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VerpackungVerpackungsflut endlich eindämmen

Benutztes Einweggeschirr aus Plastik liegt auf einem Mülleimer
In Deutschland fielen 2016 insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, so der aktuelle Bericht des Umweltbundesamtes. Das ist ein Anstieg um 0,05 Prozent gegenüber 2015 und entspricht 220,5 kg Verpackungsabfall pro Kopf und liegt damit weit über dem EU-Durchschnitt. Das Hauptproblem sind die Plastikverpackungen, so stieg der Verbrauch um 74 Prozent bezogen auf das Jahr 2000 an.

Autorenpapier "Grüner Aktionsplan gegen Plastikmüll" von Dr. Bettina Hoffmann, Dr. Anton Hofreiter, Oliver Krischer, Steffi Lemke (28.08.2018)

Unser Planet ist voller Plastik, überall. Ob im Eis der Antarktis oder in den Quellbächen der Hochgebirge, in den Meeren sowieso. Überall, selbst in den abgelegensten Ecken der Welt, weitab von Zivilisation, gibt es Plastik. Unser Alltag wird von Plastik bestimmt, beim morgendlichen Duschen in Form von Mikroplastik im Shampoo, die Verpackung von Käse oder Wurst für die Schulbrote, der Kaffee To Go im Wegwerfbecher und so weiter. Die Folgen dessen sind noch zu wenig erforscht, doch sie können kaum gut sein.

Kein Plastik in Wegwerfartikeln

Plastik ist für viele Bereiche ein sinnvoller Werkstoff. Wenn aber auf Langlebigkeit und Haltbarkeit getrimmte Stoffe auf Basis fossiler Rohstoffe nur für wenige Sekunden im Einsatz sind, um dann in den Müll geworfen zu werden, ist das Irrsinn. Die EU-Kommission hat die Zeichen der Zeit erkannt und will die wachsende Plastikflut in Europa eindämmen. Sie hat einen Entwurf für eine Richtlinie vorgelegt, durch die bestimmte Produkte wie Plastikgeschirr vom Markt verschwinden sollen. Es werden Minderungsziele und Quoten gefordert, nur noch recyclingfähiges Plastik soll zum Einsatz kommen. Die Richtung stimmt, aber das Problem sitzt noch tiefer.

Plastik hat keinen Wert

Auch wenn Verbote für besonders unsinnige und umweltschädigende Produkte sinnvoll sind, es müssen weitere Maßnahmen erfolgen. Mehr Mehrweg ist eine weitere wichtige Stellschraube. Dafür brauchen wir Anreize. Denn Einwegplastik ist schlicht und einfach zu billig. Dabei sind die fossilen Quellen endlich. Wir wollen dem Plastik den Wert geben, den es verdient. Die Verbrennung darf nicht weiter von der Energiesteuer befreit sein und die Einwegnutzung muss verteuert werden. Deshalb unterstützen wir den Vorschlag der Europäischen Kommission nach eine Abgabe auf nicht recycelten Verpackungsplastik. Dies macht Einweg teurer und stärkt den Einsatz von recycelten Plastik.

Deutschland ist kein Recycling Weltmeister

In kaum einem EU-Land fällt pro Kopf so viel Verpackungsabfall – gerade auch Plastik - an wie in Deutschland. Laut Umweltbundesamt vielen 2016 fast 25 Kilo Plastikverpackungsmüll pro Kopf und Jahr beim privaten Endverbraucher in Deutschland an. Die Bundesregierung hat sich viel zu lange auf der vermeintlichen Vorreiterrolle des Recyclingweltmeisters ausgeruht. Strategien zur Müllvermeidung und der Ausbau der Recyclingkapazitäten wurden komplett verschlafen. Es ist bezeichnend, dass eine Initiative zur Reduzierung unseres Plastikabfalls nicht aus Berlin, sondern aus Brüssel kommt.

Plastikflut endlich stoppen

Die Bundesregierung sollte sich der Initiative der Kommission endlich anschließen. Sie muss jetzt nachziehen und konsequente Maßnahmen einleiten, um Wegwerfplastik zu vermeiden, Mehrwegverpackungen zu stärken und den Einsatz von recyceltem Kunststoff zu fördern. Denn am Ende brauchen wir weniger und bessere Verpackungsmaterialien, und dazu muss die Bundesregierung vor allem auch die Hersteller in die Pflicht nehmen.

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