Fachgespräch

Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte

Handwerksmeister Steffen Rottluff (l) spricht mit seinem Azubi Ashraf Hussain über Lötstellen am 06.04.2016 in Chemnitz (Sachsen). Der Pakistani lebt seit eineinhalb Jahren in Chemnitz und lernt nun den Beruf des Anlagenmechanikers.
Wir wollen mehr Fachkräfte, bessere Bezahlung und mehr Ausbildung im Handwerk. dpa
15.05.2019

Die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae begrüßte die Anwesenden auf unserem Fachgespräch am 15. Mai 2019 und betonte wie wichtig Handwerkerinnen und Handwerker sind: Sie sind Partner bei der Realisierung der Energiewende, etwa bei der Installation und Wartung von Solaranlagen. Bei der Agrar- und Ernährungswende begleiten sie regional die Landwirte. Für all das braucht es gut qualifizierte Fachkräfte und attraktive Rahmenbedingungen.

Trend zu Kleinstbetrieben mit wenig Tarifbindung

Jan Dannenbring, Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt, Tarifpolitik und Arbeitsrecht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), stellte die neuen Herausforderungen im Handwerk dar. Besonders problematisch sei der Trend zu Kleinstbetrieben und der abnehmende Organisationsgrad. Helmut Dittke, Koordinator Handwerkspolitik und KMU bei der IG Metall, beklagte die abnehmende Tarifbindung im Handwerk. Laut einer Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erlebten zwar eine übergroße Mehrheit der Arbeitenden im Handwerk ihre Arbeit als sinnstiftend, jedoch erklärten davon nur zehn Prozent, dass sie gute Arbeitsbedingungen hätten. Mehr als die Hälfte sahen sich als nicht leistungsgerecht bezahlt an. Prof. Dr. Winfried Kluth, Leiter der Forschungsstelle Kammerrecht Uni Halle, stellte dazu konkrete Vorschläge vor, wie die Tarifbindung durch Änderungen der Handwerksordnung gestärkt werden könne.

Betriebsklima und Sinnstiftung wichtig

Anschließend gab Dr. Andreas Diettrich, Professor am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Gründungspädagogik Universität Rostock, einen Impulsvortrag mit Thesen was für eine starke Bildung im Handwerk notwendig sei. Er warnte davor, den Blick nur auf den Meisterbrief und mit dem Ziel des Unternehmertums zu verengen. Jugendlichen sei neben einer existenzsichernden Bezahlung vor allem ein gutes Betriebsklima, gute Führung sowie eine sinnstiftende Einbindung wichtig. Auch spiele zum Beispiel die Entfernung zur Berufsschule eine überragende Rolle.

Augenhöhe für Aus- und Weiterbildung im Handwerk verlangt

In der anschließenden kontroversen Diskussion gab es Einigkeit, dass es eine Überbetonung der akademischen Berufe gibt. Es wird eine echte gleichwertige Berufsinformation an allen Schulen benötigt, genauso wie eine flächendeckende, gute Bildungsinfrastruktur.