KoalitionsvertragTourismuspolitik Schwarz-Rot

Zwei Kanus

Die Bundesregierung macht es sich leicht. Ihre Aussagen zur Tourismuspolitik füllen nur wenige Zeilen des Koalitionsvertrages. Darunter findet sich ein Bekenntnis für mehr Qualität im Deutschlandtourismus, ein Appell an die Unternehmer für bessere Ausbildungsqualität und die Bestrebung auch künftig auf die bestehenden Fördermöglichkeiten zurückgreifen zu wollen. Mehr als die Erhaltung des Status-Quo ist das leider nicht und das ist angesichts der steigenden Beherbergungszahlen und 2,9 Mio. nicht verlagerbaren Arbeitsplätzen überall im Land ein schwaches, kaum wahrnehmbares Signal an die für den „Tourismusstandort Deutschland“ arbeitenden Menschen.

Keine Schub für die ländlichen Regionen

Die deutschen Großstädte profitieren derzeit von neuen Mobilitätsformen, moderner Kommunikation und steigenden ausländischen Urlaubsgästen. Das ist gut, aber nur die halbe Wahrheit, denn in den ländlichen Regionen stagnieren die Beherbergungszahlen seit Jahren. Diese Tatsache wird von Schwarz-Rot ignoriert. Die Bundesregierung muss für bessere Rahmenbedingungen sorgen, damit sich die Städte, Kommunen, Unternehmer, Landwirte, Bürger und Naturschutzverbände vor Ort gegenseitig stärken können, statt sich hinter den Ländern zu verstecken. Nachhaltige, regional verankerte Tourismusprojekte können hier entscheidend in der Wertschöpfungskette mitwirken.

Für gute Arbeit im Tourismus

Der Fachkräftemangel wird den Tourismus gerade in den ländlichen Gebieten hart treffen. Mit den Jugendberufsagenturen, die den Fokus auf Schul-/ und Uniabbrecher legen, geht Schwarz-Rot in die richtige Richtung. Richtig ist auch die Einführung des Mindestlohnes: Wir brauchen dringend eine Aufwertung der Arbeitsplätze im Tourismus, wenn diese wichtige Branche für junge und motivierte Leute attraktiv sein soll.

Ökologisch Wirtschaften

Auch in der Tourismuswirtschaft ist die ökologische Umsteuerung längst überfällig. Das nützt dem Klima und den Unternehmen, welche Ihre Hotels und Gaststätten auf den neuesten Stand bringen wollen und müssen. Dafür bedarf es eine Aufstockung der KfW-Mittel auf 2 Mrd. Euro für das Gebäudesanierungsprogramm und mehr Tourismusexpertise innerhalb der KfW. Statt Mehrwertsteuererleichterungen bedarf es weiterer Unterstützung der Landwirte und Kommunen, die in den Erhalt der Biodiversität, den Naturschutz und eine nachhaltige touristische Infrastruktur investieren.

Erreichbarkeit der Destinationen

Eine Aufstockung hätte auch bei den Regionalisierungsmitteln kommen müssen, wenn die Destinationen in Zukunft öffentlich, barrierefrei und umweltverträglich erreichbar sein sollen. Diese Chance hat die Bundesregierung vertan. Ob die Erhöhungen der Infrastrukturmittel nur in den Straßenbau gehen, oder ob die Bundesregierung künftig vermehrt auf die Schiene, intermodale und sharing- Konzepte setzen, wird bleibt abzuwarten. Für den Tourismus in Deutschland kann man es nur hoffen.

Mehr zum Thema Tourismus

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4390622