Starkes Handwerk

Perspektiven und faire Bedingungen schaffen

Ein junger Mann arbeitet in einer Tischlerei mit einem Hobel an einem Stück Holz.
Wir setzen auf attraktive Rahmenbedingungen, um das Handwerk zu stärken und nachhaltig attraktiv zu machen. dpa-Zentralbild
06.05.2021
  • Das Handwerk ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und in unserem Alltag überall präsent und unverzichtbar. Doch an Fachkräften und Nachwuchs mangelt es.
  • Die schwarz-rote Koalition hat 2020 die Meisterpflicht für zwölf vorher zulassungsfreie Handwerksberufe wieder eingeführt. Das allein löst die Probleme aber nicht. Und auch die aktuelle Überarbeitung der Handwerksordnung bringt wenig Fortschritt
  • Wir wollen den Handwerksberuf attraktiver für Fachkräfte und Auszubildende machen, mehr wirtschaftliche Chancen schaffen und Handwerksbetriebe bei Digitalisierung und Klimaschutz unterstützen.

Handwerksnovelle von 2021 bleibt im Klein-Klein

Die aktuelle 5. Novelle der Handwerksordnung enthält vor allem kleine Anpassungen und Korrekturen im Nachgang zur 4. Novelle von 2019. Die Bundesregierung verpasst damit die Chance, sich ernsthaft mit dem Handwerk zu beschäftigen. Der fehlende Nachwuchs ist schon seit Jahren in allen Organisationen des Handwerks spürbar, eine Reduzierung der Anzahl der Prüfer*innen bei den Meisterprüfungen, wie jetzt beschlossen, stellt keine langfristige Strategie dar.  Es ist an der Zeit, sich gemeinsam mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen und für die bessere Zukunftsfähigkeit des Handwerks  Strategien und Maßnahmen festzulegen.

Das Handwerk hat großes ökologisches Potential

Schon mit unserem Antrag „Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte“ haben wir gefordert, mehr wirtschaftliche Chancen bei der Energiewende zu schaffen, zum Beispiel durch einen Steuerbonus bei energetischen Sanierungen oder durch die Förderung des ökologischen Dachwohnungsausbaus. Besonders kleine und mittlere Unternehmen wollen wir bei den Strompreisen entlasten.

Außerdem wollen wir übermäßige Bürokratie abbauen, steuerliche Regelungen vereinfachen, Behördengänge reduzieren sowie die Gründung und Nachfolge besser fördern. All das ist weiterhin aktuell.

Fairen Wettbewerb sicherstellen

Die kleinen Betriebe im Handwerk sind auf fairen Wettbewerb, etwa bei öffentlichen Vergaben, dringend angewiesen. Wir wollen deshalb, dass auffällig niedrige Angebote überprüft werden, um Dumpingangebote zu verhindern. Die Umsetzung der Entsenderichtlinie muss nachgebessert werden, so dass regional- und branchenspezifische Tarifverträge nicht mehr unterlaufen werden können und unfairem Wettbewerb ein Riegel vorgeschoben wird.

Digital auch auf dem Land

Mit einem Rechtsanspruch auf einen schnellen Breitband-Internetanschluss für kleine und mittlere Unternehmen wollen wir sicherstellen, dass das Handwerk auch im ländlichen Raum online ist. Dieser Internet-Universaldienst soll erschwinglich sein und sich dynamisch an der von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger bundesweit genutzten Bandbreite orientieren.

Gute Löhne und soziale Absicherung

Das Handwerk bietet im ländlichen Raum jungen Menschen eine Perspektive. Trotzdem wandern rund zwei Drittel der im Handwerk ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in andere Bereiche ab. Ein entscheidender Faktor dabei ist, dass die Verdienste im Handwerk immer noch relativ niedrig liegen.

Wir setzen darauf, die Tarifbindung im Handwerk zu stärken und branchenspezifische Mindestvergütungen zu ermöglichen. Für eine bessere soziale Absicherung wollen wir zum Beispiel die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige wieder erschwinglicher und zugänglicher machen.

Gute Aus- und Weiterbildung bis zum Meisterbrief

Die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse und auch die Anzahl der bestandenen Meisterprüfungen nehmen seit Jahren ab. Es braucht deshalb zielgenaue und vielfältige Maßnahmen, um die Attraktivität des Handwerks für Auszubildende und Fachkräfte spürbar zu steigern.

Dafür haben wir verschiedene Vorschläge: Wir wollen die Aufstiegsfortbildungen, also die Weiterbildungen zum Meister, zur Betriebs- oder Fachwirtin, kostenfrei machen. Das stärkt auch den Meisterbrief. Außerdem sollen kleine und Kleinstbetriebebei der Ausbildung und der Gewinnung von Auszubildenden stärker beraten, unterstützt und begleitet werden. Eine praxisnahe Berufsorientierung soll flächendeckend für alle Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen ausgebaut werden, um frühzeitig, klischeefrei und gleichberechtigt über Berufs- und Studienmöglichkeiten zu informieren.

Perspektiven des Handwerks verbessern

Seit 2020 gilt für neu gegründete Handwerksbetriebe in zwölf vorher zulassungsfreien Gewerken eine Meisterpflicht. Allerdings kann damit die gesunkene Ausbildungsneigung der Handwerksbetriebe und die Abwanderung von Fachkräften nicht rückgängig gemacht werden. Ob sie Verbraucherschutz und Ausbildungsqualität tatsächlich spürbar verbessern wird, ist offen. Negativ schlägt zu Buche, dass die neue Meisterpflicht den Weg in die Selbständigkeit erschwert und das Grundrecht auf Berufsfreiheit beeinträchtigt.

Viel wichtiger für die Zukunft des Handwerks ist es, seine wirtschaftlichen Chancen auszubauen, Regeln weniger bürokratisch auszugestalten, eine bessere soziale Absicherung zu gewährleisten und Aus- und Weiterbildung attraktiver zu machen.

Bundestagsrede von Claudia Müller

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Claudia Müller, Bundestagsrede am 5.5.2021 zum Thema Handwerk