MeerAktionsplan Meeresschutz

Unsere Meere sind der größte Lebensraum der Erde. Sie sind die Schatzkammern der Artenvielfalt und von unschätzbarem Wert für uns alle. Dennoch vergiften wir sie täglich und müllen sie zu. Dies belegt der Meeresatlas der Boell-Stiftung. Die Konsequenzen zeigen sich immer deutlicher: mittlerweile treiben riesige Müllstrudel im Meer, Meerestiere verenden qualvoll am verschluckten Plastik.

Die Landwirtschaft spült Unmengen an Stickstoff und Pestiziden ins Meer. Auch holen wir die letzten Fische vieler Arten aus dem Meer. Der Ausverkauf der Fische nimmt kein Ende, schon 90% der kommerziell genutzten Fischbestände sind ausgereizt. Wir pflügen den Meeresboden mehrmals jährlich um und lassen Delphine in Geisternetzen verenden.

Der Mensch braucht das Meer

Die Zukunft der Menschheit ist unmittelbar mit der Zukunft unserer Meere verknüpft. Gelingt es nicht, in den nächsten Jahren den Raubbau an den Ozeanen und ihre Verschmutzung zu stoppen, sind grundlegende Funktionen der globalen Ökosysteme gefährdet oder sogar irreversibel zerstört. Wir müssen jetzt handeln, denn die größten ökologischen Krise spielt sich gerade auch im Meer ab: die globale Klimakrise und das weltweite Artenstreben.

Daher war es so wichtig, dass das Meer eigenständig in den globalen Nachhaltigkeitszielen aufgenommen wurde und mit der Konferenz im Juni 2017 das konkrete Arbeiten daran begonnen hat. So wichtig eine erste UN Ozeankonferenz auch war, so erschreckend mager sind aber leider auch die Ergebnisse. Eine windelweiche Abschlusserklärung bleibt hinter den Problemen meilenweit zurück. Die verstärkte Ausweisung von Meeresschutzgebieten kann zwar ein kleines Hoffnungszeichen für die Ozeane sein. Der nächste Schritt muss jedoch Folgen: Wir brauchen internationale Regeln, die definieren, welche Mindeststandards diese Schutzgebiete erfüllen müssen.

Es liegt jetzt an den Mitgliedstaaten der UN, aus den allzu kleinen Anstößen der Abschlusserklärung mehr zu machen. Das richtet sich auch an die deutsche Bundesregierung, die ihren europäischen Verpflichtungen zur Ausweisung von Meeresschutzgebieten bisher nicht nachgekommen ist.

Bundesregierung versagt beim Naturschutz

Die große Koalition hat vier Jahre lang verschlafen, den Schutz der Meere ernst zu nehmen und bricht sogar mit ihren - eher vagen - Versprechen an die Wähler aus dem Koalitionsvertrag. So ist zum Beispiel keines der Schutzgebiete in der Nord - und Ostsee in dieser Legislatur tatsächlich unter Schutz gestellt worden, es wird dort weiterhin ungehemmt gefischt und gebaggert.

Keine zusätzlichen Schutzgebiete

Wir Grüne haben mit unseren vielen Anträgen und Initiativen im Bundestag der Regierung genügend Möglichkeiten gegeben, sich gemeinsam mit uns für den Schutz der Meere einzusetzen - das wurde jedoch stets von CDU/CSU und SPD zurückgewiesen. Die Bundesregierung bleibt untätig.

Daher legen wir Grünen jetzt einen ambitionierten Aktionsplan Meeresschutz vor, der mit umfassenden Zielen und Maßnahmen deutlich macht, was für den Schutz der Meere, seiner Ressourcen und der vielen Menschen, die für ihre Ernährung auf das Meer unmittelbar angewiesen sind, eigentlich sofort in Angriff genommen werden müsste.

Forderungen für den Meeresschutz

  • Die Überfischung der Meere muss gestoppt werden, die Natur braucht auch Ruhezonen ohne Nutzung.
  • Wir wollen ein Meer ohne Müll, insbesondere der Plastikmüll muss radikal reduziert werden.
  • Die industrielle Landwirtschaft muss in die Pflicht genommen werden, die Überdüngung und Nährstoffeinträge über unsere Flüsse ins Meer zu stoppen.
  • Das Meer darf kein Wilder Westen bleiben, in dem in der unbekannten Tiefsee auf Ressourcenjagd gegangen wird und der Rechtsrahmen für Schutz und Nutzung mehr als löchrig ist.
  • Die Schifffahrt soll endlich auf sauberere Treibstoffe umgestellt werden.

Die Meere sind für unser Überleben einzigartig wichtig, wir dürfen nie vergessen, dass wir jeden zweiten Atemzug dem Meer zu verdanken haben. Wir müssen anfangen, dieses Bewusstsein ins Zentrum unseres Handelns zu stellen.

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1 Kommentar
Verbot von Mikroplastik in Pflegeprodukten und Kosmetika
Bert Lahmann 05.05.2017

Ein Verbot von sogenanntem primären Mikroplastik in Kosmetika ist längst überfällig. Trotz freiwilliger Verpflichtungen der Industrie und des Handels ist außer der Verbannung der Plastikteilchen aus Zahncremes nichts passiert. Da viele verschiedene Kunststoffteilchen in den Produkten enthalten sind - PE, PP, AC, ACS etc. - wurde meist ein Polymere durch ein anderes ersetzt, obwohl es problemlos möglich wäre, auf Plastik in diesen Produkten völlig zu verzichten. Da die Bereitschaft dazu auf Seiten der Hersteller fehlt - wie auch eine Anfrage des Arbeitskreises Konsum der Kölner Grünen bei der Drogeriemarktkette dm zeigt - ist ein Verbot auf deutscher und dann auch europäischer Ebene notwendig

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