HolzschutzmittelGiftige Holzschutzmittel in Wohnungen

Wohnraum mit Holzbalken und Holzdecke

Biozid-Altlasten in Form von gesundheitsschädlichen Holzschutzmitteln, die lange Zeit im Bau eingesetzt wurden, bereiten seit Jahren Probleme und machen deutlich, die Bundesregierung muss handeln. So wurden zum Beispiel bei Messungen in einem Zweifamilienhaus durch das Bremer Umweltinstitut im April 2015 teilweise sehr hohe Belastungen mit den stark gesundheitsschädlichen Holzschutzmittelbestandteilen Pentachlorphenol (PCP), Polychlorierte Naphthaline (PCN) und Lindan gemessen.

Für die Vergangenheit war das Problem bekannt. Zwar mussten nach DIN 68800 nicht alle Häuser von 1956 bis 1990 direkt verpflichtend mit pentachlorphenol- und lindanhaltigen Holzschutzmitteln behandelt werden, allerdings konnten sich Bauunternehmen bei späteren Schäden der Haftung nur entziehen, wenn sie sich des chemischen Holzschutzes bedienten. Faktisch handelte es sich also um einen Zwang zum chemischen Holzschutz.

Untersuchungen deuten auf flächendeckenden Befund bis heute hin

Die Problematik besteht weiter. Bei Untersuchungen zwischen 1995 und 2012 wurde in allen Humanproben der Stoff Triclosan gefunden. Dieser vergiftete in Tierversuchen die Blutzellen, bringt den Hormonhaushalt durcheinander und führt zu Unfruchtbarkeit. Weiterhin steht Triclosan im Verdacht das Immunsystem zu schwächen, Allergien zu fördern und Krebs zu verursachen.

Bundesregierung bisher unwissend und will es auch bleiben

Die Antworten der Bundesregierung auf eine unserer Anfragen deuten darauf hin, dass es zwar erhebliche Altlasten in Form von giftigen Holzschutzmitteln in zwischen 1956 und 1989 gebauten Häusern gibt. Allerdings ist ihr der Umfang nicht bekannt. Messungen der Innenraumluft zu Forschungszwecken wurden bisher nicht durchgeführt und es sind dazu auch keine weiteren Untersuchungen geplant. Welche neurologischen Auswirkungen die bis 1989 eingesetzten gesundheitsschädlichen Mittel haben, wurde nicht erforscht und die Bundesregierung plant hier auch keine Projekte. Offensichtlich war und bleibt Bundesregierung untätig, obwohl sie in ihren Antworten bestätigt hat, dass Menschen den Schadstoffen täglich ausgesetzt sind. Ebenso wenig sind ihr der Großteil der Auswirkungen von Bioziden (Gifte, die auf Lebewesen wirken) auf die Umwelt bekannt.

Weiterhin viele Biozide mit gefährlichen Eigenschaften auf dem Markt

Noch heute sind mehr als 150 Produkte zugelassen, die Biozide beinhalten, welche zum Beispiel krebserregende Eigenschaften haben. Nach aktuellem Recht dürften diese Produkte nicht zugelassen werden. Zudem sind aufgrund von Übergangsregelungen Biozidprodukte ohne Zulassung legal auf dem Markt. Diesen Missstand will die Bundesregierung angeblich „so bald wie möglich“ beheben. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen nimmt die Bundesregierung beim Wort und wird diesen Sachverhalt weiter kritisch begleiten.

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