Pflege

PflegeZeit Plus - für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

In unserer Gesellschaft brauchen zunehmend mehr Menschen Hilfe und Pflege. Wer sich um seine demente Mutter kümmert oder dem alleinstehenden älteren Nachbarn zur Hand geht, übernimmt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und soll mit der grünen PflegeZeit Plus unterstützt werden. Theodor Barth/laif
26.04.2021

Corona

Unsere Schwerpunkte und Forderungen in Bezug auf Pflege durch Angehörige in der Corona-Krise finden Sie hier.

  • In Deutschland wächst die Zahl der Menschen, die Unterstützung und Pflege brauchen.
  • Wer sich um pflegebedürftige Menschen kümmert, übernimmt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und verdient unsere Wertschätzung und Unterstützung.
  • Die grüne PflegeZeit Plus unterstützt Menschen, die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige, Nachbar*innen oder Freund*innen übernehmen und federt Phasen der Arbeitszeitreduzierung mit einer Lohnersatzleistung ab.

In Deutschland gibt es ca. 5 Millionen pflegende Angehörige. Sie kümmern sich um drei von vier Pflegebedürftigen in unserem Land. Es sind überwiegend Frauen, die diese Sorgearbeit neben ihrem Beruf übernehmen oder dafür ihre Berufstätigkeit unterbrechen. Dabei müssen sie Verdienstausfälle, langfristige Einkommenseinbußen und geringere Rentenansprüche in Kauf nehmen. Wir wollen, dass es in Zukunft leichter wird, die Sorge für andere mit der eigenen Berufstätigkeit zu vereinbaren. Mit den Kosten dafür darf niemand allein gelassen werden.

Zur Wertschätzung privater Pflege gehört es, diejenigen zu entlasten, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern und sie finanziell zu unterstützen, wenn es nötig ist. Die Bundesregierung leistet das bisher nicht. Es gibt zwar mit der (Familien-)Pflegezeit gesetzlich die Möglichkeit, Arbeitszeit für Pflege zu reduzieren. Für den Verdienstausfall verweist die Regierung aber auf ein zinsloses Darlehen, das am Bedarf der Menschen vorbeigeht, wie die Zahlen beweisen: Seit 2018 haben jährlich nur etwa 200 Personen ein solches Darlehen in Anspruch genommen. Der Unabhängige Beirat zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf hat deshalb bereits 2019 die Einführung einer Lohnersatzleistung empfohlen. Ministerin Giffey zeigte bisher keinerlei Initiative, dieser Empfehlung konkrete Handlungsvorschläge folgen zu lassen.

Für andere sorgen verdient Unterstützung

Die grüne PflegeZeit Plus ermöglicht eine bis zu dreimonatige Freistellung für Menschen, die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige, Nachbar*innen oder Freund*innen übernehmen. Darüber hinaus federt sie Arbeitszeitreduzierungen bis auf 20 Wochenstunden finanziell ab – insgesamt für bis zu drei Jahre. Damit wird pflegenden Angehörigen einerseits die Möglichkeit gegeben, sich um die Organisation von Pflege zu kümmern: den Pflegebedarf einzuschätzen, sich über Leistungsangebote und -ansprüche zu informieren und die jeweils notwendigen Hilfen zu organisieren. Andererseits können sie die PflegeZeit Plus nutzen, um sich zeitweise selbst um Angehörige zu kümmern oder einen sterbenden Menschen zu begleiten, ohne dabei in finanzielle Notlagen zu geraten. Mit einer steuerfinanzierten Lohnersatzleistung - ähnlich wie beim Elterngeld - werden die finanziellen Belastungen während dieser systemrelevanten Sorgearbeit aufgefangen.

Auch Freunde können Familie sein

Auch Menschen ohne verwandtschaftliche Beziehung sollen einen Anspruch auf Pflegezeit für pflegebedürftige Personen anmelden können und Lohnersatzleistungen erhalten, wenn sie sich etwa um die alte Freundin, den langjährigen Vereinskameraden oder die Nachbarin kümmern wollen. Wir machen uns stark für eine Gesellschaft, in der Sorgearbeit fair verteilt und breit getragen wird, statt allein auf den Schultern einzelner Personen zu lasten. Deshalb kann und soll ein Teil der PflegeZeit Plus von mindestens einer weiteren Person genutzt werden. Über die Möglichkeit der „Partner*innenmonate“ wollen wir mehr Partnerschaftlichkeit in der möglichen Aufteilung fördern.

Kurzfristige Freistellung bei akutem Bedarf

Selbst wenn alles gut organisiert ist, kann es nötig sein, kurzfristig zu reagieren. Dafür sollen pflegende Angehörige sich – im Gegensatz zum derzeit geltenden Pflegezeitgesetz – über die gesamte Dauer der Pflegebedürftigkeit hinweg jährlich bis zu zehn Arbeitstage freistellen lassen können, bei Zahlung einer Lohnersatzleistung, ähnlich wie für Eltern, deren Kind krank ist.

Weitere Perspektiven nötig

Gute Arbeitszeitmodelle allein sind nicht ausreichend, um Pflege und Beruf verbinden zu können. Damit es überhaupt möglich ist, bei gleichzeitiger Berufstätigkeit zu pflegen, müssen flankierende Angebote an Beratung, Betreuung und Unterstützung ausgebaut werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die professionelle Pflegeinfrastruktur gestärkt wird, um in jedem Pflegefall genau den Mix aus professioneller und privater Pflege zu ermöglichen, der zu den Bedürfnissen von Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen passt.