ImmissionschutzLegionellen aus Industrieanlagen

Legionellen sind Bakterien, die in unserer Umwelt an vielen Stellen vorkommen. Unter anderem sind sie in verschiedensten technischen Anlagen, wie Kläranlagen, Trinkwasserinstallationen, Whirlpools, Zierbrunnen, Verdunstungskühlanlagen oder Kühltürmen zu finden. Legionellen können unter bestimmten Bedingungen die Infektionskrankheit Legionellose ("Legionärskrankheit") verursachen, die unter Umständen lebensgefährlich sein kann.

In Deutschland ist trotz der bestehenden Meldepflicht davon auszugehen, dass eine große Zahl der Fälle nicht erfasst wird. Nach Schätzungen des Kompetenznetzwerkes für ambulant erworbene Pneumonien („CAPNETZ“, www.capnetz.de) geht man für Deutschland von jährlich etwa 15.000 bis 30.000 Erkrankungen aus.

In ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage „Legionellen in Industrieanlagen“ (Bundestagsdrucksache 18/4482) bezieht die Bundesregierung Stellung zu den erfassten Ausbrüchen der Krankheit und gibt Einblicke in ihre Planungen, die solchen Ausbrüchen entgegenwirken sollen.

Es gab bereits größere Ausbrüche

Zwei größere Legionellenausbrüche ereigneten sich 2010 in Ulm/Neu-Ulm mit 64 Erkrankten und fünf Toten sowie in Warstein im August 2013 mit 159 Erkrankten und zwei Toten. In beiden Fällen waren laut Bundesregierung jeweils Kühltürme der Ausgangspunkt. In diesem Zusammenhang ist es zwingend erforderlich, dass endlich konkrete Vorgaben und Grenzwerte gesetzlich verankert werden, um solchen Ausbrüchen vorzubeugen und die Gesundheit gerade von Anliegerinnen und Anliegern solcher Industrieanlagen zu schützen.

Die Bundesregierung verschleppt den Schutz

Auch die Bundesregierung kam bereits 2013 zu dem Schluss, dass weitere Regelungen erforderlich sind, um Bürgerinnen und Bürger effektiv vor Erkrankungen aufgrund von Legionellenausbrüchen zu schützen. Eine entsprechende Verordnung soll es aber erst 2016 geben - zudem noch ohne Grenzwerte, weil angeblich die wissenschaftliche Grundlage nicht ausreiche, um gesundheitlich begründete Grenzwerte festzulegen. Diese scheint die Bundesregierung auch gar nicht erst schaffen zu wollen, denn dafür notwendige Forschungsvorhaben sind in der Antwort der Bundesregierung nicht erwähnt. Das bedeutet, dass auch mittelfristig keine Einführung eines Grenzwerts zu erwarten ist. Erstaunlich ist bei dieser Argumentation, dass es für Trinkwasseranlagen schon Vorschriften gibt, obwohl es auch hier auch keine bessere wissenschaftliche Grundlage für einen ursächlichen Zusammenhang mit Erkrankungen gibt. Vorsorgender Gesundheitsschutz sieht anders aus!

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