Elterngeld

Mehr Zeit für Familie mit der KinderZeit Plus

Eltern sollen Beruf und Familie leichter vereinbaren und sich die Verantwortung für Kinder ebenso wie die Erwerbsarbeit fair aufteilen können. Unser Vorschlag heißt: KinderZeit Plus. Sie gibt Eltern größere Entscheidungsspielräume, erleichtert Müttern einen schnellen Wiedereinstieg in den Job oder die Ausbildung und unterstützt eine vollzeitnahe Teilzeit beider Eltern nach dem ersten Lebensjahr eines Kindes. Corbis
27.01.2021
  • Ein familienfreundliches Land macht es leicht, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Doch in Deutschland tun sich Eltern oft schwer damit.
  • Mit einer echten Elterngeld-Reform könnten Familien in der Rushhour des Lebens entlastet werden. Zu mutigen Änderungen kann sich die Bundesregierung jedoch nicht durchringen.
  • Mehr Zeit, mehr Flexibilität, mehr Partnerschaftlichkeit: Mit der KinderZeit Plus entwickeln wir das Elterngeld so weiter, dass es wirklich zu den Bedürfnissen junger Eltern passt.

Wer Kinder beim Großwerden begleitet, braucht gezielte Unterstützung. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für ein familienfreundliches Land ein, damit Mütter und Väter im Job zeitweise kürzertreten können. In immer mehr Familien wollen und müssen beide Elternteile berufstätig sein. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Zeit für ihre Kinder. Dabei ist es vielen Eltern wichtig, Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlich untereinander aufzuteilen. Die derzeitige Zeit- und Familienpolitik wird diesen Bedürfnissen von jungen Eltern nur unzureichend gerecht. Die Elterngeldreform macht dies erneut deutlich. In unserem Entschließungsantrag zeigen wir auf, wie es besser geht.

Zeit für Kinder – Familie und Beruf gehen zusammen

Das Elterngeld ist in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes eine wichtige Unterstützung – doch am Ende vom Elterngeld bleibt noch viel Kindheit übrig. Dabei sind die Zeitbedarfe von Eltern nach dem ersten Geburtstag keineswegs verschwunden. Ein Großteil der Eltern von Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren (1,7 Millionen Familien) beklagt die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mehr als die Hälfte hat eigenen Angaben zufolge große oder sehr große Probleme, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Mehr Zeit, mehr Flexibilität, mehr Partnerschaftlichkeit – diese Ziele verfolgt die grüne KinderZeit Plus: Jeder Elternteil erhält acht Monate Unterstützung – weitere acht Monate können flexibel untereinander aufgeteilt werden. Alleinerziehenden stehen die 24 Monate selbstverständlich auch zur Verfügung.

Der finanzielle Schonraum, den das Elterngeld heute schon bietet, bleibt erhalten: In den ersten 14 Lebensmonaten eines Kindes sollen Eltern vollständig aus dem Beruf aussteigen können – Eltern von Frühgeborenen bekommen einen zusätzlichen Anspruch. Danach federt die KinderZeit Plus eine Arbeitszeitreduzierung bis auf 20 Wochenstunden finanziell ab. Und wer seinen Arbeitsumfang nur wenig reduziert, kann die Leistung dafür länger in Anspruch nehmen. Die KinderZeit Plus hilft Eltern auch dann, wenn ältere Kinder mehr Zeit und Aufmerksamkeit brauchen – zum Beispiel bei der Ein- oder Umschulung. Denn sie lässt sich bis zum 14. Geburtstag nehmen.

Familien- und Erwerbsarbeit fair teilen

Zahlreiche Hindernisse erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie reichen von zu geringen Angeboten an Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, über eine Arbeitskultur, in der am weitesten kommt, wer am längsten anwesend ist, bis hin zu Klischees, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Führungsaufgaben übernehmen zu können.

Vor allem Frauen werden derzeit noch viel zu häufig auf alte Rollenmuster verwiesen. Sie leisten im Durchschnitt fast doppelt so viel unbezahlte Arbeit wie Männer. Während der Mann meist über das höhere Einkommen verfügt und nach kurzer Elternzeit wieder einsteigt, kehrt die Frau mit verringerter Stundenzahl oder gar nicht in den Beruf zurück. Den Wünschen junger Paare entspricht das nicht. Gut 60 Prozent der Eltern möchten sich die Sorgearbeit partnerschaftlich teilen. Dies können jedoch nur 14 Prozent der Eltern in ihrem Alltag auch realisieren.

Wir wollen, dass Erwerbs- und Sorgearbeit unabhängig vom Geschlecht für alle Menschen möglich ist. Wenn Frauen in größerem Umfang erwerbstätig sind und Männer ihre Arbeitszeit reduzieren können, ist eine faire Verteilung der beruflichen und familiären Arbeit möglich. Für Frauen hätte das weitere positive Effekte: Sie könnten ihre Existenz leichter eigenständig sichern, die Aufstiegs-Chancen von Müttern würden steigen und Frauen wären im Alter besser finanziell abgesichert.

Mit der KinderZeit Plus unterstützen wir Paare in ihrem Wunsch, Familien- und Erwerbsarbeit fair zu teilen. Sie gibt Müttern und Vätern größere Entscheidungsspielräume und erleichtert den Wiedereinstieg in Beruf oder Ausbildung.

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Bundestagsrede am 29.1.2021 von Ekin Deligöz zum Thema Elterngeld und Elternzeit