Neue Meisterpflicht

An den Herausforderungen vorbei

Ein junger Mann arbeitet in einer Tischlerei mit einem Hobel an einem Stück Holz.
Die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht geht an den Herausforderungen vorbei. Denn: Das Handwerk boomt und hat gleichzeitig große Probleme Fachkräfte zu finden. Wir setzen dagegen auf attraktive Rahmenbedingungen, um Handwerk und Meisterbrief zu stärken. dpa-Zentralbild
25.10.2019
  • Wir wollen ein starkes Handwerk, das jungen Menschen und Fachkräften Perspektiven bietet – auch im ländlichen Raum.
  • Die schwarz-rote Koalition will die Meisterpflicht für zwölf Handwerksberufe wieder einführen. Das geht an den Problemen des Handwerks vorbei.
  • Wir fordern die Wiedereinführung der Meisterpflicht zurückzustellen, machen stattdessen Handwerksberufe attraktiver, schaffen wirtschaftliche Chancen und unterstützen Betriebe bei Digitalisierung und Klimaschutz.

Die Koalition hat am 25. Oktober ihren Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Bundestag eingebracht. Allerdings kann damit die gesunkene Ausbildungsneigung der Handwerksbetriebe und die Abwanderung von Fachkräften nicht rückgängig gemacht werden. Ob sie Verbraucherschutz und Ausbildungsqualität tatsächlich spürbar verbessern würde, ist völlig offen. Bei einer Wiedereinführung der Meisterpflicht muss berücksichtigt werden, dass sie den Weg in die Selbständigkeit deutlich erschweren und das Grundrecht auf Berufsfreiheit beeinträchtigen würde.

Viel wichtiger für die Zukunft des Handwerks ist es, seine wirtschaftlichen Chancen auszubauen, Regeln weniger bürokratisch auszugestalten, eine bessere soziale Absicherung zu gewährleisten und Aus- und Weiterbildung attraktiver zu machen.

Wir fordern deshalb in unserem Antrag, die Wiedereinführung der Meisterpflicht zurückzustellen und stattdessen einen umfassenderen Ansatz zu wählen.

Das Handwerk hat großes ökologisches Potential

Das Handwerk ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ein herausragender Partner. Es realisiert die Energiewende, etwa bei der Installation und Wartung von Solaranlagen oder bei der fachgerechten Wärmedämmung von Gebäuden.

Wir wollen mehr wirtschaftliche Chancen bei der Energiewende schaffen, zum Beispiel durch einen Steuerbonus bei energetischen Sanierungen oder durch die Förderung des ökologischen Dachwohnungsausbaus. Besonders kleine und mittlere Unternehmen wollen wir bei den Strompreisen entlasten.

Außerdem wollen wir Bürokratie abbauen, steuerliche Regelungen vereinfachen, Behördengänge reduzieren sowie Gründung und Nachfolge besser fördern.

Fairen Wettbewerb sicherstellen

Die kleinen Betriebe im Handwerk sind dringend auf fairen Wettbewerb angewiesen – etwa bei öffentlichen Vergaben. Auffällig niedrigpreisige Angebote sollen deshalb überprüft werden, um Dumpingangebote zu verhindern. Die neue Entsenderichtlinie muss so umgesetzt werden, dass regional- und branchenspezifische Tarifverträge nicht mehr unterlaufen werden können. So wird unfairem Wettbewerb ein Riegel vorgeschoben.

Gute Löhne und soziale Absicherung

Das Handwerk bietet im ländlichen Raum jungen Menschen eine Perspektive, aber rund zwei Drittel der im Handwerk ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern in andere Bereiche ab. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass die Verdienste im Handwerk relativ niedrig liegen.

Wir setzen auf eine stärkere Tarifbindung im Handwerk und branchenspezifische Mindestvergütungen. Für eine bessere soziale Absicherung wollen wir zum Beispiel die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige wieder erschwinglicher und zugänglicher machen.

Gute Aus- und Weiterbildung bis zum Meisterbrief

Die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse und der bestandenen Meisterprüfungen nimmt seit Jahren ab. Zielgenaue und vielfältige Maßnahmen können dabei helfen, die Attraktivität des Handwerks für Auszubildende und Fachkräfte spürbar zu steigern.

Die Weiterbildungen zum Meister, zur Betriebs- oder Fachwirtin, wollen wir kostenfrei machen. Das stärkt den Meisterbrief.

Kleine und Kleinstbetriebe sollen bei Ausbildung und Gewinnung von Auszubildenden stärker beraten, unterstützt und begleitet werden. Flächendeckend soll an allen Schulformen eine praxisnahe Berufsorientierung ausgebaut werden.

Digital auch auf dem Land

Ein Rechtsanspruch auf einen schnellen Breitband-Internetanschluss soll sicherstellen, dass das Handwerk auch im ländlichen Raum online ist. Dieser Internet-Universaldienst soll erschwinglich sein und sich dynamisch an der von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger bundesweit genutzten Bandbreite orientieren.