PlastikmüllPlastiktüten - es geht auch ohne

Stoffbeutel mit der Aufschrift "Geiler Sack"

Die Supermarktkette Rewe hat heute angekündigt, zukünftig keine Plastiktüten mehr zu verkaufen. Damit zeigt Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler, dass der Verzicht auf Plastiktüten möglich ist. Und hat damit die Nase vorn gegenüber der kürzlich vorgestellten Initiative von Handelsverband und Umweltministerium zur kostenpflichtigen Abgabe von Plastiktüten. Deren Vereinbarung gewährt noch zu viele Ausnahmen und enthält keine ambitionierten Ziele, auf welche Zahl der Verbrauch gesenkt werden soll.

Deutschland ist Europameister

Erfreulich ist die Aussage von REWE-Vertretern, auch bei den Umverpackungen von Obst und Gemüse, den dünnen Plastik-Knotenbeuteln sowie Transportverpackungen Ressourcen einsparen zu wollen. Hier bleibt noch viel zu tun. So ist Deutschland Europameister im Produzieren von Verpackungsmüll – insgesamt und pro Kopf. Alleine die Menge von Kunststoffverpackungen hat seit 2009 in Deutschland um fast ein Drittel zugenommen.

Die Bundesregierung erkennt zwar den ökologisch schlechten Trend zu immer mehr Verpackungen, scheut sich aber, konkrete Maßnahmen dagegen zu unternehmen. Weder gegen Plastiktüten, noch gegen Einweg-Kaffeebecher, noch gegen doppelt und dreifach eingeschweißte Produkte. Was fehlt sind Anreize zu ressourcensparenden Verpackungen. Der Trend zur Wegwerfkultur muss gestoppt werden.

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3 Kommentare
Problem ist nicht die Plastiktüte sondern der Umgang damit
Dr. Horst Denzer 02.06.2016

Plastiktüten bestehen hauptsächlich aus Polyethylen oder Polypropylen,
welche biologisch nicht abbaubar sind. Die Herstellung ist jedoch weniger umweltgefährdend als die Herstellung von Papier. Das Plastikmüll-Problem entsteht erst, wenn man die Plastiktüten in die Umwelt z. B. auf Müllkippen
wegwirft. Durch Wind und Wetter wird Plastik dann in kleine Teile zerrieben, die ins Meer gelangen und zum Verenden von Vögeln und Meerestieren beitragen. Daher ist es in Deutschland und vielen EU-Staaten verboten, Plastik in den Hausmüll zu entsorgen. Mehr Disziplin
beim Käufer ist also gefragt. Außerdem sind Plastiktüten als "festes Erdöl"
ein wertvoller Heizstoff.

Herstellung von Plastikverpackungen, u.a. Tüten verbieten
Umweltnetzwerk 02.06.2016

Der Kommentar von Dr. Denzer verdeutlicht eines der Probleme im Umgang mit der Plastiktaschen in Deutschland: hier wird, wie seit jahrzehnten zuvor, der "sorgfältige Umgang zur Nutzung" der Plastiktüten angemahnt, und damit das Problem grundlegend auf den Verbraucher abgewälzt. Während in anderen EU-Staaten wie Frankreich oder Österreich ein Verbot von Plastiktüten gesetzlich erwirkt wurde, hüllt sich die Bundesregierung in Schweigen und überläßt wie auch in vielen anderen Umweltbereichen die Lösung des Problems einer "freiwilligen Marktwirtschaft". In Erinnerung sei nochmals gerufen, das nicht der Verbraucher Plastikverpackungen herstellt, sondern der Handel, bzw. Lebensmittelindustrie. KK

Der Verbraucher bestimmt...
Mike 12.06.2016

...über sein Verhalten den Umgang mit Ülastiktüten. Wo dauerhaft keine Nachfrage da dauerhaft auch keine Herstellung. Alles klar? So einfach ist Umweltschutz.

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