WelttierschutztagTierschutz statt Tierleid

Freilaufende Hühner

91 Prozent der Deutschen wollen klare gesetzliche Regelungen zum Schutz der Tiere – die Bundesregierung und ihr zuständiger Minister Schmidt gehören nicht dazu.

Die sogenannte Tierwohl-Initiative, die Tierschutzminister Schmidt aktuell vorgestellt hat, setzt fast ausschließlich auf „freiwillige Verbindlichkeit“. In einem Kompetenzkreis will er erst einmal zwei Jahre lang diskutieren – über Probleme, die seit Jahren bekannt sind und über Lösungen, die auch längst vorliegen. Erst Ende 2016 will er über konkrete Regelungen nachdenken.

Tierschutz statt warmer Worte

Das ist zu spät! Denn bis dahin sind wieder zwei Jahre vergegangen, in denen Millionen von Schweinen betäubungslos die Ringelschwänzchen abgeschnitten werden, in denen 90 Millionen männliche Küken ohne Betäubung zerhäckselt oder zermust werden – einfach nur, weil sich ihre Aufzucht wirtschaftlich nicht lohnt.

Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung.

Was Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, viele Tierschutzverbände sowie wir Grüne im Bundestag uns vom Minister wünschen, haben wir in einem Antrag dargelegt.

Tieren ein würdiges Dasein ermöglichen

Dafür muss die Qualzucht, das Züchten auf Hochleistung, beendet werden. Wir wollen keine Puten, deren Brustmuskel so überzüchtet ist, dass sie zum Ende ihres kurzen Lebens nicht mehr stehen können, sondern nach vorne umkippen, und keine Sauen, die mehr Ferkel werfen, als sie Zitzen haben.

Außerdem wollen wir, dass Ställe an die Bedürfnisse von Tieren angepasst werden – und nicht umgekehrt. Kühe haben Hörner, Küken Schnäbel und Schweine Ringelschwänzchen – und die sollen sie auch behalten dürfen! Eine Tierhaltung, bei der Amputationen und Verstümmelung wegen zu großer Enge oder zu wenig Beschäftigung im Stall dazugehören, darf keine Zukunft haben.

Nicht nur bei der landwirtschaftlichen Tierhaltung, sondern auch zur Situation der Tierheime und der Zustände auf Tierbörsen muss sich die Bundesregierung endlich bewegen. Beides hat sie im Koalitionsvertrag versprochen, passiert ist bisher nichts. Wir werden erinnern und treiben.

Genauso bei der Bekämpfung des Welpenhandels. Immer mehr Hundebabys werden wie Wegwerf-Artikel aus dem Kofferraum verramscht. Das findet auch Agrarminister Schmidt schlimm. Wir fordern von ihm eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht, um mehr zu tun, als nur zu klagen.

Weiteren Druck bekommt die Bundesregierung wegen nicht korrekter Umsetzung der EU-Vorgaben zu Tierversuchen. Hier hat die alte Bundesregierung geschlampt. Wir erwarten, dass die neue das schnellstmöglich korrigiert. Tierversuche müssen reduziert und ersetzt werden. Es muss eine echte unabhängige Abwägung der ethischen Vertretbarkeit und Unerlässlichkeit geben. Außerdem ist es nicht vertretbar, dass für das Antifaltenmittel Botox jedes Jahr Tausende von Mäusen in Deutschland zu Tode gequält werde. Und das, obwohl Tierversuche für Kosmetika verboten sind und es bereits zuverlässige Testverfahren gibt, die ohne Tierquälerei auskommen.

Tiere brauchen eine bessere Lobby. Deswegen fordern wir Grüne im Bundestag das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen, das esin einigen Bundesländern bereits gibt, sowie eineN BundesbeauftrageN für Tierschutz.

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