RessourcenverschwendungPlastiktüten zurückdrängen

Plastiktüten am Strand

Die Europäische Union will den Kampf gegen die Vermüllung und Ressourcenverschwendung intensivieren und animiert die Mitgliedstaaten zu einem engagierteren Vorgehen gegen Plastikabfälle. In ihrem Vorschlag zur Verringerung der Verwendung von Plastiktüten stellt die EU-Kommission den Mitgliedstaaten frei, dies über Abgaben, feste Verringerungsziele oder nationale Verbote zu erreichen. Sie will damit den enormen jährlichen Verbrauch von fast 100 Milliarden Plastiktüten in Europa verringern. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Grüne Bundestagsfraktion plädiert für eine zielgerichtete Abgabe

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat ein solches Vorgehen schon wiederholt im deutschen Bundestag gefordert. Zielführender als ein Verbot halten wir die Einführung einer speziellen Abgabe für Plastiktüten auf Erdölbasis. Dazu hat die grüne Bundestagsfraktion vor zwei Jahren einen Vorschlag in den deutschen Bundestag eingebracht, der leider durch die Regierungskoalition abgelehnt wurde. Dass solche Abgaben schon heute europarechtlich möglich und erfolgversprechend sind, zeigt das Beispiel Irlands: Dort ging der Verbrauch an dünnen Plastiktüten, die ganz wesentlich zu der Entstehung der riesigen "Müllinseln" in unseren Ozeanen beitragen, nach der Einführung einer solchen Abgabe rasch um 90 Prozent zurück.

Die Einnahmen aus einer Abgabe können zielgerichtet für die Entwicklung und Nutzung von umweltfreundlichen Alternativen, die Beratung von Bürgerinnen und Bürgern und für ein verbessertes Plastikrecycling genutzt werden. Denn die Regulierung der „alten“ Plastiktüten kann nur der erste Schritt sein. Neben einer deutlichen Reduzierung des Tütenverbrauchs, um die Vermüllung und diese Ressourcenverschwendung zu beenden, benötigen wir auch einen Umstieg auf abbaubare und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Alternativen.

Müllinseln in unseren Ozeanen

Die Zahlen sprechen für ein solches Vorgehen. So wurden laut EU-Kommission im Jahr 2010 schätzungsweise 98,6 Milliarden Kunststofftragetaschen verwendet. In Deutschland verbraucht jeder Bürger jährlich durchschnittlich 71 Plastiktüten, davon 64 leichte Einwegtüten, EU-weit werden jährlich durchschnittlich 198 Plastiktüten pro Bürger verbraucht. Der größte Teil davon besteht aus leichtem Kunststoff und wird kaum wiederverwendet. Diese Tragetaschen können aber noch Hunderte von Jahren überdauern und als schädliche, mikroskopisch kleine Partikel die Meeresfauna und -flora gefährden. Sie gelangen über die Nahrungskette sogar auf unsere Teller. Viele Meerestiere verenden durch Plastikabfälle, sie verheddern sich in diesen tödlichen Fallen oder verhungern mit vollem Magen lauter Plastikteilchen.

Alternativen zur herkömmlichen Plastiktüte weiterentwickeln

Zum weitaus größten Teil werden heute Kunststoffe auf der Basis von fossilen Rohstoffen produziert. Wenn diese Kunststoffe ordnungsgemäß entsorgt werden, landet ein Teil direkt in der Verbrennung, der andere Teil wird wieder zu Produkten recycelt. Der größte Teil der Kunststoffe in der Welt wird aber eben nicht ordnungsgemäß entsorgt. Plastiktüten oder Kunststofftrinkflaschen, die oft nach einem Tag wieder weggeworfen werden, wurden von der Chemieindustrie aber auf eine lange Stabilität gestaltet und können deshalb gar nicht in der Natur verrotten. Eine absurde Produktpolitik, die erst auf Wegwerfprodukte setzt und diese dann mit solch langen Stabilitäten ausstattet.

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