchenspezifische Mindestvergütungen. Für eine bessere soziale Absicherung wollen wir zum Beispiel die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige wieder erschwinglicher und zugänglicher machen.

Gute Aus- und Weiterbildung bis zum Meisterbrief

Die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse und der bestandenen Meisterprüfungen nimmt seit Jahren ab. Zielgenaue und vielfältige Maßnahmen können dabei helfen, die Attraktivität des Handwerks für Auszubildende und Fachkräfte spürbar zu steigern.

Aufstiegsfortbildungen, also die Weiterbildungen zum Meister, zur Betriebs- oder Fachwirtin, wollen wir kostenfrei machen. Das stärkt auch den Meisterbrief.

Kleine und Kleinstbetriebe sollen bei Ausbildung und Gewinnung von Auszubildenden stärker beraten, unterstützt und begleitet werden. Eine praxisnahe Berufsorientierung soll flächendeckend für alle Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen ausgebaut werden, um frühzeitig, klischeefrei und gleichberechtigt über Berufs- und Studienmöglichkeiten zu informieren.

Perspektiven des Handwerks verbessern

Seit Januar 2020 gilt für neu gegründete Handwerksbetriebe in zwölf vorher zulassungsfreien Gewerken eine Meisterpflicht. Allerdings kann damit die gesunkene Ausbildungsneigung der Handwerksbetriebe und die Abwanderung von Fachkräften nicht rückgängig gemacht werden. Ob sie Verbraucherschutz und Ausbildungsqualität tatsächlich spürbar verbessern wird, ist offen. Negativ schlägt zu Buche, dass die neue Meisterpflicht den Weg in die Selbständigkeit erschwert und das Grundrecht auf Berufsfreiheit beeinträchtigt.

Viel wichtiger für die Zukunft des Handwerks ist es, seine wirtschaftlichen Chancen auszubauen, Regeln weniger bürokratisch auszugestalten, eine bessere soziale Absicherung zu gewährleisten und Aus- und Weiterbildung attraktiver zu machen.