ForschungTierqual beenden – Tierversuche ersetzen!

Ein Schwein liegt bewusstlos auf dem OP-Tisch

Nach wie vor werden jedes Jahr rund drei Millionen Tiere in deutschen Laboren für Versuche „verbraucht“. In dieser offiziellen Statistik sind die auf „Vorrat“ gehaltenen und getöteten Tiere und die im Rahmen der Genmanipulation entstehenden „Ausschusstiere“ noch nicht einmal mitgezählt.

Insbesondere in der Grundlagenforschung werden immer mehr Tiere verwendet. Zudem werden immer mehr Tiere gentechnisch verändert, um neue Forschungsmöglichkeiten zu schaffen.

Das widerspricht eklatant dem Ziel, Tierversuche konsequent zu reduzieren und schnellstmöglich überflüssig zu machen, obwohl der zuständige Minister Christian Schmidt (CSU) im September 2015 versprach: „Mein langfristiges Ziel ist es, Tierversuche komplett zu ersetzen“. Die Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage von uns macht sehr deutlich, wie wenig Ehrgeiz die Bundesregierung hat, Tierversuche zu reduzieren und Alternativen zu stärken. Auf viele unserer Fragen hat sie keine Antworten, andere sind enttäuschend.

Fortschritte bei Alternativen zu Tierversuchen

In den vergangenen Jahren wurden vielversprechende tierfreie Versuchsmethoden und -verfahren entwickelt, um Tierversuche zu ersetzen. Doch nach wie vor ist die staatliche Förderung von tierversuchsfreier Forschung sehr gering. Wir wollen deutlich mehr Mittel in die Erforschung und Weiterentwicklung investieren. Insgesamt wollen wir einen Paradigmenwechsel einleiten, bei dem der tierleidfreie Versuch zum „Goldstandard“ wird.

Niederlande legen Strategie zu Ausstieg aus Tierversuchen vor

Die niederländische Regierung legte Ende letzten Jahres eine Strategie vor mit klaren Zielen für den Ausstieg aus Tierversuchen und spezifischen Empfehlungen dafür, wie innovative tierleidfreie Forschungsmethoden beschleunigt werden sollen. Auch wurden Maßnahmen für eine Abschaffung gesetzlich vorgeschriebener Tierversuche (wie etwa für Chemieprodukte oder Pestizide) bis 2025 sowie ein 10-Jahres-Plan für den Bereich der Grundlagenforschung ausgearbeitet. Bei der angewandten Forschung soll der Fokus auf menschliche Modelle für menschliche Krankheiten gelegt werden. Wir wollen eine solche Gesamtstrategie auch für Deutschland – mit klaren Maßnahmen, Ziel- und Zeitvorgaben. Doch in ihrer Antwort macht die Bundesregierung deutlich, dass sie keine weiteren Anstrengungen geplant hat und keine nationale Strategie aufstellen will.

Tierschutzgesetz überarbeiten und Tierschutz stärken

Ein im April 2016 von uns Grünen im Bundestag in Auftrag gegebenes Gutachten hat 18 gravierende Mängel bei der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in nationales Recht festgestellt. Dazu zählt unter anderem, dass Behörden in Deutschland nicht die Möglichkeit haben, eine unabhängige und unparteiische Schaden-Nutzen-Abwägung vorzunehmen, dass Tierversuche in Deutschland bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung nur der Anzeige- und nicht der Genehmigungspflicht unterliegen sowie dass schwerst belastende Tierversuche nicht eingeschränkt wurden, obwohl diese laut EU-Richtlinie nur im Einzelfall zulässig sein sollten. Das Gutachten haben wir an die Bundesregierung und die EU-Kommission geschickt. Die Bundesregierung hat darauf nicht reagiert. Die EU-Kommission prüft, inwiefern die Bundesregierung die EU-Vorgaben falsch oder nicht umgesetzt hat. Wir hoffen, dass sie die Bundesregierung auffordert, nachzubessern. Die bestehenden Missstände müssen dringend behoben werden.

Wir werden weiter Druck machen auf die Bundesregierung. Tierversuche müssen endlich wirksam ersetzt und reduziert werden.

Am 20. Juni 2017 haben wir den Fraktionsbeschluss „Tierschutz stärken – Tierleid beenden“ gefasst.

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