Agrarindustrie belastet GrundwasserTrinkwasser wird immer teurer

Trecker bringt Gülle aus
Fast über all in Deutschland steigen die Preise für Trinkwasser. Nitrat, Pestizide und Medikamente verunreinigen das Grundwasser. Die Bundesregierung aber unternimmt nichts, trifft keine Vorsorge und wälzt das unverantwortliche und umweltschädigende Verhalten der Agrarindustrie und die daraus entstehenden Kosten auf die VerbraucherInnen ab. die grüne Bundestagsfraktion hat einen Plan für sauberes und bezahlbares Trinkwasser erarbeitet.

Deutschlandweit sind die durchschnittlichen Trinkwasserpreise zwischen 2005 und 2016 um 17,6 Prozent gestiegen - und damit stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise (Zuwachs um 16,1 Prozent). Vor allem zwischen den Jahren 2014 bis 2016 verteuerten sich die Verbraucherpreise für Wasserversorgung um 4,1 Prozent, also fünfmal so stark wie die allgemeinen Verbraucherpreise (0,8 Prozent). Dies geht aus Zahlenmaterial des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Preisentwicklung fällt in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich aus: Während in Thüringen und Berlin die Trinkwasserkosten eines durchschnittlichen Haushalts seit 2005 nominal sogar gesunken sind, sind sie im Saarland und in Bayern überdurchschnittlich gestiegen.

Agrarindustrie verunreinigt Grundwasser: Trinkwasserpreise steigen

Die Aufbereitung von Trinkwasser wird zunehmend kostenintensiver. Das Umweltbundesamt und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) hatten schon vergangenes Jahr Prognosen dazu veröffentlicht. Die Wasserversorger müssen unter anderem mit dem übermäßigen Einsatz von Dünger, Pestiziden und Medikamenten in der Agrarindustrie fertig werden. Zudem zieht sich der Staat an vielen Stellen bei der Erhaltung der Trinkwasserinfrastruktur zurück. Das belastet die Verbraucher*innen und führt dazu, dass gerade kleine und mittlere Einkommen noch stärker durch die steigenden Trinkwasserpreise belastet werden.

Grüne Forderungen für sauberes und bezahlbares Trinkwasser

Wir brauchen endlich eine Bundesregierung, die unter anderem den übermäßigen Einsatz von Dünger und Gülle, Pestiziden und Medikamenten in der Landwirtschaft beendet und ihre Politik an einer nachhaltigen Boden- und Wasserbewirtschaftung ausrichtet. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Verursacher für die Verunreinigung von Trinkwasser in die Pflicht genommen werden. Damit nicht die Haushalte die Kosten für eine intensive Agroindustrie tragen müssen.

Was jetzt zu tun ist

  1. Wir brauchen eine Stickstoffstrategie gegen übermäßigen Gülle-Einsatz, mit der die Nitratbelastung massiv reduziert werden kann. Hierfür brauchen wir ein klares gesetzliches Minderungsziel. Dafür müssen die Stickstoffüberschüsse drastisch reduziert und schrittweise eine Zielmarke von 30 Kilogramm im Mehrjahresmittel erreicht werden. Auch die europäische Agrarpolitik muss auf die Verminderung der Stickstoffeinträge ausgerichtet werden.
  2. Wir brauchen ein Pestizidreduktionsprogramm, mit dem jedes Jahr weniger Ackergifte in unser Wasser gelangen. Die Erforschung von Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz wollen wir fördern, hochproblematische Stoffe wie Glyphosat und Neonikotinoide müssen vom Markt genommen werden.
  3. Wir brauchen eine Quecksilber-Minderungsstrategie. Auch deshalb müssen wir aus der Kohleverstromung aussteigen und als ersten Schritt die 20 schmutzigsten Kohlemeiler unverzüglich abschalten.
  4. Wir wollen den unnötigen Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika stoppen. Zudem muss eine neue Bundesregierung konsequent auf ein internationales Abkommen zur Verringerung von Plastikmüll in den Meeren hinarbeiten.
  5. Wir brauchen weniger Antibiotika in der Tierhaltung. Stattdessen brauchen Tiere mehr Platz, Auslauf, Licht und Beschäftigung um gesund zu bleiben. In der Humanmedizin muss auf Medikamentenverpackungen einfach und klar erkennbar sein, wie Arzneimittelreste zu entsorgen sind, um die Gewässer zu schonen.
  6. Die Kommunen sollen über ihre Wasserversorgung selbst entscheiden. Sie dürfen bei Rekommunalisierungen der Wasserversorgung und Ausweisung von Schutzgebieten nicht Investorenklagen ausgesetzt werden. Freihandelsabkommen wie (CETA) müssen auch deshalb neu verhandelt werden.

HINWEIS: In einer vorherigen Meldung hatten wir mit Daten aus der Umweltstatistik, die uns das Statistische Bundesamt auf Nachfrage nach Wasserentgelten zugesandt hatte, die Trinkwasserkosten eines Durchschnitthaushalts im Jahr 2005 denen von 2016 gegenübergestellt. Aus diesem Vergleich ergibt sich nominal eine Kostensteigerung um mehr als 25 Prozent - das sind knapp 50 Euro an Mehrkosten pro Haushalt. Das Statistische Bundesamt weist inzwischen darauf hin, dass die Daten aus der Verbraucherpreisstatistik für einen Preisvergleich besser geeignet sind. Außerdem ist das Statistische Bundesamt der Auffassung, dass aufgrund einer Änderung in der Methodik der Umweltstatistik ab dem Jahr 2014 ein direkter Zeitvergleich der Daten der Jahre 2005 bis 2016 nicht vorgenommen werden könne. Entsprechend haben wir die Angaben in diesem Artikel angepasst. Davon unberührt bleibt die dringliche Notwendigkeit zu handeln bestehen: Sowohl das Umweltbundesamt als auch der Bundesverband der Deutschen Energie und Wasserwirtschaft warnen vor Mehrkosten für Trinkwasser von zwischen 32 und 62 Prozent, sollte sich die derzeitige Düngepraxis mitsamt der Nitratbelastung des Grundwassers nicht ändern.

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