PestizdeGlyphosat-Einsatz beschränken

Trecker versprüht Pestizide auf Acker

Mit seiner Aufforderung an die Bundesregierung, den Einsatz des Pestizids Glyphosat in Haus- und Kleingärten und zur Vorerntebehandlung zu verbieten, setzt der Bundesrat ein klares Signal für den Umwelt- und Verbraucherschutz und bringt Bewegung in die festgefahrene Diskussion um Glyphosat.

In den letzten Jahren häufen sich die Hinweise auf massive ökologische und gesundheitliche Risiken von Glyphosat. In Südamerika treten bei BewohnerInnen von Regionen, in denen unter massivem Einsatz dieses Totalherbizids immer mehr gentechnisch verändertes Soja angebaut wird, schwere Gesundheitsschäden, Fehlgeburten und Missbildungen auf. Auch in Deutschland finden sich Glyphosat-Spuren inzwischen sogar im Urin vieler Stadtbewohner, die keinen direkten Kontakt zur Landwirtschaft haben.

Obwohl bereits vor zehn Jahren besondere Abgabevorschriften für Glyphosat-haltige Pestizide im Haus- und Kleingarten eingeführt wurden, sind die Rückstände von Glyphosat in Oberflächengewässern nach wie vor zu hoch. Das deutet darauf hin, dass immer noch unsachgemäße Behandlungen von versiegelten Flächen wie Wegen und Garageneinfahrten erfolgen. Von dort gelangen Wirkstoffrückstände in die Kanalisation und Oberflächengewässer.

Kein Problembewusstsein der Bundesregierung

Doch statt Umwelt und Verbraucher zu schützen, hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung die Gefahren von Glyphosat bislang kleingeredet und verdrängt. Dabei ist Deutschland EU-Berichterstatter für den Wirkstoff und damit für eine umfassende Risikobewertung verantwortlich. Bisher sieht es nicht so aus, als ob eine zukünftige schwarz-rote Bundesregierung diese Aufgabe wirklich erfüllen will.

Der Beschluss des Bundesrates kommt daher zur rechten Zeit. Angesichts der ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen von Pestiziden reicht der in den aktuellen Verhandlungen formulierte Ansatz , sich hinter dem zahnlosen Aktionsplan Pflanzenschutz zur Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes zu verstecken, bei weitem nicht mehr aus.

Glyphosat in bestimmten Anwendungen verbieten

Die nah am Erntezeitpunkt liegende Anwendung von Glyphosat zur Reifebeschleunigung beispielsweise stellt vermutlich

die Haupteintragsquelle von Glyphosat in die Le­bensmittelkette dar. Der regelmäßige Einsatz dieser Methode allein aus logistischen Gründen zur Steuerung des Erntezeitpunktes hat nichts mit einer guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft zu tun und sollte darum verboten werden.

Im Haus- und Kleingartenbereich stehen ausreichend mechanische und thermische Alternativen zur Verfügung, um unerwünschten Beikrautwuchs zu beseitigen. Aus Vorsorgegründen für Umwelt und Anwender sollte die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzen­schutzmittel hier untersagt werden.

Die zukünftige Bundesregierung muss die Bundesratsinitiative im Interesse von Umwelt und VerbraucherInnen jetzt zügig umsetzen.

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1 Kommentar
Erst informieren, dann entscheiden!
Theodorius 04.12.2013

Die Beschluß ist ein typischer Aktionismus! Es gibt keine evidenzbasierte Studie, dass von Haus- und Kleingärten eine Gesundheitsgefahr ausgeht wegen Glyphosat. Werden dort Futtermittel produziert oder Früchte zur Abreifung behandelt?
Bei den Gesundheitsgefahren, die von Vorfällen in z.B. Südamerika herrühren, wurde nicht differenziert dargestellt, dass die Schäden an Mensch und Tier durch das zusammen eingesetzte verbotene Mittel Endosulfan und durch das Versprühen mit Flugzeugen herrühren. Arbeitet ein Hausgärtner so?
Kurz, dieser BR- Beschluß ist PR-trächtig (man tut was) aber sinnfrei, weil Probleme der 3.Welt so nicht gelöst werden können.

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