AntibiotikaresistenzenBaden gefährdet Ihre Gesundheit

Der Kopf eines Jungen schaut halb aus einem See heraus
Antibiotikaresistente Keime in Badeseen? Ja leider. Das hatte kürzlich schon der NDR aufgedeckt. Jetzt muss die Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage hin zugeben, dass die Gesundheit von Badenden gefährdet sein kann.

Multiresistente Keime kannte man bisher meist aus Krankenhäusern. Dass sie dort große Probleme machen, ist vielen bekannt. Und man will sie bloß nicht in seiner Nähe haben. Resistent heißt nämlich, dass sie mit gängigen Arzneimitteln nicht mehr gut oder gar nicht behandelbar sind, da sie immun gegen die Arzneiwirkstoffe geworden sind – sie haben multiple Resistenzen gebildet. Dass man mit solchen Keimen besser nicht in Berührung gelangen möchte, ist nachvollziehbar. Umso alarmierender ist, dass aktuell in Proben, die im Auftrag des NDR untersucht wurden, antibiotikaresistente Keime in relevanter Zahl in Bächen, Flüssen und Badeseen entdeckt wurden.

Antibiotikaresistente Keime in Badeseen können gefährlich sein

Eine Übertragung dieser Keime auf badende Personen kann nicht ausgeschlossen werden, insbesondere „bei Personen, die nach medizinischen Maßnahmen nur über eine abgeschwächte Immunabwehr verfügen“, erklärte die Bundesregierung in einer Antwort auf unsere Kleine Anfrage.

Besonders besorgniserregend an den NDR-Recherchen ist der Fund von Bakterien, die auch gegen Colistin resistent sind. Dieses Medikament wird in der Humanmedizin nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt, wenn alle anderen Antibiotika nicht mehr wirken. In der Tierhaltung, speziell in der Geflügelmast, wird es hingegen bis heute in größeren Mengen eingesetzt. Colistin-Resistenzen können von einem Bakterium zum anderen übertragen werden, was den Pool an resistenten Keimen erhöht.

Antibiotika-Resistenzen gelten als eine der größten Gesundheitsgefahren

Antibiotika-Resistenzen gelten als eine der größten Gesundheitsgefahren und als Bedrohung für die gesamte moderne Medizin. Seit Jahren warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem postantibiotischen Zeitalter, in dem resistente Keime dazu führen, dass einfachste Infektionen beim Menschen nicht mehr behandelt werden können. Weltweit sterben jedes Jahr rund 700.000 Menschen an Infektionen durch multiresistente Bakterien, gegen die selbst Reserve-Antibiotika nicht mehr wirken. Das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin geht von einem Anstieg der Todesfälle auf ca. zehn Millionen jährlich im Jahr 2050 aus, sollten keinerlei Maßnahmen gegen die Resistenzbildung getroffen werden.

Viele Studien zur Herkunft der Bakterien deuten darauf hin, dass der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft eine der Hauptursachen ist. Daher muss der Einsatz sogenannter Reserveantibiotika in der Tierhaltung unbedingt beendet werden. Medikamente, die die Weltgesundheitsorganisation als „critically important“ einstuft, dürfen für die Tiermedizin nicht mehr zugelassen werden.

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1 Kommentar
Agrarwende ist bitternötig!
Elisabeth Petras 07.04.2018

Gülletourismus verbreitet Seuchen, Geflügelkadaver werden mit dem Trockenkot auf Feldern ausgebracht und von Greifvögeln gefressen, was zur Übertragung von Erregern, die sich in der engen Aufstallung entwickeln auch auf Greifvögel führen kann. Die Tatsache, dass die so genannte "Vogelgrippe", deren höher pathogene Formen (HPAIV H5N1,8 und 6) höchstwahrscheinlich in Intensivhaltungen entstanden sind und auch dort auftraten derzeit fast ausschließlich bei Greifvögeln gefunden wurde und eben nicht bei den vielverdächtigten Stockenten, weist auf ein solches Geschehen oder verfütterte Geflügelabfälle/Produkte hin.

Ein Ende der engen Aufstallung ist nötig, um immer neue Erreger zu verhindern!

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