MeeresschutzTodeszonen in der Ostsee

Die Ostsee ist beliebt bei vielen Urlaubern und Kreuzfahrttouristen. Doch durch neue Erkenntnisse über die Wasserqualität und den Nährstoffgehalt der Ostsee macht sich Unbehagen breit: Einer Studie der Universität Aarhus zufolge haben sich sauerstoffarme, lebensfeindliche Bereiche, sogenannte „Todeszonen“ in der Ostsee stark ausgeweitet. Von 5.000 Quadratkilometern vor 110 Jahren sind sie auf mittlerweile 60.000 Quadratkilometer angewachsen. Das ist eine Fläche dreimal so groß wie Sachsen-Anhalt und damit die weltweit größte Todeszone menschlichen Ursprungs. Weder Fische noch andere Meeresbewohner können sich in diesen Todeszonen aufhalten, ihr Lebensraum ist dadurch drastisch geschrumpft.

Industrielle Landwirtschaft als Hauptursache

Die Hauptursache für diese Katastrophe findet sich an Land: Die Überdüngung der Felder mit Nährstoffen, in erster Linie Phosphaten und Nitraten durch die intensive industrielle Landwirtschaft. Über Flüsse und die Luft gelangen diese Nährstoffe in die Ostsee und lösen dort ein massives Wachstum der Algen aus, die sogenannte Algenblüte. Wenn die Algen sterben, sinken sie auf den Meeresboden und werden dort von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess entzieht dem Wasser und dem Meeresboden (auf dem sich die Algen ablagern) Sauerstoff und gleichzeitig entsteht giftiger Schwefelwasserstoff. Pflanzen und Tieren, die am Meeresboden leben, geht buchstäblich die Luft aus, das ökologische Gleichgewicht gerät aus dem Ruder.

Fischerei in Gefahr

Die Ostsee als Binnenmeer ist von diesen Prozessen stärker betroffen als zum Beispiel die Nordsee, da ein Austausch und eine Durchmischung mit sauerstoffreichem Wasser sehr lange dauert und sie abseits der globalen Meeresströme liegt. Die Nährstoffe reichern sich somit stark an. Nicht nur am Meeresboden gerät das ökologische Gleichgewicht aus dem Ruder. Auch Fische sterben massenhaft, dadurch ist auch die Fischereiwirtschaft gefährdet.

Abkommen greifen noch zu kurz

Oberhalb der Wasseroberfläche gibt es dagegen einen Lichtblick für die Ostsee: Schiffe dürfen nur noch bis Ende 2014 mit schwefelhaltigem Treibstoff fahren, danach verschärfen sich die Regeln. Doch andere Luftschadstoffe wie Rußpartikel, Kohlenstoffmonoxid (CO), Stickoxide (NOx) und Feinstaub werden weiterhin ausgestoßen und schaden damit den Küstenanwohnern sowie durch die Versauerungswirkung auch der Wasserqualität.

Verschiedene Abkommen, wie die europäischen Nitratrichtlinie und die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), sollten dazu beitragen, die Nährstoffeintragungen in die Ostsee zu reduzieren. Ein Rückgang zeichnete sich bis jetzt allerdings nicht ab. Im Gegenteil, die Nitratbelastungen in den Küstengewässern der Ostsee übersteigen regelmäßig die Nitrat-Orientierungswerte und Schiffe kippen weiterhin Abfälle unkontrolliert in die Meere. Außerdem verfehlten so gut wie alle Messstationen den guten ökologischen Zustand wie in der Wasserrahmenrichtlinie gefordert.

Bundesregierung muss handeln

Bleibt zu hoffen, dass die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) ein wirksameres Instrument des Meeresnaturschutzes wird. Ziel ist es bis zum Jahr 2020 in den europäischen Meeren einen guten Umweltzustand herzustellen. Die Anfangsbewertungen haben bisher gezeigt, dass sich die Ostsee in einem schlechten Umweltzustand befindet. Jetzt gilt es im Rahmen der MSRL Maßnahmen zu erstellen, die den Trend umkehren, der Entwicklung von „Todeszonen“ entgegenwirken und die biologische Vielfalt erhalten.

Daher benötigt es dringend eine Verringerung von Nährstoffeinträgen durch die Novellierung der Düngeverordnung und eine Reduktion von Stickstoffeinträgen. Eine gezielte Förderung von Ökolandbau würde diese Trendumkehr unterstützen. Außerdem muss verstärkt an der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und der Meeresrahmenrichtlinie gearbeitet werden.

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